Was Bänke gegen die Einsamkeit formen können
Politische Debatten rund um die Berlinale, Parkbänke gegen die Einsamkeit und neue (Verschwörungs)-Theorien rund um den Tod von Kurt Cobain. Der „Freitag“-Blick auf den Tag.
Hallo,
waren Sie dieses Jahr schon auf der Berlinale? Ich habe es leider noch nicht geschafft. Aber Roberto Saviano ist gekommen, der berühmte italienische Anti-Mafia-Autor. „Ich war beim Filmfestival in Berlin“, informierte er neulich auf seinem YouTube-Kanal. Er habe sich mit einigen Leuten getroffen, „das hat was mit dem Animationsfilm über mein Leben zu tun, an dem ich gerade arbeite“.
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Sonst noch was Neues? Nicht ein italienischer Film auf dem Festival, weder im Wettbewerb noch außer Konkurrenz. „Niente!“, empörte sich Saviano. Und hatte auch gleich eine Erklärung parat. Die Meloni-Regierung sei die ignoranteste Europas, sie beschneide kulturelle Projekte, Ideen, Förderung. Und wenn, dann werde das Geld an Freunde von rechten Freunden verteilt, alle anderen Hilfen für das italienische Kino würden beschnitten. Mel Gibsons ultrareligiöser, katholischer Film Die Passion Christi 2, der teilweise in Cinecitta in Rom gedreht wurde, habe die ganze Kohle verbraucht. Gibson sei natürlich ein Freund der Meloni-Regierung. „Und ihr, liebe Produzenten?“, ruft Saviano. „Rebelliert!“
Die Berlinale war immer politisch. Auch der diesjährige (Mini)-Eklat, dreht sich um Gaza, Nahost und die Frage, wie stark sich Künstler und Künstlerinnen politisch positionieren sollten. Freitag-Autor Ralf Krämer hat zu diesem Thema ein wunderbares Gespräch mit Regisseurin Amber Fares geführt, deren Doku Coexistence, My Ass! auf der Oscar-Shortlist steht. Es ist das Porträt einer israelischen Stand-up-Komikerin, die Netanjahu kritisiert und Israels Politik gegenüber den Palästinensern zum Thema ihrer Comedy macht. Sie spricht aus, was immer mehr tabuisiert wird, und sagt, warum ihr Film nicht auf der Berlinale läuft.
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Bänke gegen Einsamkeit: Haben Sie schonmal auf einer Bank gesessen, wenn Sie einsam waren? Oder weil Sie als Eltern immer nur auf Spielplätzen rumhängen? Oder beides zusammen? In Großbritannien gibt es jetzt an den schönsten Touristenorten wie Stonehenge spezielle Bänke, die die Einsamkeit vertreiben sollen: Eltern können dort andere Eltern treffen und mit ihnen über die „Challenges“ plaudern, die das Kindergroßziehen so mit sich bringt. Wer Kinder hat, weiß ja, wie schwierig es wird, Freundschaften zu pflegen oder ein eigenes soziales Leben, jenseits der Familie. Man hockt also auf Bänken. Und kann dort auch einfach nur mit anderen Eltern schweigen. Sie müssen dafür natürlich nicht extra nach England reisen. Gehen Sie einfach in einen Park in der Nähe.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu lesen: Es kommt nicht oft vor, bei allem, was es auf der Welt zu lesen gibt, dass man ein Buch gleich zweimal verschlingt. Aber genauso geht es mir mit Monas Augen von Thomas Schlesser. Weil die 10-jährige Mona für eine Stunde erblindet, wollen ihre Eltern sie zu einem Kinderpsychiater schicken. Doch ihr Großvater hat eine bessere Idee. Er möchte ihr die Schönheit der Welt eröffnen und reist mit ihr durch die Pariser Museen, sie betrachten jeden Tag ein Kunstwerk. Botticelli, Goya, Rosa Bonheur, Camille Claudel. Sie schauen und reden dann, über eine Szene oder einen Farbkontrast. Und sie lernen sich selbst dabei kennen. Mona bittet ihren Großvater einmal, ihr eine schwierige Frage zu beantworten: „Kannst du, wenn du bei allem Schönen auf der Welt schwörst, wirklich an Goya denken?“ Die Antwort: „Ja, warum denn nicht?“
Der französische Kunsthistoriker und Schriftsteller Thomas Schlesser nimmt uns in seinem Bestseller an die Hand, wir schlendern mit Mona und ihrem Opa durch Musée d’Orsay oder Louvre. Ich verspreche Ihnen, danach sehen auch Sie die Bilder mit anderen Augen.
4. Lese-Empfehlung
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➜ Wurde Kurt Cobain doch umgebracht? Neues vom Nirvana-Frontmann – immer einen Aufreger wert. Diesmal machte eine neue forensische Studie weltweit mediale Wellen: Danach kann sich Kurt Cobain gar nicht umgebracht haben. War es etwa doch Courtney? Mein Kollege Ji-Hun Kim geht dem gewagten Bericht nach und fragt sich, wer eigentlich die Auftraggeber dieser Studie sind. Er findet Parallelen zu anderen Verschwörungstheorien, wie etwa in Oliver Stones Filmklassiker JFK.
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„Hab ich’s doch gewusst“, dachten viele, als es hieß, Nirvana-Frontmann Kurt Cobain habe sich im April 1994 nicht selbst das Leben genommen, sondern sei Opfer eines Mordes gewesen. Das behauptet zumindest ein internationales Expert:innenteam um den Forensiker Bryan Burnett, dessen Ergebnisse bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden.
Medien weltweit stürzten sich auf das Thema und viele Hobby-Jessica-Fletchers machten sich daran, den Mörder zu identifizieren. Am Ende kann es nur Cobains Frau Courtney Love gewesen sein, oder? So wie Yoko Ono auch am Tod von John Lennon verantwortlich ist. Weil ohne Yoko sich die Beatles nie aufgelöst hätten und so Lennon auch nie nach New York gezogen wäre. Frauen sind im Rock ’n’ Roll traditionell an allem schuld, wenn bei den Männern mal etwas nicht läuft wie gewünscht.
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Das war’s von mir für heute, die Woche schwankt Richtung Ende. Und denken Sie daran: Kultur hält gesund!
Viele Grüße,
Ihre Maxi Leinkauf
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