Vor Konservative-Bundesparteitag: Was macht eine gute Parteispitze aus?

Friedrich Merz

Stand: 19.02.2026 • 18:51 Uhr

Keine Funktion in einer Partei ist wichtiger als die der Vorsitzenden. Eine Studie zeigt, was Mitglieder von ihrer Führung erwarten. Auch Kanzler Merz wurde bewertet, der morgen beim CDU-Parteitag wiedergewählt werden will.

Es sei „besser, gefürchtet als geliebt zu werden, wenn man nicht beides haben kann“, schrieb Machttheoretiker Niccolò Machiavelli vor Jahrhunderten. Noch heute sind solche Zitate immer griffbereit, wenn Politiker oder Medien darüber nachdenken, wie eigentlich Führung geht.

Eine neue Studie zeigt, dass Parteimitglieder ganz anders darauf schauen. Sie wurden gefragt: Was macht eigentlich einen guten Parteichef oder eine -chefin aus?

Rund 22.000 Mitglieder von CDU, SPD und Grünen hat der Politikwissenschaftler Marius Minas befragt. „FDP, Linke und AfD haben trotz mehrfacher Nachfragen keinen Zugang gewährt“, erklärt Minas. Vielleicht liegt das auch daran, dass seine Studie nicht nur theoretisch fragt, sondern auffordert, die Stärken und Schwächen der jeweiligen Parteivorsitzenden zu bewerten. Die Untersuchung wird erst in den kommenden Monaten veröffentlicht, liegt dem ARD-Hauptstadtstudio aber bereits vor.

Alter? Migrationshintergrund? Bildungsweg?

Ideale Vorsitzende sind für die Befragten im Schnitt 47 Jahre alt. Ob sie einen Migrationshintergrund haben, ist bei SPD und Grünen fast 90 Prozent der Studienteilnehmer egal. Lediglich in der CDU ist das Bild anders: Ein Viertel der Mitglieder geben an, „dass der Parteivorsitzende im Idealfall keinen Migrationshintergrund hat“, schreibt Minas, der an der Universität Trier forscht.

Auch zum Bildungs- und Berufsweg gibt es Daten: „Mindestens ein Realschulabschluss ist eigentlich parteiübergreifender Konsens“, sagt der Wissenschaftler. Rund ein Drittel findet sogar: Mindestens Abitur sollte es sein. „Über 40 Prozent der Befragten wollen, dass nach dem Abitur noch eine Berufsausbildung oder ein Hochschulabschluss folgt.“

Bildungsgrade oder Berufswege sind immer wieder in der Kritik, wenn es darum geht, wie praxistauglich und lebensnah Politiker sind. Zumindest ein Befund dürfte politische Talente entspannen: Weniger als ein Prozent findet einen Doktortitel wichtig, das gilt parteiübergreifend.

Integrität und Ehrlichkeit besonders gefragt

Zudem hat der Wissenschaftler 33 Eigenschaften abgefragt, die politische Führung ausmachen könnten. Minas war am Ende selbst überrascht, wie sich über Lager und Parteien hinweg die Ideale ähneln. Integrität und Ehrlichkeit sind stets die Top-Antworten.

Als nicht ganz so wichtig werden Fernseh- oder Social-Media-Tauglichkeit bewertet. „Wenn die Mitglieder allerdings selbst Funktionäre sind oder ein Mandat haben, wird das höher gerankt“, fügt Minas hinzu. Das könnte daran liegen, dass Präsenz für Wahlsiege und entsprechende Posten dann doch nicht ganz unwichtig ist, glaubt er.

Den favorisierten Führungstyp hat Minas „Trust Beacon“ oder „Vertrauensanker“ genannt. „Er zeichnet sich aus durch einen konstruktiven Umgang mit Menschen, Empathie, Ehrlichkeit“, sagt Minas. „Das ist ein moderierender Führungsstil.“ Davon unterscheiden könne man das „Politische Medienidol“, das vor allem im Fernsehen und auf Social Media glänzt. Außerdem charakterisiert die Studie den „smarten Kommandeur“, der eher Ansagen macht, entschlossen ist.

Merz ist eher Typ „smarter Kommandeur“

Spannend wird es, wenn die Mitglieder in der Studie ihre tatsächlichen Parteivorsitzenden bewerten sollen – vor allem für Friedrich Merz, der beim kommenden CDU-Parteitag wieder an die Spitze gewählt werden will. Ihm attestiert die eigene Partei, er sei eher der Typ „smarter Kommandeur“. Intelligenz, Bildung, Eifer, Dominanz – das seien seine Stärken. „Insgesamt ist das eher ein sehr hierarchisches, klassisches Führungsbild“, sagt Minas.

Der Typ „Vertrauensanker“ sei Merz hingegen nicht: „Er steht weniger für den moderierenden Führungsstil, der sich durch Bürgernähe und Bodenständigkeit auszeichnet oder einen empathischen Umgang hat“, so Minas. „Das sind seitens der Mitglieder nicht seine attestierten Stärken.“

Keine CDU-Antwort zur Doppelspitze

Merz‘ Schwächen ausgleichen – das könnte man vielleicht in einer CDU-Doppelspitze, die es in der Partei bislang nicht gibt, anders als bei SPD und Grünen. Auch nach solchen Modellen hat die Studie gefragt.

Bei SPD und Grünen ist eine Mehrheit für das Modell Doppelspitze, in der SPD allerdings nur knapp. Einzelkämpfer oder Duo – von den CDU-Mitgliedern gibt es darauf gar keine Antwort. „Für die CDU-Mitglieder wurde in Absprache mit der Bundesgeschäftsführung auf diese Frage verzichtet“, schreibt der Forscher andeutungsvoll.

Das klingt so, als ob die CDU Sorgen vor den möglichen Ergebnissen hat. Fürchtet sie, dass eine große Zahl der Befragten für eine Doppelspitze ist – und Merz damit düpiert?

Die Studie hat nicht ermittelt, welche Art von Parteichef oder -chefin die Wahlberechtigten bevorzugen würden. Genau das will Marius Minas aber in einem neuen Forschungsprojekt angehen. Die Ergebnisse dürften sich dann auch Parteizentralen genau anschauen.

Source: tagesschau.de