„Krasse Nachbildung“, „absolutes No-Go“ – Heftige Kritik an Zweites Deutsches Fernsehen pro Nutzung von KI-Videos
Der Einsatz von KI-generierten Videos im „heute journal“ hat eine breite politische Debatte ausgelöst. Nach massiver Kritik entschuldigte sich der Sender öffentlich. Viele glauben jedoch nicht an einen bloßen Fehler.
Nach dem umstrittenen Einsatz von KI-generiertem Material im „heute journal“ steht das ZDF unter starkem politischen und medialen Druck. NRW-Medienminister Nathanael Liminski sagte gegenüber dem „Stern“: „Diese krasse Fälschung in einer Nachrichtensendung ist ein gravierender Fehler.“
„Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, wird auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen. Dies ist ein Tabubruch und ein absolutes No-Go“, sagte Liminski. Er sieht in dem Vorfall eine ernste Gefährdung der Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
In einem Beitrag über Einsätze der US-Migrationsbehörde ICE hatte die ZDF-Redaktion am Sonntag unter anderem künstlich erzeugte Bilder sowie ein falsch zugeordnetes Archivvideo verwendet. Beide Sequenzen waren zunächst nicht ausreichend gekennzeichnet. Später wurden sie aus der Mediathek entfernt und durch korrektes Material ersetzt. Der Sender sprach von einem „Doppel-Fehler“ und entschuldigte sich öffentlich.
Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer äußerte sich zu dem Vorfall, schlug dabei jedoch deutlich gemäßigtere Töne an. Er sprach bei WELT TV von einem „unangenehmen Vorgang“, der die Glaubwürdigkeit des Senders untergrabe. Zugleich betonte er: „Aber die Kollegen haben sich entschuldigt. Sie haben einen Fehler gemacht. Ich finde, damit ist die Sache dann auch gut.“ Fehler könnten in vielen Redaktionen passieren, so Weimer.
Vor allem aus der FDP und der Union kommt deutliche Kritik. FDP-Bundeschef Christian Dürr schreibt auf X: „Während uns Politiker von SPD und CDU erzählen, dass Social-Media-Plattformen auch wegen unseriösen KI-Inhalten für Jugendliche unbedingt gesperrt werden müssen, erschüttert ausgerechnet das ZDF das Zuschauer-Vertrauen.“
Auch aus der Union kam scharfe Kritik. Der Vorsitzende der Jungen Gruppe im Bundestag, Pascal Reddig, schrieb auf X: „Die KI-generierten Fälschungen im Heute Journal verstoßen gegen Anspruch, Maßstab und Auftrag des ÖRR.“
Am Montag hatte bereits die CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig die kritische Berichterstattung über den Vorfall gelobt.
Dafür, dass es sich nicht nur um einen „Fehler“ handelte, spricht auch das Verhalten des Senders, nachdem erste kritische Nachfragen von Medien eingingen. Am Dienstagmorgen reagierte das ZDF unter anderem auf Anfrage von WELT zunächst mit einer Erklärung, dass die fehlende Kennzeichnung der KI-Bilder aus technischen Gründen erfolgt sei. Gleichzeitig hieß es, der Beitrag habe zeigen wollen, „dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt wird“. Man bedauere aber, „dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche Bilder real sind und welche nicht“.
Diese Darstellung stieß jedoch erneut auf Kritik, da sie im Widerspruch zur ursprünglichen Anmoderation der Sendung stand. Dort hatte Moderatorin Dunja Hayali (51) gesagt: „Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump gibt. Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele.“
Erst angesichts des wachsenden medialen Drucks entschuldigte sich das ZDF schließlich live im „heute journal“ am Dienstagabend. Die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin Anne Gellinek sprach da dann von einem „handwerklichen Fehler“ und betonte, der Beitrag habe nicht den journalistischen Standards des Senders entsprochen.
Der Journalismusforscher Volker Lilienthal bezeichnete das Agieren des ZDF in der Sache als „Täuschung der Öffentlichkeit“. Diese habe am Dienstagabend ihren Höhepunkt erreicht, als im „heute journal“ eine Regel zitiert worden sei, die sich in den offiziellen KI-Grundsätzen des Senders gar nicht finde, sagte Lilienthal dem Nachrichtenportal „t-online“.
Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hat den Sender aufgefordert, den Vorfall „maximal transparent“ aufzuarbeiten. Für ihn seien nach den bisherigen Erklärungen des ZDF „noch nicht alle Fragen beantwortet“. Fehler könnten passieren. Entscheidend sei der Umgang damit: „Hier sehe ich beim ZDF noch Luft nach oben, auch wenn ich keine Absicht unterstellen möchte.“
mit dpa/epd
Source: welt.de