Vorwürfe gegen RSF-Miliz: UN sehen Anzeichen eines Völkermords in Sudan

Eine von den Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungsmission ist zu dem Schluss gekommen, dass die Eroberung der sudanesischen Stadt Al-Faschir durch die RSF-Miliz im Herbst vergangenen Jahres „Anzeichen eines Völkermords“ aufweise. Am 26. Oktober hatten Milizionäre der „Schnellen Unterstützungskräfte“ die Hauptstadt des Bundesstaats Nord-Darfur eingenommen. Sie hatten die Stadt, die letzte Hochburg der sudanesischen Armee (SAF) in der Region, zuvor anderthalb Jahre lang belagert.

Bei der Eroberung wurden Tausende Menschen getötet; die genaue Zahl ist unklar. Es kam zu Plünderungen, Verhaftungen, Misshandlungen, Vergewaltigungen und Folter. In Al-Faschir lebten vor allem Angehörige der Volksgruppen der Zaghawa und Fur, wohingegen die RSF von Arabern dominiert werden.

Vorwürfe gegen beide Seiten

In dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der „Unabhängigen internationalen Untersuchungsmission für Sudan“ heißt es, bei der Einnahme Al-Faschirs seien Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt worden. Darüber hinaus wiesen die Gräueltaten ein Muster auf, welches „die Absicht der Schnellen Unterstützungskräfte offenbart, die Gemeinschaften der Zaghawa und Fur ganz oder teilweise zu vernichten“.

Die in und um Al-Faschir begangenen Verbrechen seien „keine zufälligen Kriegsauswüchse“ gewesen, sagte der Vorsitzende der Mission Mohamed Chande Othman. „Sie waren Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die charakteristischen Merkmale eines Völkermords aufweist.“

Von der sudanesischen Regierung sowie den RSF gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht der Mission, die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzt worden ist. Beiden Seiten in dem im April 2023 ausgebrochenen Bürgerkrieg sind Kriegsverbrechen vorgeworfen worden; sie haben das jeweils zurückgewiesen.

Mindestens 40.000 Menschen sind getötet, Millionen Menschen vertrieben worden. Die Mitglieder der Mission wiesen auf die Gefahr hin, dass es zu weiteren Völkermordakten in dem andauernden Bürgerkrieg komme. Die internationale Gemeinschaft habe eine „erhöhte Verpflichtung“, einzugreifen, wenn Beweise auf einen Völkermord hindeuteten, sagte Othman. Zudem müssten die Täter „auf allen Ebenen der Macht“ zur Rechenschaft gezogen werden.

Source: faz.net