Tausende Teilnehmer c/o Trauermarsch zu Gunsten von getöteten Rechtsextremen in Lyon

Demonstrierende in Lyon

Stand: 21.02.2026 • 17:45 Uhr

Im französischen Lyon läuft ein Trauermarsch für einen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Linksextremen getöteten rechtsextremen Aktivisten. Präsident Macron kündigte eine Überprüfung gewaltbereiter Gruppen an.

In Lyon nehmen mehr als 3.000 Menschen an einem von rechtsextremen Gruppen organisierten Gedenkmarsch für einen bei einer Schlägerei mit Linksextremen getöteten ultrarechten Studenten Quentin Deranque teil. Etwa 3.200 Menschen, teilweise mit vermummten Gesichtern, zogen begleitet von einem großen Polizeiaufgebot durch die Großstadt, wie die Behörden mitteilten. Die Familie des Getöteten nimmt nicht an dem Marsch teil und rief dazu auf, auf politische Kundgebungen zu verzichten.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte vor der Demonstration zur Ruhe aufgerufen. „Dies ist ein Moment des Gedenkens und des Respekts für diesen jungen Landsmann, der getötet wurde, für seine Familie und seine Angehörigen“, sagte Macron. Das müsse an erster Stelle stehen. „Und dann ist es ein Moment der Entschlossenheit und Verantwortung“, so der Staatschef.

Macron will Gruppen überprüfen lassen

Macron kündigte ein Treffen mit Ministern an, um alle gewaltbereiten Aktivistengruppen mit Verbindungen zu politischen Parteien einer umfassenden Überprüfung zu unterziehen. Er deutete an, dass einige dieser Gruppen aufgelöst werden könnten. „In der Republik ist Gewalt in keiner Weise legitim“, sagte er. „Milizen haben hier keinen Platz, egal woher sie kommen.“

Mehrere Anklagen nach Gewalttat

Die Gewalttat ereignete sich am Rande einer Veranstaltung, bei der die EU-Abgeordnete Rima Hassan von der Linkspartei La France Insoumise (LFI) als Rednerin auftrat. Nach Behördenangaben kam es dort zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der extremen Linken und der extremen Rechten. Gegen sieben Verdächtige wurde inzwischen ein vorläufiges Anklageverfahren eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Lyon beantragte, gegen sie Anklage wegen vorsätzlichen Mordes, schwerer Körperverletzung und krimineller Verschwörung zu erheben.

Lyon als Brennpunkt politischer Gewalt

In Lyon kam es in letzter Zeit immer wieder zu Zusammenstößen zwischen rechtsextremen und linksextremen Gruppen. Die linksextremen militanten Gruppen in Lyon sind relativ neu und entstanden als Reaktion auf die zahlreichen rechtsextremen Gruppen, die dort seit Jahrzehnten aktiv sind. Geheimdienste betrachten die Stadt als Wiege des Rechtsextremismus in Frankreich.

Der Tod von Deranque löste eine Welle gegenseitiger Anschuldigungen aus, die sich vor allem gegen die linke LFI und ihren Vorsitzenden Jean-Luc Mélenchon richten. Zu den Verdächtigen zählt ein parlamentarischer Mitarbeiter des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault. Mélenchon verurteilte die Gewalt und betonte, seine Partei trage keine Schuld am Tod des jungen Mannes.

Source: tagesschau.de