Polizei durchsucht früheren Wohnsitz von Andrew in Windsor – „Jetzt schwitzt er“, titelt die Presse
Nach der Festnahme von Ex-Prinz Andrew an seinem Geburtstag herrscht in Großbritannien Aufruhr. Die Polizei sucht weiter nach Hinweisen – Medien und Öffentlichkeit warten auf neue Details.
Nach der Festnahme des früheren Prinzen Andrew wartet die britische Öffentlichkeit auf erste Ergebnisse von der Polizei. Am königlichen Gelände in Sandringham, wo Andrew mittlerweile wohnt, versammelten sich Dutzende Medienvertreter. Zu sehen war der jüngere Bruder von König Charles III. zunächst aber nicht.
Die Thames Valley Police hatte am Vorabend mitgeteilt, dass die Durchsuchungen in der Grafschaft Norfolk, wo das Sandringham-Anwesen liegt, beendet seien, in Berkshire aber andauerten. In der Grafschaft westlich von London hatte Andrew auf dem Gelände von Schloss Windsor seinen früheren Wohnsitz.
In britischen Medien waren mehrere Pkw zu sehen, die auf das Gelände fuhren. Die aufwendige Sicherung und Protokollierung möglicher Beweismittel – inklusive Vergabe von Asservatennummern und Erstellung eines detaillierten Verzeichnisses beschlagnahmter Gegenstände – dürfte noch Stunden, möglicherweise sogar Tage in Anspruch nehmen, heißt es bei der BBC.
Der 66-Jährige war am Donnerstagmorgen, an seinem Geburtstag, in Zusammenhang mit seiner Verbindung zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein festgenommen und erst am Abend wieder entlassen worden. Ihm wird Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen, er soll in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen US-Unternehmer weitergeleitet haben.
Das schreibt die wenig zimperliche britische Presse auf den Titelseiten:
„The Times“: „Die Festnahme von Andrew. Andrew Mountbatten-Windsor wurde gestern Morgen auf dem königlichen Familiensitz Sandringham festgenommen – und löste die größte Krise für die Monarchie seit der Abdankung aus.“
„Daily Mail“: „Niedergang. Erschöpft wirkend, beschämt und verfolgt: Andrew wird elf Stunden nach seiner Festnahme aus dem Polizeigewahrsam entlassen – nachdem seine Verhaftung die moderne Monarchie in ihre größte Not gestürzt hatte.“
„The Sun“: „Jetzt schwitzt er. Erstes Mitglied des Königshauses in Haft seit Charles I., 1647. Elf Stunden im Polizeigewahrsam … am Geburtstag. Der König sagt: ,Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen‘.“
„The Guardian“: „König sagt nach Andrews Festnahme: „Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen“. (…) nachdem sein Bruder Andrew Mountbatten-Windsor in einem beispiellosen Schritt wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt festgenommen wurde.“
„The Daily Telegraph“: „Andrew festgenommen. Er verließ die Polizeistation bei Einbruch der Dunkelheit. Zusammengesunken auf dem Rücksitz eines Autos, mit müdem Blick und erschöpft, wirkte Andrew Mountbatten-Windsor wie ein Mann, der die ganze Last seiner Vergangenheit und Zukunft auf den Schultern trägt“
„Daily Mirror“: „König: ,Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen‘. Der beschämte Andrew Mountbatten-Windsor versteckt sein Gesicht, während er nach einer Befragung durch die Polizei an seinem 66. Geburtstag zusammengesunken in einem Auto sitzt.“
Aber auch international ging die Presse auf Andrews Festnahme ein:
„El Mundo“, Spanien: „Nach der Freigabe der jüngsten Dokumente im Fall Jeffrey Epstein hegen die Behörden den Verdacht, dass der ehemalige Prinz (…) sensible Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter weitergegeben hat. (…) Sollten sich diese (…) Anschuldigungen als wahr erweisen, würde dies bedeuten, dass ein Mitglied der königlichen Familie sein Land durch eine Beziehung verraten hat, die an sich schon einen Skandal darstellt (…).“
„Corriere della Sera“, Italien: „Laut seinem Biografen hat Andrew während seiner Reisen als britischer Handelsgesandter weltweit bereitwillig Millionenschmiergelder angenommen, oft von korrupten Regimen. Das würde erklären, wie der Ex-Prinz stets einen luxuriösen Lebensstil führen konnte, weit über seine offiziellen Möglichkeiten hinaus. Über Andrew sollen umfangreiche Dossiers, auch mit Fotos, in den Händen feindlich gesinnter Regime liegen – von Russland bis China -, die sowohl seine sexuellen Eskapaden als auch seine Habgier dokumentieren.“
„The Age“, Australien: „Für Mountbatten-Windsor gibt es kein Mitgefühl. (…) In privilegierte Verhältnisse hineingeboren, ist er nun ein Ausgestoßener. (…) Mountbatten-Windsor wirkte sichtlich perplex von der kalten Realität des Polizeigewahrsams, als er nach über elf Stunden Haft entlassen wurde. (…) Doch niemand sollte voreilige Schlüsse über den Niedergang der Monarchie ziehen. (…) Die britische Öffentlichkeit kann den Mann, den sie einst als Prinz Andrew kannte, verurteilen und gleichzeitig den König und die Monarchie unterstützen.“
„Sydney Morning Herald“, Australien: „Der jüngere Bruder des Königs hat Schande über sich selbst und die königliche Familie gebracht – im größten Skandal, der das Haus Windsor je erschüttert hat. (…) Die grundlegende Frage lautet, ob Andrew das Vertrauen der Öffentlichkeit missbraucht hat, indem er sein fürstliches Privileg zum persönlichen Vorteil nutzte.“
dpa/kami
Source: welt.de