Wenn hoch Krieg gegen Iran entschlossen wird: Darf Donald Trump zeugen, welches er will?
Mitte der Woche sollen in Genf indirekte Gespräche zwischen den USA und Iran weitergehen. Zugleich legt die militärische Drohkulisse gegen Teheran nahe, dass Trump einen Angriff im Sinn hat. Dürfte er darüber allein entscheiden?
Ein Flugzeugträger und die Schnellboote der Sentinel-Klasse der US-Küstenwache segeln am 6. Februar 2026 in Formation im Arabischen Meer
Foto: Handout/ Getty Images
Ob es Krieg im Iran gibt, hängt womöglich davon ab, wie Donald Trump seinen Landsleuten die Entsendung der Armada von Flugzeugträgern und Zerstörern zu verkaufen gedenkt. Als Aktion des „Friedenspräsidenten“, der bisher acht Konflikte geschlichtet haben will, oder eher als Maßnahme des Oberkommandierenden der mächtigsten Streitkräfte der Welt?
Viel Geduld hat Donald Trump gewöhnlich nicht. Noch stehen die Signale in den USA auf Abwarten wie in den Wochen vor dem Angriff auf Venezuela Anfang Januar. Wobei ein Krieg gegen Iran sehr viel schwerer zu beherrschen wäre, sagen die Experten.
Man hat der islamischen Revolution ihren Sieg nie verziehen
Das jüngste Urteil des Obersten Gerichts gegen Trumps Zollpolitik und die Trotzreaktion des Präsidenten beschäftigen die Medien, die Epstein-Files ebenfalls, noch immer und immer wieder. Zugleich wird aufgeregt darüber berichtet, dass der Nordosten der USA einen Winter mit Rekordschnee erlebt. Das Thema Iran, bei dem der Präsident nach eigenen Angaben kurz davor steht, über einen Angriff zu entscheiden, erregt nur begrenzt. Man weiß nicht, was man erwarten soll.
Zunächst einmal heißt es, Mitte dieser Woche soll in Genf erneut verhandelt werden. So nimmt die Sache ihren Lauf. Eine Friedensbewegung gibt es schon lange nicht mehr. Umfragen besagen, dass die US-Bevölkerung nicht begeistert wäre über einen Angriff. Die Anhänger der MAGA-Bewegung schätzen im Sinne von „America First“ militärische Erfolge, doch es darf nicht zu viel kosten und nicht lange dauern.
Auch manche Politiker der Demokratischen Partei haben im Prinzip nichts gegen US-Nachhilfe zum Sturz der Regierung in Teheran. Die versprengten Republikaner der alten Schule ebenso wenig. Iran ist ein besonderer Fall. Man hat der islamischen Revolution ihren Sieg von 1979 nie verziehen. Die Regionalmacht gilt als der „weltweit führende staatliche Sponsor des Terrorismus“, wie es in einem Papier des Weißen Hauses heißt.
Ein paar demokratische Politiker pflegen nun das Ritual der Fragestellung: Hat der Präsident von der Verfassung her das Recht zu einem Militärschlag oder muss er zuvor den Kongress fragen?
Freilich hat das Trump vor der Aggression gegen Venezuela auch nicht getan. So warnte denn auch der eine oder andere strategische Denker vor unkontrollierbaren Nebenwirkungen. Ein Aufsatz im Magazin Foreign Policy postuliert, man stehe nicht „vor einem Krieg im konventionellen Sinne“. Am wahrscheinlichsten sei ein „vorsichtig kalibrierter Angriff“, um auf die „Dynamik der Verhandlungen“ Einfluss zu nehmen.
Größter Deal-Macher zwischen Manhattan und Teheran
Es erscheint müßig, darüber zu spekulieren, ob Trumps laufendes Ultimatum von „zehn bis fünfzehn Tagen“ etwas bedeutet. Im Juni 2025 hatte er Teheran schon einmal ein Ultimatum gesetzt, „ein ultimatives Ultimatum“, wie er am 18. Juni erklärte und vier Tage später mit der Operation „Mitternachtshammer“ Nukleareinrichtungen bombardieren ließ.
Tatsache ist, dass die USA derzeit gegen Iran die größte Konzentration von Kriegsschiffen und Luftwaffe-Einheiten seit 2003 aufgeboten haben. Damals richtete sich diese Kulisse gegen den Irak Saddam Husseins und war das Vorspiel zu Angriff sowie Einmarsch.
Die USA haben sich daran gewöhnt, dass Trump entscheidet. Er muss sich nicht die Mühe machen wie seinerzeit George W. Bush, eine Propagandakulisse über angebliche Massenvernichtungswaffen des Gegners aufzubauen. Trump muss nicht einmal zusammenhängend argumentieren. Er kann behaupten, die US-Angriffe „der wunderbaren B-2“ auf iranische Atomanlagen Ende Juni 2025 hätten das Nuklearprogramm ausgelöscht: „Ganz plötzlich hatten wir Frieden im Mittleren Osten!“
Donald Trump mag sich gern als der größte Deal-Macher sehen zwischen Manhattans Bürotürmen und Teherans Moscheen. Eskalierende Drohungen und der jetzige Aufmarsch könnten ihn freilich in Zugzwang bringen. Missverständnisse und militärische Fehlentscheidungen mit schrecklichen Konsequenzen sind möglich.
Die Armada mit den zwei Flugzeugträgern kann nicht abdrehen, wenn keine konkreten Erfolge vorliegen – mindestens in Form von Zugeständnissen der iranischen Führung. Trump hasst es, wenn Kritiker spotten, seinen Drohungen folgten nicht immer Taten. Feldherr Trump findet Gefallen daran, die amerikanische Militärmacht zu zeigen und damit die eigene Macht zu meinen. Vom Kalkül und Geltungsbedarf des derzeitigen Staatsoberhaupts der USA hängt Irans Zukunft ab.