Jahresergebnis am Mittwoch: Nvidia: Die Erwartungen sind hoch und die Risiken bleiben

Nvidia ist mitnichten ein Start-up. Vor gut 27 Jahren, am 22. Januar 1999, ging das Un­ternehmen an die Börse. Damals war die Aktie einen Bruchteil ihres heutigen Kurses von 192 Dollar wert – jahrelang schlitterte er nur knapp über Null Dollar übers Parkett. Das allein macht den Chip- und Softwarehersteller aus dem Si­licon Valley nicht besonders. Wie in den Zehnerjahren diesen Jahrhunderts Nokia, schaut der gesamte Technologiesektor auf die Unternehmensentwicklung. Das Zahlenwerk für das am 31, Januar zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2025/26 wird darum mit Spannung erwartet. Am Mittwochabend, nach Börsenschluss in den USA, soll es geöffnet werden.

Dass die Zahlen gut ausfallen werden, daran hegen Analysten kaum Zweifel. Für das Gesamtjahr sieht der Konsens Erlöse von 213,3 Milliarden Dollar sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie von 4,69 Dollar. Allein das zurückliegende Geschäftsquartal von November bis Ja­nuar soll dem Technologiekonzern einen gewaltigen Schub versetzt haben. Der Umsatz soll im Jahresvergleich um etwa 67 Prozent auf 65,67 Milliarden Dollar gestiegen sein, das bereinigte Ergebnis je Aktie sogar um 71 Prozent auf 1,52 Dollar. Im Vorjahreszeitraum, waren es noch 0,89 Dollar.

Einige Analysten erwarten bessere Ergebnisse

Aber bei Nvidia reicht es nicht, die Erwartungen zu erfüllen. Einige Analysten spekulieren auch schon darauf, dass Nvidia noch höhere Steigerungsraten aufweisen kann. So wird etwa der Oppenheimer-Analyst Rick Schafer damit zitiert, ein deutliches Übertreffen der Markterwartungen für möglich zu halten. Er verweist zu Begründung auf ein mögliches Umsatzplus von zwei bis drei Milliarden Dollar über dem Konsens, maßgeblich getrieben durch ein neues System. Auch Wedbush Investors ist davon überzeugt, dass Nvidia die Erwartungen der Marktbeobachter schlägt, sowohl was das vorzulegende Zahlenwerk, als auch was den Ausblick angeht. Auf diesen richten die meisten Investoren ihr Hauptaugenmerk.

Die Vorzeichen für den Chiphersteller sind zumindest günstig, haben in der langsam zu Ende gehenden Berichtssaison doch Unternehmen wie Amazon, die Facebook Muttergesellschaft Meta und vor allem die Google-Muttergesellschaft Alphabet deutlich höhere Investitionen in KI angekündigt.

Die Nvidia-Aktie ist gleichwohl auch ein Spielball der Weltpolitik. Wenn der kalifornische Hersteller nach China exportieren will, benötigt er für bestimmte Chips eine gesonderte Lizenz, die nicht immer erteilt wird. Das hat nach Medienberichten im April vergangenen Jahres – also noch innerhalb des Geschäftsjahres, über das nun berichtet wird – zu einer Belastung im mittleren einstelligen Milliarden-Dollar-Bereich geführt. Ob sich diese voll materialisiert hat, ist unklar, da das US‑Handelsministerium später begonnen hat, Lizenzen für Exporte des bestimmten Chips (H20) nach China zu erteilen, wobei Details und Umfang unklar sind.

Die starke Abhängigkeit vom Leben des KI-Booms auf der einen Seite und dem Verhältnis zwischen den USA und China auf der anderen Seite erklärt auch, dass Nvidia-Aktionäre starke Nerven brauchen. Denn das Papier reagiert häufig überproportional auf externe Faktoren, die den Technologiesektor beeinflussen, wie Zinsen oder die Stimmung im Technologiesegment, weil im Kurs der Aktien auch schon viel zukünftiges Wachstum eingepreist ist. Daher ist es gar nicht ausgemachte Sache, dass die Aktie stark positiv reagiert, selbst wenn es dem Technologieriesen gelingen sollte, die Erwartungen zu schlagen. Auf Jahressicht ging der Kurs von Nvidia um den „Liberation Day“ Anfang April vergangenen Jahres am stärksten zurück, als US-Präsident Donald Trump mit seiner Zollpolitik begann. Damals rutschte der Kurs kurzzeitig unter 100 Dollar.

Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnet die Nvidia-Aktie, ins­besondere rund um die am Mittwoch anstehende Ergebnisvorlage, als Branchenbarometer. Das ist, was den Aufmerk­samkeitsgrad und die Korrelation zwi­schen den Unternehmensergebnissen und der Investitionsbereitschaft in KI anbelangt, auch sicherlich richtig. Auf der anderen Seite bestimmen auch die Geopolitik und die daraus resultierende Regulierung den Kurs – und diese Faktoren haben nichts mit der Nachfrage nach KI zu tun. Hinzu kommt, dass Nvidia mit Infrastruktur und Computer‑Ökosystemen zwar einen sehr zentralen, aber eben auch nur einen Teil der KI-Wertschöpfungskette abdeckt.

Source: faz.net