Berliner Senatorin nennt Äußerungen von Projektleiterin „verstörend“
Das Zera-Institut setzt sich gegen Antisemitismus ein – und wird dafür mit 390.000 Euro vom Staat gefördert. Jetzt kommt heraus: Die Projektleiterin beschimpfte den jüdischen Milliardär George Soros als „Parasiten“.
Ein vom Berliner Senat auf ausdrücklichen Wunsch der CDU gefördertes Projekt gegen Antisemitismus und für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist wegen einer antisemitischen Äußerung seiner Leiterin in die Kritik geraten. Die Vorsitzende des Zera-Instituts, Maral Salmassi, bezeichnete den jüdischen US-Milliardär George Soros in sozialen Medien als „Parasiten“. Sie nutzte damit ein Vokabular, mit dem die Nationalsozialisten jüdische Menschen diffamierten.
Zuerst hatte die „taz“ über den inzwischen gelöschten Post vom 7. Februar 2025 berichtet, dann der „Spiegel“. In einem auf der Zera-Webseite veröffentlichten Erklärung bestätigte CDU-Mitglied Salmassi ihre Wortwahl, die sie ausdrücklich bedauere. „Der Begriff ist antisemitisch konnotiert und auch im Rahmen der Kritik an Soros inakzeptabel. Es war ein Fehler, ihn zu benutzen.“
In einem anderen Post auf Instagram verglich Salmassi die britische Zeitung „The Guardian“ wegen eines kritischen Beitrags über Israels Vorgehen im Gaza-Krieg mit der Nazi-Zeitung „Der Stürmer“.
Salmassi spricht von „zugespitzten Formulierungen“
„Zugespitzte Formulierungen aus politischen Debatten auf meinem privaten X-Account habe ich bereits öffentlich eingeordnet“, erklärte Salmassi, die selbst iranische Wurzeln hat, dazu auf dpa-Anfrage. „Sie definieren weder meine institutionelle Arbeit noch die Tätigkeit des Zera-Instituts, das sich inhaltlich gegen Antisemitismus und Extremismus engagiert.“
Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson erklärte: „Die Äußerungen von Frau Salmassi, die mir zum Zeitpunkt der Fördergeldvergabe nicht bekannt waren, sind als mindestens verstörend zu bezeichnen.“ Die CDU-Politikerin wies darauf hin, dass auch der Verein Zera – wie andere geförderte Projekte – aufgefordert worden sei, Zwischenberichte über seine Arbeit und die Verwendung der Mittel abzugeben. Ihr Haus behalte sich vor, nach eingehender Prüfung gegebenenfalls Fördermittel zurückzufordern.
WELT-Autor Alan Posener kritisiert in einem Kommentar die Vorwürfe gegen Maral Salmassi:
Die Vergabe von Fördergeld gegen Antisemitismus ist im Berliner Abgeordnetenhaus Gegenstand eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Grüne und Linke werfen Ex-Kultursenator Joe Chialo (CDU) und seiner seit Mai 2025 amtierenden Nachfolgerin Wedl-Wilson vor, Geld nach unklaren Kriterien und auf Druck aus der CDU-Fraktion vergeben und damit gegen Haushaltsregeln verstoßen zu haben. Es geht um rund drei Millionen Euro. Die CDU weist den Vorwurf unzulässiger Einflussnahme zurück. Man habe lediglich verhindern wollen, dass Fördermittel verfallen.
Institut will sich für demokratische Werte einsetzen
Eines der 18 in Rede stehenden Projekte ist das 2024 gegründete Zera-Institut, das 2025 die Summe von 390.000 Euro erhielt. Es organisierte damit nach eigenen Angaben einige Diskussionsveranstaltungen und Workshops. Man setze sich für die Stärkung demokratischer Werte und für eine Kultur des Respekts und der Verantwortung ein, heißt es auf der Internetseite. Ziel sei, unter anderem etwas gegen Extremismus, Radikalisierung und wachsendem Hass zu tun.
Besonders stark hatte sich neben CDU-Fraktionschef Dirk Stettner der CDU-Haushaltspolitiker Christian Goiny für die 18 Projekte eingesetzt. Goiny hatte schon vor geraumer Zeit bestätigt, dass ein Mitarbeiter seines Bürgerbüros in Berlin-Lichterfelde Mitglied im Verein Zera ist. Die Vereinsgründerin und Vorsitzende Salmassi wiederum gehört dem Vorstand des CDU-Ortsverbandes Lichterfelde an. „Es ist nicht verboten, dass sich in einem Verein CDU-Mitglieder engagieren, auch wenn dieser vom Land Berlin gefördert wird“, sagte Goiny dazu im November 2025 der Deutschen Presse-Agentur.
dpa/gub
Source: welt.de