Lyon : Frankreich bestellt im Streit um Fall Deranque US-Botschafter ein

Der gewaltsame Tod eines Rechtsextremen in Lyon hat zu diplomatischem Streit zwischen den USA und Frankreich geführt. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte an, er ​werde den US-Botschafter in Paris, ⁠Charles Kushner, einbestellen. Grund seien Kommentare ​der US-Regierung zum Tod des rechtsextremen Aktivisten Quentin Deranque ‌in der ⁠vergangenen Woche. Deranque war ​von mutmaßlichen Linksextremisten zu Tode geprügelt worden.

Die US-Botschaft in Paris ​und das US-Außenministerium in Washington, D. C. warnten auf der Plattform X, der „gewalttätige Linksextremismus“ nehme zu. Dies müsse als Bedrohung für die öffentliche Sicherheit behandelt werden. „Wir werden die Situation weiterhin beobachten und
erwarten, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.“ US-Botschafter Charles Kushner ‌ist der Vater von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald ‌Trump.

„Instrumentalisierung dieser Tragödie“

Außenminister Barrot verbat sich laut Radio France Inter jegliche ​Einmischung aus dem Ausland in diesen Fall. „Wir lehnen jede Instrumentalisierung dieser
Tragödie, die eine französische Familie in tiefe Trauer gestürzt hat,
für politische Zwecke ab“, sagte Barrot. „Wir können aus der
internationalen reaktionären Bewegung keine Lehren ziehen, insbesondere
nicht in Bezug auf Gewalt.“

Barrot will nach eigenen Angaben weitere Themen mit Botschafter
Kushner besprechen. Dazu gehörten US-Sanktionen gegen den früheren
EU-Kommissar Thierry Breton, der für die Überwachung der
Social-Media-Regeln zuständig war, und Nicolas Guillou, einen
französischen Richter am Internationalen Strafgerichtshof. Der Minister
sagte, beide seien Ziel ungerechtfertigter Sanktionen.

Ermittlungsverfahren gegen sieben Verdächtige

Deranques Tod hat in Frankreich Bestürzung ausgelöst. Am Samstag fanden Gedenkmärsche in Lyon statt. Der Informatikstudent Deranque, Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung, starb vergangene Woche in Lyon bei Kämpfen zwischen Rechtsextremen und mutmaßlichen Tätern der linksextremen sogenannten Jungen Garde.

Mehrere Angreifer sollen ihn mit Schlägen gegen den Kopf tödlich verletzt haben. Gegen sieben Personen hat die Staatsanwaltschaft ‌ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Unter ihnen ist ​ein ehemaliger Mitarbeiter eines Abgeordneten der linksgerichteten Partei LFI. Die ⁠Partei ​hat die Tötung Deranques verurteilt.

Streit zwischen Meloni und Macron

Nach dem Tod von Quentin Deranque kam es bereits zu einer Kontroverse zwischen Italien und Frankreich. Die rechte italienische Regierungschefin Giorgia Meloni sprach von einem „Klima des ideologischen Hasses“, das sich ihrer Ansicht nach in mehreren Nationen ausbreite. Der Fall sei „eine Wunde für Europa“.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwiderte, er sei erstaunt, „dass Leute, die nationalistisch sind und nicht wollen, dass man ihnen reinredet, immer die Ersten sind, die kommentieren, was bei den anderen passiert“. Es wäre besser, jeder würde sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, sagte Macron.