Bischofskonferenz: Kirche im Volk

In den meisten Regionen der Welt ist ein Wechsel im Amt des Vorsitzenden einer Bischofskonferenz ein Routinevorgang. Hierzulande nicht. Dabei vertragen sich schon drei Jahre voller repräsentativer Pflichten und eingespielter Gesprächsformate nicht leicht mit der Aufgabe, gleichzeitig ein Bistum zu leiten.
Eine sechsjährige Amtszeit, wie in Deutschland Tradition, birgt hingegen die Gefahr, dass sich Kirchenvolk und Bischof oft noch mehr entfremden als ohnehin. Andererseits ermöglicht Kontinuität an der Spitze Denken und Handeln in längeren Zeiträumen, im Idealfall sogar charismatische Führung – wenn die Konferenz sich führen lässt.
Zwingende Anlässe zu koordiniertem Handeln gab und gibt es zuhauf. Genutzt wurden sie kaum, wie an dem Elend des Fachs Theologie, der Strukturkrise kirchlicher Krankenhäuser und der oft plan- und phantasielosen Schließung von Bildungseinrichtungen bis hin zu Schulen zu sehen ist.
Wenig Kompetenzen, viele Aufgaben
Bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs haben sich die Bischöfe zumindest pro forma auf ein koordiniertes Vorgehen verständigt. Das Reformprojekt Synodaler Weg aber ließ kirchenpolitische und theologische Fliehkräfte wirksam werden, die der Limburger Bischof Bätzing als Vorsitzender noch befeuerte.
Diese einzuhegen, wird die erste, aber nicht die einzige Aufgabe des Hildesheimer Bischofs Wilmer sein – zumal ein moderater Binnenpluralismus der Konferenz nicht als Schwäche, sondern als Stärke ausgelegt werden sollte. Diese gälte es nun rasch zu nutzen.
Denn trotz ihrer wenigen Kompetenzen hat es auch die Bischofskonferenz in der Hand, ob die Erosion der volkskirchlichen Strukturen bald in eine unkontrollierte Implosion münden und Seelsorge nur noch nach Personal- und Kassenlage stattfinden wird – oder ob aus der Not eine Tugend gemacht und die Potentiale neuer Sozialformen des Glaubens ausgelotet werden, einer Kirche im Volk.
Das aber setzt voraus, der Sehnsucht nach Sinn Raum geben zu wollen und die weniger werdende Glut nicht unter immer mehr Asche eigener Orientierungslosigkeit zu ersticken.
Source: faz.net