Fake-Ersatzteile: Betrüger im Skandal um gefälschte Flugzeugteile verurteilt

Der Fall erregte vor drei Jahren großes Aufsehen: Ein Händler hatte Flugzeugteile mit gefälschten Zertifikaten an Fluggesellschaften verkauft und damit einen Millionenumsatz erzielt. Als der Schwindel herauskam, mussten auf der ganzen Welt einige Airlines ihre Maschinen am Boden halten, um sie auf falsche Teile zu prüfen oder diese auszuwechseln. Nun hat ein Londoner Gericht den Verantwortlichen des Handels mit Fake-Teilen, den Unternehmensdirektor Jose Alejandro Zamaro Yrala, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der 38 Jahre alte ehemalige Techno-DJ muss nun für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis.
Das Southwark-Krongericht in London sah es als erwiesen an, dass Zamaro Yrala mit seinem Unternehmen AOG Technics einen betrügerischen Handel betrieb, der Teile für Flugzeugtriebwerke mit gefälschten Zertifikaten vertrieb. Rund 60.000 Teile verkaufte AOG aus einer Garage in der Grafschaft Surrey, südlich von London, vor allem Schrauben, Motorflügel, Dichtungen, Unterlegscheiben und Dämpfer.
Es ging um Bauteile für CFM56-Triebwerke des Herstellers CFM, einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric aus den USA und Safran aus Frankreich. Das CFM56-Triebwerk gilt als der meistverkaufte Triebwerkstyp der Welt. Es wird an den Standardmittelstreckenflugzeugen 737 von Boeing und A320 von Airbus eingesetzt – allerdings nicht in der jüngsten Baureihengeneration 737-Max und A320neo. Dennoch sollten zum Zeitpunkt der Betrugs mehr als 20.000 dieser Triebwerke noch im Betrieb gewesen sein. Auch CFM6-Triebwerke, die an den Boeing-Typen 747 und 767 sowie an der Airbus-Baureihe A330 eingesetzt werden, gerieten im Ersatzteile-Skandal in den Fokus. Zamaro Yrala soll in den Jahren 2019 bis 2023 einen Umsatz von knapp sieben Millionen Pfund (acht Millionen Euro) gemacht haben.
„Öffentliche Sicherheit auf globalem Level gefährdet“
AOG belieferte fast fünfzig Kunden, darunter Fluggesellschaften, Reparatur- und Wartungsgesellschaften sowie andere Teilehändler. Der Schaden für die betroffenen Fluggesellschaften und Unternehmen liege bei fast 40 Millionen Pfund (46 Millionen Euro), schätzte das Gericht. Emma Luxton von der britischen Antibetrugsbehörde Serious Fraud Office (SFO) sagte, das Unternehmen AOG habe „die öffentliche Sicherheit auf einem globalen Level in einer unglaublichen Weise gefährdet“.
Der Verdacht, dass gefälschte Teile im Umlauf sind, war im Sommer 2023 während Wartungsarbeiten an einem Triebwerk bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP aufgekommen. Einem Techniker dort war beim Austausch einer Komponente ein geliefertes Ersatzteil aufgefallen. TAP fragte daraufhin beim CFM-Joint-Venture-Partner Safran nach. Die Airline erfuhr, dass das Teil nicht von dort stammte. Das legte den Verdacht nahe, dass nicht nur Komponenten, sondern auch die dazugehörigen Zertifikate nachgemacht waren. Danach kamen ähnliche Fälle von anderen Fluggesellschaften dazu.
In der Folge wurden auf der ganzen Welt bei Fluggesellschaften Sonderprüfungen nötig. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA gab eine Warnung heraus. Die europäische Behörde EASA forderte Airlines und Wartungsbetriebe auf, Lieferdokumente zu prüfen und sich von Herstellern die Echtheit der Teile neu bestätigen zu lassen. In den USA fanden die Fluggesellschaften American Airlines, United Airlines, Delta Airlines und Southwest falsche Teile. Allein American Airlines bezifferte den Schaden aus der vorübergehenden Stilllegung der untersuchten Flugzeuge auf umgerechnet fast 27 Millionen Euro.
Deutsche Airlines nicht betroffen
In Europa wurde unter anderem bei Ryanair und dem Luftfahrtzulieferer MTU, der CFM56-Triebwerke wartet, Fälschungen in geringer Zahl aufgespürt. Deutsche Fluggesellschaften wie Lufthansa, Condor und TUI Fly teilten indes mit, dass in ihren Flugzeugen keine von AOG Technics bezogenen Teile eingebaut waren und sie keine Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen unterhielten.
Zamaro Yrala hatte, bevor er AOG Technics gründete, fast ein Jahrzehnt in der Flugbranche gearbeitet. Davor war er zeitweise als Techno-DJ und Musikproduzent tätig. Vor Gericht verteidigte er sich mit dem Argument, er habe nicht geglaubt, dass irgendwelche der von ihm verkauften Teile nicht sicher gewesen seien.
Der Flugzeugteile-Skandal zog weitere Kreise. So wurden im vergangenen Sommer Durchsuchungen und Festnahmen in Portugal bekannt. In der Gesellschaft TAP, die als erste Fälschungen gemeldet hatte, soll ein Technikmitarbeiter bestochen worden sein, um Teile mit falschen Zertifikaten in den Betrieb zu bringen.
In der Luftfahrt gelten hohe Sicherheitsstandards. Kein Einzelteil darf ohne eine Zertifizierung in Flugzeugen verbaut werden. Die Hersteller von Flugzeugteilen unterliegen daher strengen Bestimmungen. Für Zwischenhändler, die Teile nicht selbst produzieren, fällt die Regulierung weniger scharf aus, was AOG Technics wohl ausnutzte.
Zamaro Yrala konnte mithilfe eines spanischen Grafikdesigners gefälschte Echtheits-Zertifikate, sogenannte Authorised Release Certificates (ARCs), für die Teile erstellen und diese so verkaufen. Neben Zamaro Yrala waren auch seine damalige Frau, deren Bruder und die Kinderfrau der Familie in seinem Unternehmen beschäftigt.