Marktbericht: Vier Jahre Rüstungsboom an jener Handelsplatz

 Kampfpanzer stehen zur Aufbereitung in einer Halle von Rheinmetall.


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Stand: 24.02.2026 • 14:11 Uhr

Vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hat sich die Börse gewandelt – sichtbarstes Zeichen ist der Boom der Rüstungstitel, die einen erheblichen Imagewandel erlebt haben.

Der deutsche Aktienmarkt steht auch heute unter dem Eindruck der neuen Zollunsicherheiten. Noch ist unklar, wie hoch die US-Zölle letztlich ausfallen und wie die EU-Staaten darauf reagieren werden. Bis zum frühen Nachmittag kann der DAX seinen Verlust aber auf 0,2 Prozent eindämmen.

Besonders im Fokus stehen am vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine die Rüstungstitel, die besser als der Markt abschneiden.

Ein dramatischer Börsentag

Der 24. Februar 2022 hatte die Börse ins Mark getroffen: Am Ende des Handelstages, an dem die Nachrichtenticker vor Kriegs- und Krisenmeldungen überliefen, hatte der DAX fast vier Prozent verloren.

Eine Aktie aber, die damals noch gar nicht im Leitindex enthalten war, legte um 2,8 Prozent zu und schloss bei genau 100 Euro. Es war die Aktie von Rheinmetall, des größten deutschen Rüstungskonzerns, der damals noch einen Großteil seines Geschäfts mit Automobilzulieferungen machte. Heute kostet der DAX-Titel Rheinmetall rund 1.720 Euro. Das entspricht einem reinen Kursplus von etwa 1.690 Prozent – noch ohne die von Rheinmetall gezahlten Dividenden.

„Zeitenwende“ löst Rüstungsboom aus

In den Fokus der Allgemeinheit rückten Rüstungstitel dann drei Tage später, als der damalige Kanzler Olaf Scholz die „Zeitenwende“ ausrief und ein Sondervermögen für die Bundeswehr von 100 Milliarden Euro in Aussicht stellte. Auch der zweite größere deutsche Rüstungskonzern Hensoldt wurde daraufhin bekannter. Mit einem Plus von knapp 550 Prozent seit dem Vorabend der Ukraine-Invasion fällt die Performance des Sensorspezialisten aber vergleichsweise bescheidener aus.

Auf der Suche nach Industrieunternehmen mit Rüstungsanteil wurden Investoren nun auch auf Renk aufmerksam. Der traditionsreiche Getriebespezialist erzielt mittlerweile rund drei Viertel seines Umsatzes mit Antrieben für Militärfahrzeuge.

Rheinmetall mit Abstand größter Anbieter

Während Rheinmetall sich mittlerweile als integrierter, breit aufgestellter Rüstungskonzern versteht, besetzen die anderen börsennotierten Anbieter weiterhin Teilbereiche. Im vergangenen Jahr steigerte der Düsseldorfer Konzern seinen Umsatz voraussichtlich auf über zwölf Milliarden Euro – auch dank der höheren Verteidigungsbudgets anderer vorwiegend westlicher Staaten.

Hensoldt setzte über 2,5 Milliarden und Renk etwa 1,3 Milliarden Euro um. Eine gewichtige Rolle im Marineschiffbau spielt der U-Boot-Bauer Thyssenkrupp Marine Systems, kurz TKMS, der im vergangenen Oktober an die Börse ging und im vergangenen Geschäftsjahr 2,2 Milliarden Euro umsetzte.

Der Boom im Marineschiffbau lockt nun auch den U-Boot-Zulieferer Gabler Group an die Börse. Das Lübecker Unternehmen, das vor allem Beobachtungsmasten für U-Boote herstellt, bietet seine Aktien ab Mittwoch zum Kauf an. Die Erstnotiz ist für den 9. März geplant.

Bemerkenswerter Imagewandel

Mit dem neuen Fokus auf Verteidigung wandelte sich auch schlagartig die öffentliche Wahrnehmung der Rüstungswerte. Lange Jahre galten sie als Musterbeispiel für Aktien, die in „ethisch“ geführten Portfolios nichts zu suchen haben. Die naheliegende Notwendigkeit, die eigene Freiheit gegen Bedrohungen von außen zu schützen, hat die Branche weitgehend aus dieser moralischen Isolation geholt. „Wir schützen letztendlich unsere Gesellschaft„, fasste Rheinmetall-Chef Armin Papperger diese Wahrnehmung zusammen.

Das schlägt sich auch in harten Zahlen nieder: Im vergangenen Jahr haben die Verteidigungsausgaben des Bundes voraussichtlich 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht.

Die Logik des Rüstungsgeschäfts und der Börse bleiben aber weiter eng mit dem Kriegsgeschehen verknüpft: Wenn die Welt auf Frieden in der Ukraine hofft, schlagen sich Friedensgespräche und mögliche Fortschritte in den Verhandlungen in aller Regel negativ auf die Performance der Rüstungswerte nieder.

Source: tagesschau.de