„Sehr frustriert“: Ungarn gezwungen Ukraine-Hilfen – Wadephul spricht von Verrat

„Sehr frustriert“Ungarn blockiert Ukraine-Hilfen – Wadephul spricht von Verrat

23.02.2026, 11:49 Uhr

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Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto in Brüssel. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Ungarn wirft der Ukraine vor, die Wiederaufnahme von Öllieferungen über eine Pipeline absichtlich zu blockieren. Kiew widerspricht und macht einen russischen Drohnenangriff verantwortlich. Der Streit veranlasst Budapest, weitere Hilfen zu blockieren. Nun finden drei EU-Länder deutliche Worte.

Bundesaußenminister Johann Wadephul hat Ungarn wegen seiner Blockade weiterer EU-Hilfen für die Ukraine scharf kritisiert und der Regierung in Budapest Verrat vorgeworfen. „Ich bin über die ungarische Position erstaunt“, sagte Wadephul vor Beratungen der EU-Außenminister in Brüssel. „Wir werden mit unseren ungarischen Kollegen darüber diskutieren“, kündigte der CDU-Politiker an und fügte hinzu: „Ich glaube nicht, dass es richtig ist, wenn Ungarn seinen eigenen Kampf für die Freiheit, für die europäische Souveränität verrät.“

Ungarn blockiert einen geplanten EU-Kredit für die Ukraine im Volumen von 90 Milliarden Euro und will auch dem 20. Sanktionspaket gegen Russland nicht zustimmen. Auch die Slowakei vertritt eine solche Position. Hintergrund ist ein Streit über die Druschba-Pipeline, über die die beiden EU-Staaten Öl von Russland beziehen. Die durch die Ukraine führende Leitung ist seit dem 27. Januar gekappt. Die Regierung in Kiew führt dies auf die Beschädigung einer Pumpstation in der Westukraine durch einen russischen Drohnenangriff zurück, Ungarn und die Slowakei machen indes die Ukraine für den Stopp verantwortlich.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas äußerte sich vor Beginn der Beratungen in Brüssel pessimistisch über die Aussichten auf eine Beilegung des Konflikts. Scharfe Kritik an der Blockade kam auch von Polen. Außenminister Radoslaw Sikorski warf Ungarn einen schockierenden Mangel an Solidarität mit der Ukraine vor. Die Regierung in Budapest schüre mithilfe staatlicher Propaganda Feindseligkeit gegenüber dem Nachbarland, um dies im Wahlkampf zu nutzen, sagte Sikorski in Brüssel. „Ich hätte von Ungarn ein viel größeres Gefühl der Solidarität mit der Ukraine erwartet.“ Litauens Außenminister Kestutis Budrys äußerte sich „sehr frustriert“ über die Situation.

Der EU-Kredit soll den dringendsten Finanzbedarf der Ukraine bis Ende 2027 decken und dem Land eine Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen Russland ermöglichen. 60 Milliarden Euro des Geldes sind für die Verteidigung vorgesehen.

Quelle: ntv.de, are/rts/dpa

Source: n-tv.de