Tod in Mexiko: Im Land welcher Kartelle

Als stünde die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer wegen des Zerwürfnisses zwischen der Trump-Regierung und Kanada nicht schon genug unter düsteren Vorzeichen, so wirft die Tötung des meistgesuchten Kriminellen in Mexiko ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage in einem Staat, in dem mafiaähnliche Organisationen so viel Macht und Einfluss haben wie in keinem anderen westlichen Land.
Der Aufstieg der sogenannten Kartelle vollzog sich im Gleichschritt mit der Nachfrage nach Rauschgift jeder Art in den Vereinigten Staaten.
Versorgten die Mexikaner in den Sechzigerjahren Hippies und Künstler mit Marihuana und Heroin, so umfasst die weltweite Angebotspalette derzeit Kokain, Methamphetamin und Fentanyl, aber auch Avocados. Innerhalb des Landes werfen Erpressung, Menschenhandel, Schattenwirtschaft und Geldwäsche die höchsten Gewinne ab.
Für die Politik wurde das gesellschaftlich weithin tolerierte Treiben der Narcos erst mit dem Ende der siebzigjährigen landesweiten Einparteienherrschaft des PRI zu einem Problem: Nach der Jahrhundertwende ließen sich Einflusszonen und Geschäftsmodelle nicht mehr zentral organisieren.
Hunderttausende Gewaltopfer
Das begünstigte die Entstehung rivalisierender Organisationen, die sich an Grausamkeit gegenüber Konkurrenten und missliebigen Politikern, Richtern, Menschenrechtlern und Journalisten von niemandem übertreffen lassen wollen.
Gut 400.000 Menschen sind in den vergangenen zwanzig Jahren dem Narcoterror in Mexiko zum Opfer gefallen.
Der Einsatz des Militärs auf den Straßen hat diese Ströme von Blut bislang ebenso wenig versiegen lassen wie die Umarmungspolitik, mit der der Vorgänger der jetzigen Präsidentin sechs Jahre lang sich die Kartelle vom Hals hielt.
Ruhe dürfte sich so bald nicht wieder einstellen. Auf den Tod eines Capos folgen in der Regel innere Machtkämpfe und Kriege zwischen verfeindeten Kartellen. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum wird sich glücklich schätzen, sollte diese Phase vor dem Sommer wie auch immer beendet sein.
Source: faz.net