Nahrungsmittelindustrie: Der weltweite Konsum wächst

Nestlé-Zentrale in Vevey.

Stand: 19.02.2026 • 14:50 Uhr

Vor allem in Lateinamerika und Asien gibt es immer mehr Menschen mit mittlerem Einkommen. Und damit steigt auch der private Konsum. Davon profitiert der Nahrungsmittelkonzern Nestlé.

Das Schweizer Unternehmen Nestlé gilt als größter Nahrungsmittelhersteller der Welt. Weil der Konzern weltweit verkauft, eignen sich die Geschäftszahlen für einen tieferen Blick auf Bedürfnisse, Nachfrage und Möglichkeiten von Konsumenten rund um den Globus.

„Zur Jahrhundertwende war die globale Klasse der Konsumenten ein westliches Konstrukt. Globale Marken waren westliche Marken“, schrieb schon vor drei Jahren die amerikanische Denkfabrik Brookings . „Der Rest der Welt war zu arm, um sie kaufen zu können.“

Millionen neuer Konsumenten in Asien

Heute lebt die Hälfte der weltweiten Konsumentinnen und Konsumenten in Asien, angeführt von China und Indien. In beiden Ländern steigen jährlich je etwa dreißig Millionen Menschen in die Schicht der Konsumenten auf. Um als Konsument gezählt zu werden, muss man mindestens zwölf Dollar pro Tag ausgeben.

Aus Daten der Weltbank ergibt sich: Im Durchschnitt geben Menschen in China 7.300 Dollar und in Indien 1.700 Dollar jährlich für Konsum aus (Dollarkurs von 2015). In China macht Nestlé fünf Prozent seines weltweiten Umsatzes, in Indien zwei Prozent – genauso viel wie in Deutschland, wo die Menschen jährlich im Durchschnitt für 33.600 Dollar konsumieren (Dollarkurs von 2015). Trotz sehr knapper Budgets in Schwellenländern: Die Masse macht’s.

Auch die 100 Millionen Vietnamesinnen und Vietnamesen sind ein interessanter Markt. Konsumausgaben steigen fortwährend auf zuletzt 2.600 Dollar pro Kopf. Nestlé ist mit seinem Mineralwasser „La Vie“ Marktführer in Vietnam. Wirtschaftlicher Erfolg wird auch durch Produktion zu lokalen Kosten ermöglicht. Nestlé betreibt in Asien 81 Fabriken.

Privatwirtschaft baut Mittelschicht auf

Die Weltbank sieht in der Privatwirtschaft die größten Chancen, Arbeitsplätze, Einkommen und Konsum zu schaffen. Im neuesten „Business Ready Report “ stellt die Weltbank fest, die meisten der 101 untersuchten Länder würden Privatunternehmen das Leben unnötig schwer machen: „Die weltweiten Volkswirtschaften sind erst etwa 60 Prozent des Weges zu einem günstigen Geschäftsumfeld gegangen.“

Erfolgreiche Unternehmen und wachsende Mittelschicht machen es Entwicklungsländern leichter, aus der Armut herauszukommen. Das bedeutet aber nicht, dass wirtschaftliche Entwicklung schnell allen nützt. Es dauert. Nach Daten der Weltbank hat gut zehn Prozent der Weltbevölkerung weniger als drei Dollar pro Tag zur Verfügung. Zwanzig Jahre zuvor waren es noch dreimal so viel.

Lateinamerika ist breiter bitterer Armut entwachsen

Lateinamerika hat schon seit Jahrzehnten aufgeholt. Breite Kreise der Bevölkerung müssen sich längst nicht mehr um die eigene Nahrung Sorgen machen. Seit zwei Jahren verkauft Nestlé Katzenfutter Marke „Felix“ in Lateinamerika.

Auch andere Nestlé- Waren wie Getränke, Süßigkeiten und Fertigessen gehen weg wie echte warme Semmel: Brasilien trieb im vergangenen Jahr das Wachstum. Die Brasilianerinnen und Brasilianer konsumieren im Jahr für durchschnittlich 8.000 Dollar (Dollarkurs von 2015); Menschen der Mittelschicht greifen gern zur lokalen Nestlé- Schokolade „Garato“.

Wenig Lichtblicke in Afrika

Weite Teile Afrikas sind immer noch wirtschaftlich abgehängt. Unter den 54 Staaten des Kontinents sieht die Wiener Firma World Data Lab aktuell nur in Nigeria eine stark wachsende Mittelschicht. In einer etwas älteren Studie nennt Brookings auch noch Ägypten.

Für die 42 Prozent der Bevölkerung Nigerias, die mit weniger als drei Dollar am Tag haushalten müssen, wird die schnell wachsende, konsumfreudige Mittelschicht des Landes kaum Trost spenden. Nestlé betreibt in Nigeria ein Tochterunternehmen, von dem 30 Prozent an der lokalen Börse gehandelt wird. Mit dem Tütensnack „Milo“ gibt es sogar ein Produkt nur für den nigerianischen Markt.

Wieviel Geld die 233 Millionen Nigerianer für Konsumausgaben zur Verfügung haben, ist nicht seriös feststellbar. Weil Nestlé keine genauen Daten für Afrika nennt, ist auch der dortige Konzernumsatz unklar.

Source: tagesschau.de