Jeder Fünfte hat ungeschützt z. Hd. autoritäre Ideen
Deutschland befindet sich im Wandel. Bei vielen Menschen löst das Verunsicherung und Skepsis aus – vor allem in strukturschwachen Regionen im Osten. Bundesweit gibt es laut Deutschland-Monitor Zuspruch zu autoritären Ideen.
Die Wirtschaftskrise, der Angriffskrieg gegen die Ukraine und die von vielen als immer instabiler erlebte Weltordnung zwingen die Bundesregierung zu Veränderungen. Die meisten Menschen in Deutschland sind dafür grundsätzlich bereit, doch ungleiche Lebensverhältnisse setzen der Demokratie zu. Das zeigt der aktuelle Deutschland-Monitor 2025.
Teile der Bevölkerung sind demnach offen für autoritäre Ideen. So stößt etwa die Forderung nach einer Einheitspartei, einem starken Anführer ohne parlamentarische Zwänge und der Diktatur als Staatsform bundesweit bei etwa jedem Fünften auf Zustimmung, in Ostdeutschland sympathisiert damit sogar jeder Vierte.
Konkret stimmten im Durchschnitt knapp zwei Prozent folgenden drei Aussagen voll zu: „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform“, „Entscheidungen sollten von einer politischen Führungspersönlichkeit getroffen werden – ohne Rücksicht aufs Parlament“ und „Deutschland braucht eine einzige starke Partei“. 21 Prozent der Befragten sind zumindest empfänglich für ein autoritäres Weltbild.
Generelle Zufriedenheit mit Demokratie
Für den Deutschland-Monitor, der von der Ostbeauftragten Elisabeth Kaiser gefördert wird, wurden etwa 8.000 Menschen befragt. 98 Prozent befürworteten die „Idee der Demokratie“, 89 Prozent lehnen eine Diktatur unter allen Umständen ab.
„Zum einen ist es so, dass der Deutschland-Monitor schon aufzeigt, dass es generell eine Zufriedenheit mit Demokratie gibt“, sagte die SPD-Politikerin im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.
Wer in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Wandel gemacht habe, blicke skeptischer auf die Zukunft und die Demokratie, gerade in Gegenden, die sich abgehängt fühlten, sagte Kaiser.
Autoritäre Ideen finden offenbar Anklang
Der Monitor zeigt, dass bundesweit nur 60 Prozent der Befragten mit dem „Funktionieren der Demokratie“ zufrieden sind, in Ostdeutschland sind es sogar nur 51 Prozent, allerdings nahm die Zufriedenheit dort im Vergleich zur vergangenen Erhebung in 2023 zu, plus 8 Prozentpunkte. Insgesamt sehen 71 Prozent eher eine negative Entwicklung der Demokratie in Deutschland.
Indirekte Fragen der Forscher zeigen aus ihrer Sicht den „Graubereich“, wo autoritäre Ideen zumindest in Teilen durchaus Anklang finden. So stimmten bundesweit 31 Prozent der Aussage zu: „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert.“ Weitere 23 Prozent stimmen zumindest zum Teil zu. In Ostdeutschland liegt die volle Zustimmung sogar bei 35 Prozent, weitere 26 Prozent sagen teils/teils. In Westdeutschland liegt die volle Zustimmung bei 30 Prozent, 23 Prozent antworteten mit teils/teils.
Sympathien für das „Modell Diktatur“?
Dass politische Entscheidungen von einer „starken Führungspersönlichkeit“ ohne Rücksicht auf das Parlament getroffen werden sollen, unterstützen bundesweit 11 Prozent, weitere 21 Prozent sagen: teils/teils.
Auch hier ist die Quote in Ostdeutschland höher: 15 Prozent bejahen das voll (in Westdeutschland: 10 Prozent), weitere 22 Prozent teilweise (in Westdeutschland: 20 Prozent). Die These „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform“ tragen bundesweit 4 Prozent ganz und weitere 7 Prozent teilweise mit. In Ostdeutschland findet dies bei 6 Prozent der Befragten volle Zustimmung (in Westdeutschland: 3 Prozent), weitere 12 Prozent sagen teils/teils (in Westdeutschland: 6 Prozent).
Mehrheit ist nicht bereit, länger zu arbeiten
Bei den Themen Verteidigung, Wirtschaft, Digitalisierung, Demografie, Klima und Migration seien die Menschen mehrheitlich bereit, Zumutungen für sie selbst ganz oder teilweise mitzutragen, erklären die Forscher.
Es gebe jedoch eine Ausnahme. „Das Ansinnen angesichts der Alterung der Gesellschaft für die gleiche Rentenhöhe länger zu arbeiten, lehnen 58 Prozent als große Zumutung ab.“
Zur Methodik
Der Deutschland-Monitor wird seit 2023 jährlich erstellt und von der Ostbeauftragten gefördert. Dahinter stehen Forschungsteams des Zentrums für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und des Leibnitz-Instituts für Sozialwissenschaft Mannheim. Sie befragten im vergangenen Jahr repräsentativ ausgewählt 4.000 Menschen über 16 Jahre bundesweit sowie 4.000 weitere in einer „Regionalstichprobe“, um Aussagen nach Stadt und Land sowie nach reicheren und weniger wohlhabenden Gegenden treffen zu können.
Source: tagesschau.de