„Relotius-System gehört völlig fertig“ – AfD greift nachdem KI-Eklat Zweites Deutsches Fernsehen an

Nach den KI-Bildern im heute-journal ist im Bundestag ein Streit entbrannt. Die AfD wirft dem ZDF vorsätzlichen Betrug vor, während CDU und Grüne auf Entschuldigung, Konsequenzen und die Bedeutung von Qualitätsmedien hinweisen.

Nach dem Eklat um KI-generierte Bilder im „heute-journal“ hat die Debatte über den Einsatz künstlicher Intelligenz nun auch den Bundestag erreicht. Auf Antrag der AfD-Fraktion befasste sich das Parlament am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema.

AfD-Politiker Götz Frömming, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien, sagte zu Beginn der Debatte. „Das war keine Panne, das war vorsätzlicher Betrug. Man versucht nicht zu berichten, man versucht Meinungen zu erzeugen.“ Man habe das „Relotius-System“ bei der Arbeit gesehen. „Dieses Relotius-System gehört abgeschafft.“ Claas Relotius ist ein ehemaliger Reporter des „Spiegel“, der über Jahre hinweg Reportagen teilweise oder vollständig erfunden und manipuliert hatte.

Lesen Sie auch

CDU-Politiker Ottilie Klein betonte, dass dem ZDF ein Fehler unterlaufen sei. „Zur Wahrheit gehört aber auch: Das ZDF hat sich für den Vorfall entschuldigt und Konsequenzen gezogen“, sagte sie. Der Vorfall könne auch als Chance gesehen werden. „Denn er rüttelt uns wach.“ Im Internet befänden sich unzählige KI-Videos- und Aufnahmen, bei denen man vorsichtig sein müsse.

„Zur Wahrheit gehört aber auch: Das ZDF hat auf den Vorfall reagiert, die Nachrichtenchefin hat sich entschuldigt und Konsequenzen gezogen. Wenn wir uns auf die Berichterstattung von Medien nicht mehr verlassen können, hat das auch Auswirkungen auf die Demokratie“, sagte sie. Und weiter: „Wir brauchen Qualitätsmedien, die ein starkes Bollwerk gegen Desinformation sind und die ein Gegenpol zum Populismus der Ränder setzen.“

„Natürlich nutzen die Feinde des ÖRR das sofort zum Generalangriff“

Ähnlich argumentierte auch Sven Lehmann von den Grünen. „Ja, das ZDF heute journal hat einen Fehler gemacht.“ Allerdings habe der Sender Konsequenzen gezogen. Der AfD gehe es nicht um eine Debatte rund um den Vorfall, sondern um einen „Generalangriff“ auf den rechtlichen Rundfunk insgesamt. Zugleich verwies Lehmann darauf, dass ein Landtagsabgeordneter der AfD vergangenen Woche selbst ein KI-Video der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, veröffentlicht habe. Dieses sei nicht als solches gekennzeichnet gewesen. In Richtung der AfD sagte er: „Wenn sie also mit dem Finger auf ARD und ZDF zeigen, dann zeigen sechs Finger auf sie selbst.“

Martin Rabanus von der SPD erklärte, KI-generierte Bilder zu verwenden, sei ein „NoGo im Journalismus“. Ein solcher Vorfall beschädige das Vertrauen in das System insgesamt. Für die AfD spiele es aber keine Rolle, dass sich der Sender längst entschuldigt habe. „Natürlich nutzen die Feinde des ÖRR das sofort zum Generalangriff.“ Die AfD wolle, dass die Demokratie schwächer werde. „Kritische Fragen sollen möglichst ganz verstummen, damit am Ende nur noch die lautesten bestimmen, was denn die Wahrheit sei und niemand mehr dazwischen funkt. Das werden wir ihnen aber nicht durchgehen lassen.“

nw

Source: welt.de