Ex-Prinz Andrew festgenommen – „Gesetz muss seinen Lauf nehmen“, sagt König Charles
Der frühere Prinz Andrew ist wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch an seinem 66. Geburtstag festgenommen worden. Das berichten die BCC und die Boulevardzeitung „Daily Mail“. Laut britischen Medien war die Polizei mit mehreren Fahrzeugen am Anwesen von König Charles III. in Sandringham in der englischen Grafschaft Norfolk im Einsatz. Der 66-jährige Andrew hielt sich dort auf.
Die Polizei teilte laut BBC offiziell mit: „Im Rahmen der Ermittlungen haben wir heute (19.2.) einen Mann in den Sechzigern aus Norfolk wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch festgenommen und führen Durchsuchungen an Adressen in Berkshire und Norfolk durch. Der Mann befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam. Gemäß den nationalen Richtlinien werden wir den Namen des festgenommenen Mannes nicht bekannt geben.“
Dass der Name des Verdächtigen nicht genannt wird, ist unter dem britischen Gesetz üblich. In der Polizeimitteilung vom Donnerstag hieß es, man verstehe „das erhebliche öffentliche Interesse an diesem Fall“.
Die Thames Valley Police hatte zuvor mitgeteilt, dass sie Berichten nachgehe, wonach Mountbatten-Windsor vertrauliche Handelsberichte an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geschickt habe. Medien berichteten über jüngst bekannt gewordene E-Mails, wonach der damalige Prinz Epstein Berichte von einer Südostasien-Reise 2010 geschickt habe, die er als Beauftragter der britischen Regierung für internationalen Handel unternommen hatte. Außerdem prüft die Polizei einen weiteren Vorwurf gegen Andrew, bei dem es um eine Frau geht, die zu einer Adresse in Windsor gebracht worden sein soll.
Dem Bruder von König Charles III. wird nun „Fehlverhalten in Ausübung offizieller Funktionen“ vorgeworfen. Der Straftatbestand des „misconduct in public office“ bezieht sich im britischen Recht auf Amtsträger, die ihre öffentliche Stellung vorsätzlich missbrauchen oder vernachlässigen.
Britischen Experten zufolge kann die polizeiliche Maßnahme für bis zu 96 Stunden gelten, allerdings wäre dafür auch eine Entscheidung eines Gerichts erforderlich. Ein früherer hochrangiger Polizeibeamte sagte der BBC, dass die Beamten durch die Festnahme Zugang zu Computerausrüstung, Dateien, Fotos und anderen Beweismitteln erhalten würden. Der Druck sei in den vergangenen Tagen stetig gewachsen.
Welche Rolle spielt Andrew im Epstein-Skandal?
Andrew steht in Großbritannien im Zentrum der Affäre rund um Sexualverbrecher Epstein. Er hat wegen des Skandals bereits sämtliche Titel und Ehren verloren. Auch aus seinem Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor musste der Ex-Prinz ausziehen. Die Vorwürfe gegen ihn hat Andrew stets zurückgewiesen.
Der 66-Jährige hatte im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal 2022 eine Zivilklage von Virginia Giuffre, die ihm sexuellen Missbrauch als Minderjährige vorgeworfen hatte, mit einem Vergleich beigelegt. Giuffre beging im April 2025 Suizid.
Der 2019 in Haft gestorbene US-Finanzier Jeffrey Epstein betrieb über Jahre einen Missbrauchsring, dem eine bis heute unbekannte Zahl von Frauen und Mädchen zum Opfer fielen. Er unterhielt enge Kontakte zur High Society – und war mit Andrew jahrelang befreundet.
Das US-Justizministerium hat in den letzten Wochen einen riesigen Aktenbestand zum verurteilten Sexualstraftäter veröffentlicht: rund dreieinhalb Millionen Dokumentenseiten sowie Hunderttausende Fotos und Videos. Die sogenannten „Epstein-Files“ sorgen weltweit für Aufsehen und bringen zahlreiche Unternehmer, Politiker und Kulturschaffende unter Druck. Die Daten sind über eine Online-Datenbank durchsuchbar oder als komplette Datenpakete abrufbar.
Dokumente offenbarten, dass Mountbatten-Windsor auch nach der Verurteilung Epsteins wegen einer Straftat 2008 ein enges Verhältnis zu diesem unterhielt.
König Charles: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen
Die Vorwürfe gegen Andrew hatten das Königshaus erneut schwer getroffen. König Charles III. hatte angekündigt, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen. In einer aktuellen Stellungnahme teilte Charles am Donnerstag mit: „Ich habe mit größter Besorgnis die Nachrichten über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht auf Amtsmissbrauch zur Kenntnis genommen.“
Nun folge ein „umfassender, fairer und ordnungsgemäßer Prozess“. Die Behörden hätten dabei die „uneingeschränkte Unterstützung und Zusammenarbeit“ der Königsfamilie. Er betonte: „Lassen Sie mich klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.“ Solange dieser Prozess andauere, wäre es nicht richtig, wenn er sich weiter zu dieser Angelegenheit äußern würde.
Bemerkenswert war in einer früheren Mitteilung von Charles die Betonung darauf, dass die Gedanken und Sympathien des Königspaars stets bei den Opfern jeglichen Missbrauchs seien. Maßgeblich an der öffentlichen Positionierung beteiligt gewesen soll auch Thronfolger Prinz William gewesen sein, der längst mit seinem Onkel gebrochen hatte.
Der in Großbritannien für seine Royal-Bücher bekannte Autor Andrew Lownie sagte, die königliche Familie stehe derzeit „an einem Scheideweg“. Sie müssten „den Stall ausmisten, bevor William das Amt übernimmt, denn er will dieses Problem nicht erben“. Sonst drohe die Monarchie, unter Charles in die Bedeutungslosigkeit zu rutschen. „Er kann entweder als jemand angesehen werden, der die Monarchie geprägt hat, oder als jemand, der im Grunde genommen zugelassen hat, dass sie irrelevant geworden ist“, sagte Lownie.
Source: welt.de