US-Zölle und Börsen: Das sind die größten Verlierer von Trumps Politik

Am Freitag keimte noch Optimismus auf an den Börsen. Der Supreme Court, der oberste Gerichtshof der USA, hatte einen Großteil der von US-Präsident Donald Trump Anfang April vergangenen Jahres verhängten Importzölle als verfassungswidrig erklärt. Trump regierte prompt und kündigte über das Wochenende Sonderzölle von zunächst zehn, dann 15 Prozent auf einer anderen Rechtsgrundlage an, die schon vom heutigen Dienstag an in Kraft treten sollen. Die Börsen lässt dies ratlos zurück. Gingen am Freitag sowohl die Aktienmärkte in Europa als auch in den USA noch höher ins Wochenende, so stand am Montag ein rotes Vorzeichen an der Tafel des Handelssaals in Frankfurt. Am Mittag lag der Dax auf 25.132 Punkten, ein Minus zum Freitag von einem halben Prozent.

Um in dieser Gemengelage Gewinner oder Verlierer auszumachen, müsse man sehr genau hinschauen, sagt Stephan Kemper, der Chefanlagestratege der BNP Paribas in Deutschland. In Europa seien von US-Zöllen insbesondere die Sektoren Medizintechnik und Luxusgüter betroffen, die rund 25 Prozent beziehungsweise 20 Prozent ihrer Umsätze in den USA erwirtschaften. Für einzelne Unternehmen könne der Anteil des US-Geschäfts aber noch höher liegen. Kemper nennt beispielhaft Essilor Luxottica , der französische Konzern stellt unter anderem die in den USA beliebten Ray-Ban-Sonnenbrillen her. Auch bei Rémy Cointreau sind über ein Drittel der Gesamtumsätze betroffen.

Dies seien aber Ausnahmen, sagt Kemper. Schaue man auf den MSCI Europe, so betrage der US-Umsatzanteil der in dem Index enthaltenen Unternehmen nur 22 Prozent. Davon entfielen acht Prozent auf Dienstleistungen und 8,5 Prozent auf Waren, die europäische Unternehmen vor Ort in den USA produzieren und die daher nicht von Zöllen betroffen sind. Die jetzige Situation birgt auch auf der anderen Seite des Atlantiks nur wenig Vorteile. Einen einzigen macht Sebastian Dörr, Kapitalmarktstratege bei HQ Trust, aus: „Anders als bei länderspezifischen Maßnahmen wirkt ein pauschaler Zoll systemischer. Importabhängige Branchen wie Industrie, Konsumgüter oder Teile des Tech-Hardware-Sektors könnten unter Druck stehen.“ Klare Profiteure seien auf der anderen Seite des Atlantiks nur schwer auszumachen.

Hinzu kommt, die Sonderzölle greifen nur zeitlich begrenzt, nämlich 150 Tage. Danach seien etwa sektorale Maßnahmen nach dem Trade Expansion Act denkbar, sagt Dörr. Welche Branchen dann aber betroffen wären, sei derzeit kaum prognostizierbar. Dies wiederum erhöhe die strategische Unsicherheit an den Märkten allgemein.

Entscheidender als die Zollpolitik des US-Präsidenten ist die Auswirkung auf die Währung. War ein Euro beim Gang ins Wochenende noch 1,1757 Dollar wert, so stieg dieser am Montag zunächst gegenüber dem Dollar um ein halbes Prozent. Zum Mittag gab der Euro aber wieder etwas nach und war 1,1800 Dollar wert. Die BNP Paribas erwartet einen strukturell schwächeren Dollar in den kommenden zwölf Monaten mit einem Kursziel von 1,24 Dollar je Euro. Diese Ansicht sehen die Analysten durch die aktuelle Entscheidung bekräftigt, da potentiell sinkende Zolleinnahmen das US-Haushaltsdefizit belasten sollten. Ein stärkerer Euro ist aber für exportorientierte europäische Unternehmen eine schlechte Nachricht. Denn in Dollar getätigte Umsätze sind in Euro weniger wert. Das sollte auch die Börsenkurse von Unternehmen mit einem hohen Umsatzanteil in den USA belasten.

Ob der Dollar zum Euro und anderen Währungen wichtiger Handelspartner – derzeit steht der Dollar-Index auf 97,68 – weiter fällt, ist noch keine ausgemachte Sache. „Es ist nicht unvereinbar, dass die Renditen (der US-Anleihen) und der Dollar aufgrund der verbesserten Wachstumsstimmung und Risikobereitschaft steigen, während eine Rücknahme der Zölle gleichzeitig den Inflationsdruck auf die Warenpreise verringert“, argumentiert Stephen Dover von Franklin Templeton.

Klarer fällt nur das Urteil der Goldanleger auf den Zoll-Wirrwarr aus. Die Feinunze des Edelmetalls war am Montagmittag 5146,45 Dollar wert und damit 0,8 Prozent mehr als vor dem Wochenende. Aber auch die Entwicklung des Goldpreises hängt für die Analysten von Heraeus vom Wert des Dollars ab: Kurzfristig könnte der Dollar-Index wieder auf 100 steigen, was in den letzten sechs Monaten einen Widerstand dargestellt hat. Dies könnte einen Gegenwind für Gold bedeuten.

Source: faz.net