Streit um Grönland: Ein US-Krankenhausschiff, dasjenige niemand braucht

Mit großer Zurückhaltung hat Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen auf die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten reagiert, ein Krankenhausschiff nach Grönland zu schicken. Die dänische Regierung wisse nichts von den Plänen, sagte Poulsen am Sonntag. Doch werde keine Hilfe von außen benötigt. Das grönländische Gesundheitswesen funktionierte wie das dänische. Die Grönländer erhielten die medizinische Versorgung, die sie benötigten.
Zuvor hatte Donald Trump in seinem Netzwerk Truth Social eine Mitteilung veröffentlicht, in der es heißt, in Zusammenarbeit mit dem „phantastischen“ Sondergesandten für Grönland, dem Gouverneur Louisianas Jeff Landry, werde man ein großartiges Krankenhausschiff nach Grönland schicken, „um die vielen Menschen zu versorgen, die krank sind, und um die sich nicht gekümmert wird“. Trump schrieb dazu: „Es ist auf dem Weg!!!“
Doch blieb zunächst unklar, ob er damit das Schiff meinte oder den Plan für ein solches. Verbunden ist die Mitteilung mit einem offenbar mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellten gemäldeähnlichen Bild, das ein großes amerikanisches Krankenhausschiff zeigt, das in Richtung eines schneebedeckten Ufers fährt, der Sonne entgegen.
Trump wird wohl nicht von Grönland lassen
In Kopenhagen wird die Mitteilung als Signal dafür gedeutet, dass Trumps Interesse an Grönland nicht vorbei ist. Trump hat wiederholt deutlich gemacht, Grönland besitzen zu wollen. Dafür hatte er lange auch den Einsatz militärischer Gewalt nicht ausgeschlossen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor rund einem Monat tat er das dann doch.
Dänemark und die Vereinigten Staaten verhandeln nun in einer Arbeitsgruppe, doch ist in Kopenhagen die Skepsis groß. Schon heute hätten die USA die Möglichkeit, ihre militärischen Aktivitäten in Grönland deutlich auszuweiten. Die Abgabe von Souveränität schloss die dänische Regierung hingegen wiederholt aus. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte kürzlich auf der Münchner Sicherheitskonferenz zum Thema, sie denke, dass der Wunsch des US-Präsidenten „genau derselbe“ sei. „Er meint es sehr ernst damit.“
Absurd ist die Ankündigung aus grönländischer Sicht, weil das steuerfinanzierte Gesundheitssystem immer wieder als einer der Gründe genannt wird, warum man unter keinen Umständen amerikanisch werden will. Es ist weitgehend identisch mit dem dänischen, auch in Grönland ist eine Behandlung kostenlos.
Frederiksen: In Grönland entscheidet nicht Vermögen über Behandlungen
Frederiksen schrieb auf Facebook, sie sei froh, in einem Land zu leben, in dem genauso wie in Grönland alle freien und gleichen Zugang zur Gesundheitsversorgung hätten. „Wo nicht Versicherungen und Vermögen darüber entscheiden, ob man eine angemessene Behandlung erhält.“
In dem dünn besiedelten Land werden die Patienten meist in regionalen Gesundheitszentren versorgt. Wenn notwendig, werden sie in die Hauptstadt Nuuk geflogen oder etwa für Spezialbehandlungen nach Dänemark. Erst kürzlich unterzeichneten der grönländische Ministerpräsident und der dänische Finanzminister eine Vereinbarung, wonach Kopenhagen die Kosten für Letzteres trägt.
Die Ausweitung der Unterstützung erfolgte wohl auch aufgrund des amerikanischen Drucks. Gemessen an der Bevölkerungsgröße von nur 57.000 Personen ist das System auch aufgrund der schwierigen geographischen Bedingungen sehr teuer. Die Gesundheitskosten je Einwohner gehören laut OECD zu den höchsten weltweit; sie sind fast doppelt so hoch wie in Dänemark. Finanziert werden die Ausgaben aus dem grönländischen Selbstverwaltungsregierungsbudget, dessen Mittel wiederum zu mehr als der Hälfte aus Dänemark stammen.
Source: faz.net