Wird er jener nächste WHO-Chef? „Genf ist eine schöne Stadt“, sagt Lauterbach

Bei Hart aber fair ging es um Zucker und was er die Verbraucher kosten soll. Darüber stritten der Fritz-Kola-Chef, die neue FDP-Generalsekretärin und der ehemalige Gesundheitsminister Lauterbach. Er wurde auch nach Spekulationen über den nächsten Chef an der Spitze der WHO in Genf befragt.

Die Zuckersteuer nach britischem Vorbild und die Nachfolge an der Spitze der Weltgesundheitsorganisation (WHO)– unter anderem darüber will „Hart aber fair“-Moderator Louis Klamroth mit seinen Gästen sprechen. Zu Gast sind unter anderem frühere SPD-Bundesgesundheitsminister und Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach, Nicole Büttner, Generalsekretärin der FDP und Mirco Wolf Wiegert, der Gründer und Geschäftsführer von Fritz-Kola sowie Luise Molling von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch.

„Eine Limonadensteuer heißt, dass unsere Getränke teurer werden“, betont Fritz-Kola-Chef Wiegert zu Beginn der Sendung. Die Foodwatch-Vertreterin Molling betont, dass es nicht unbedingt teurer für Verbraucher werden müsse, wenn der Hersteller den Zuckergehalt reduziere.

Lauterbach pflichtet Mollings Position bei und ärgert sich in Richtung Fritz-Kola: „Und immer wenn wir ein Gesetz für Vorbeugung machen wollen: Kurz vorher hieß es: ‚Die Industrie verpflichtet sich selbst. Wir machen das freiwillig“ und so weiter. Wenn das Gesetz dann nicht gekommen ist, hat man von Ihnen nichts mehr gehört.“ Beifall vom Publikum für Lauterbach.

„Also ich finde, Herr Lauterbach, Sie waren da wieder sehr entlarvend. Das ist so ein sehr bevormundender Blick auf unsere Bürger, ja, zu sagen, wir müssen bis in die Küche reinregieren und sagen, was die Leute am Esstisch essen“, so die FDP-Generalsekretärin Lauterbach gegenüber.

„Bei den Lebensmittelpreisen regieren wir immer rein. Die gesamten EU-Subventionen für die Agrarproduktion sind ein Einfluss in den Markt“, hält Lauterbach dagegen. Und mahnt: „Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, dass die ungesündesten Lebensmittel am billigsten sind und dass die Menschen sich die gesunden Lebensmittel nicht leisten können.“ Es gebe zudem riesige Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Arm und Reich in Deutschland, führt Lauterbach aus.

Um die Zuckersteuer ging es auch auf dem CDU-Parteitag am Wochenende in Stuttgart. In einem Einspielvideo von dort wird gegen die Zuckersteuer argumentiert: „Übergewicht ist ein Problem von Bewegungsmangel, von der Gesamternährung und deshalb kann man nicht ein Produkt rausziehen“, heißt es darin.

Lesen Sie auch

„Das macht keinen Sinn. Das heißt, ich muss irgendwo anfangen“, moniert Lauterbach. Er spricht sich dafür aus, wie folgt vorzugehen: „Wir legen die Steuern etwas höher bei den Dingen, wo wir wissen, die machen die Menschen krank: bei Alkohol, bei Tabak und bei Zucker“, so der ehemalige Ampel-Gesundheitsminister.

Klamroth will dann über die Regulierung von Werbung für zuckerhaltige Produkte sprechen. An Lauterbach gewandt sagt er: Er sei ja dafür, Werbung für zuckerhaltige Produkte für Kinder zu verbieten. „Wie kann man sich denn das aber konkret vorstellen?“, fragt Klamroth bei Lauterbach nach.

„Dann würden die Kinder nicht ständig bombardiert mit den Süßigkeiten“

Lauterbach antwortet: „Also in den Zeiten, wo Kinder tatsächlich Werbung schauen. Das sind ja also bestimmte Zeiten. Nur in dieser Zeit werden derzeit die also Werbungen sehr stark auf Kinder zugeschnitten und zuckerhaltige Getränke, aber auch zuckerhaltige also Süßigkeiten und so weiter und so fort, die werden beworben“, erklärt Lauterbach.

Weiter sagt er eindrücklich: „Und wenn man in dieser Zeit das stark reglementieren würde, entweder es darf nur sehr wenig sein oder gar nicht, dann würden die Kinder nicht ständig bombardiert mit den Süßigkeiten.“ „Kinder sind noch nicht so weit, dass die, also wie vielleicht der FDP-Wähler mit 50 oder was“, schießt Lauterbach gegen Büttner von der FDP nach und mahnt, man müsse Kinder vor manipulativer Werbung schützen.

Lesen Sie auch

„Bei Prävention bin ich ja total dabei“, meint Büttner daraufhin. Aber es dazu gehöre eben auch, Menschen aufzuklären.

Lauterbach kontert: „Aber das ist allgemein. Also wenn man ehrlich ist, mit dem Argument, das Sie hier bringen, dürften wir überhaupt keine Steuer nehmen. Jede Steuer ist dann eine Verhaltensbeeinflussung. Damit müsste ich die Mehrwertsteuer abschaffen.“ Eine Lenkungssteuer halte Lauterbach für richtig und habe kein Problem damit, ungesunde Produkte höher zu besteuern.

Lust auf WHO-Spitze, will Klamroth dann wissen

Zum Ende der Sendung fragt Moderator Klamroth den Ex-Gesundheitsminister noch nach seinen Ambitionen bei der WHO: „Die WHO hat ihren Hauptsitz in Genf und deswegen frage ich, ob Sie denn Lust darauf hätten, Chef der WHO zu werden?“

„Das würde ich ungern kommentieren“, und sagt weiter: „Lassen Sie einfach da stehen“, so Lauterbach wörtlich. Und weiter: „Genf ist eine schöne Stadt, wo man immer wieder gerne auch hinreist und so, ich arbeite ja auch eng mit der WHO in Punkten zusammen, aber Spekulationen über Personal, wer da hinkommt und so weiter, das sind ja sehr lange Verfahren, das, also, dauert, ewig und drei Tage, von daher, darüber jetzt zu spekulieren wäre viel zu früh.“

Source: welt.de