„Verstoß gegen Regeln“ – Zweites Deutsches Fernsehen-Chefredakteurin verteidigt Abberufung von Korrespondentin
ZDF-Chefredakteurin Schausten hält die Abberufung der New-York-Studioleiterin nach dem KI-Fake im „Heute Journal“ für notwendig. Mängel auf redaktioneller Seite würden geprüft – weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen seien möglich.
ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten hat die Abberufung der New-York-Studioleiterin Nicola Albrecht wegen der unerlaubten und nicht gekennzeichneten Verwendung von KI-Material in einem Beitrag für das „Heute Journal“ verteidigt. „Die Entscheidung ist an der Sache orientiert. Es ist ein Verstoß gegen Regeln, und das fordert auch eine Antwort“, sagte Schausten im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.
Hinweise auf eine bewusste Täuschung gebe es nicht, „Nicola Albrecht ist eine erfahrene und angesehene Kollegin und ich unterstelle ihr in keiner Weise irgendeine Fälschungs- oder Manipulationsabsicht.“ Unter anderem der frühere langjährige Moderator des „Heute Journals“, Claus Kleber, hatte die Abberufung kritisiert.
Schausten gab in dem Gespräch zugleich Mängel auf redaktioneller Seite zu, die dazu geführt hätten, dass der Beitrag so im „Heute Journal“ gesendet werden konnte. „Die schauen wir uns im Moment sehr genau an. Das kann auch arbeitsrechtlich noch Konsequenzen haben“, sagte Schausten. Bei der Abnahme des Beitrags in Mainz „hätte Alarm schrillen müssen, weil erkennbar Material aus dem Netz verwendet wurde“. In der Kommunikation des ZDF zu dem Fall sei „die Tragweite des Themas spät erkannt“ worden.
Nicola Albrecht hatte in einem „Heute Journal“-Beitrag vom 15. Februar über ICE-Abschiebungen eine KI-generierte Szene ohne Kennzeichnung verwendet, sowie eine Szene, die aus einem anderen Zusammenhang stammte. Das ZDF entfernte die Aufnahmen schließlich und entschuldige sich live im „Heute Journal“. Der Sender stand in den vergangenen Tagen auch wegen seines Umgangs mit dem Vorfall nach Bekanntwerden der Unstimmigkeiten in der Kritik.
„Wir sind beschädigt, aber auch klüger“
Warum eine Kennzeichnung der KI für den Zuschauer fehlte, prüfe das ZDF noch, gerettet hätte eine solche Kennzeichnung den Beitrag aber nicht, erklärte Schausten im Interview mit der „SZ“. Von KI erzeugtes Material dürfe in Nachrichten grundsätzlich nicht verwendet werden, sofern KI nicht selbst Thema eines Beitrags sei.
Die ZDF-Chefredakteurin kündigte als Konsequenz an, interne Prüf-Prozesse zu intensivieren: „Die Sensibilität muss gesteigert werden.“ Sie sehe aber auch eine Chance darin, „dass wir jetzt noch am Beginn des medialen KI-Zeitalters so einen Wirkungstreffer bekommen haben.“ Das ZDF müsse für kommende Herausforderungen besser werden. „Wir sind beschädigt, aber auch klüger“, sagte Schausten.
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Source: welt.de