Drohnen zum Besten von die Bundeswehr: Boris Pistorius äußert Bedenken gegen Investor Peter Thiel

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich kritisch über die Rolle des US-Investors Peter Thiel beim deutschen Drohnenhersteller Stark Defence geäußert. Die Bundeswehr zieht in Erwägung, von dem Unternehmen Kamikazedrohnen zu kaufen. Vor diesem Hintergrund sagte Pistorius, er teile die Bedenken gegen Thiel „ausdrücklich“. Vor der Entscheidung über einen Kauf müsse geklärt werden, wie groß der Einfluss Thiels auf das Unternehmen sei, sagte der Minister bei einem Besuch in einer Bundeswehrkaserne im baden-württembergischen Calw.

Bekannt ist, dass Thiel Anteile im einstelligen Prozentbereich an Stark Defence hält. Sollte er darüber hinaus „Einfluss auf das operative Geschäft“ des Unternehmens haben oder gar eine Sperrminorität, so hätte das „eine andere Qualität“, sagte Pistorius.

Zuvor hatten Mitglieder des Verteidigungsausschusses im Bundestag Bedenken gegen einen Einfluss Thiels an dem Unternehmen geäußert. In der nächsten Sitzung des Ausschusses kommende Woche würden den Mitgliedern Fragen zur Preisgestaltung der Anbieter beantwortet, sagte Pistorius. Dabei gehe es auch um neue Modelle von Verträgen. Er sei überzeugt, dass sich in der kommenden Ausschusssitzung „alles aufklären“ lasse.

Thiel gilt als Kritiker liberaler Demokratien

Thiel ist unter anderem für seine libertären und
rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump
und seine Kritik an liberalen Demokratien bekannt. Zudem ist der Paypal-Mitgründer und frühe Facebook-Investor einer der Gründer des umstrittenen Unternehmens Palantir, das Datenanalyse-Software für Geheimdienste und
Sicherheitsbehörden herstellt – unter anderem für die US-Einwanderungsbehörde ICE.


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:
Warum die US-Behörde ICE auf eine Firma von Peter Thiel setzt


Die Bundeswehr testet derzeit Kamikazedrohnen – auch als Loitering Munition bekannt – der beiden deutschen Hersteller Stark Defence und Helsing. Als Loitering Munition werden Drohnen mit einem Sprengkopf bezeichnet, die längere Zeit über einem Zielgebiet kreisen können, bis ihnen per Datenlink ein Ziel zugewiesen wird. Experten zufolge liegt Deutschland beim Thema Drohnen als Waffe um Jahre hinter der Entwicklung anderer Staaten.

Pistorius war zu Besuch in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw. Dort ist das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr stationiert. Das Kommando sei einer der „Top-Elite-Verbände des Heeres für ganz außergewöhnliche, wichtige und meistens sehr gefährliche Einsätze“, sagte der Verteidigungsminister. Bei seinem Besuch habe er sich erneut von den in vielen Fällen einzigartigen Fähigkeiten des KSK überzeugt. Die Einheit stand in der Vergangenheit auch wegen rechtsextremer Zwischenfälle in der Kritik.