Rüstungsvergleich: Deutschland zusammen mit Militärausgaben uff Rang vier

Die russischen Streitkräfte seien momentan nicht in der Lage, die Verluste, die sie in ihrem Angriffskrieg auf die Ukraine erleiden, vollständig durch neue Rekrutierungen zu ersetzen. Diese Einschätzung teilten am Dienstag die Fachleute des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London bei der Präsentation ihrer jährlichen Untersuchung „Military Balance“ mit, die Streitkräfte in der Welt vergleicht.
Im gesamten vergangenen Jahr hätten die russischen Streitkräfte unter zuletzt sehr hohen Verlusten insgesamt weniger als ein Prozent des Territoriums der Ukraine erobern können, die Ukraine habe andererseits bei Gegenattacken kürzlich 200 bis 400 Quadratkilometer Gebiet zurückerobert. Insgesamt aber habe sich die Situation eines „Abnutzungskrieges“ nicht geändert. Die russischen Streitkräfte seien weiter rasch in der Lage, militärische Innovationen, etwa im Einsatz von Drohnen, nachzuahmen, die von der Ukraine eingeführt würden.
Wirtschaftliche Krise schwächt Russland
Die russischen Verteidigungsausgaben sind im abgelaufenen Jahr nach den Messungen des IISS nur noch geringfügig auf 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Diese Entwicklung spiegele die schwieriger werdende wirtschaftliche Lage Russlands, es gebe so gut wie kein Wachstum mehr, das Staatsdefizit wachse, die Einnahmen aus Rohstoffexporten sänken.
Im Blick auf die europäischen NATO-Partner hat das IISS in den vergangenen drei Jahren nahezu eine Verdoppelung der Ausgaben für Rüstung registriert. Die Beschaffung von Waffen und Gerät habe in den dreieinhalb Jahren zwischen Anfang 2022 und Mitte 2025 ein Volumen von 245 Milliarden Dollar erreicht, das sei mehr als doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Zwei Drittel der Rüstungsinvestitionen hätten die Europäer im Übrigen auf dem europäischen Kontinent getätigt; lediglich bei militärischen Luft- und Raumfahrtkomponenten habe es maßgebliche Bestellungen aus den Vereinigten Staaten gegeben. Am höchsten seien Investitionen in Artillerie, Luftabwehr und gepanzerte Fahrzeuge gewesen.
China überholen in manchen Bereichen die USA
Deutschland ist nach Angaben der Military Balance nach den USA, China und Russland bei den Militärausgaben auf Rang 4 gerückt. Das deutsche Verteidigungsbudget sei im abgelaufenen Jahr auf rund 107 Milliarden Dollar gestiegen und habe damit erstmals über der 100 Milliarden Dollar Marke gelegen. Das Vereinigte Königreich rangiert dahinter mit 90 Milliarden Dollar, gefolgt von Frankreich mit 70 Milliarden. Der Anteil der Europäer insgesamt an den weltweiten Rüstungsausgaben ist zwischen 2022 und 2025 von 17 auf 21 Prozent gewachsen, wobei ein Viertel dieses Wachstums auf die gestiegenen deutschen Bestellungen zurückgehe.
Mit Blick auf China bemerken die IISS-Autoren erstmals eine Überflügelung der Vereinigten Staaten in bestimmten Rüstungssektoren. So habe die chinesische Marine in den vergangenen vier Jahren insgesamt zehn nuklear angetriebene U-Boote in Dienst gestellt und damit die USA sowohl an Stückzahlen wie an Tonnage neu aufgelegter Einheiten überrundet. Außerdem habe China den neuesten und mit den umfassendsten Fähigkeiten ausgestatteten Flugzeugträger Fujian sowie neun weitere größere Überwasserschiffe in Dienst genommen.
Im Blick auf den aktuellen Aufmarsch der amerikanischen Streitkräfte am Arabischen Golf und einen möglichen Angriff auf Iran lauten die Schätzungen des IISS, die Amerikaner könnten womöglich dort die Hälfte ihres einsatzfähigen Arsenals an Kampfflugzeugen aufbieten. Die Fähigkeiten Irans zu direkten Gegenschlägen werden als gering eingestuft, allerdings seien indirekte Gegenangriffe durch iranische Alliierte denkbar.
Source: faz.net