„Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“: Zweites Deutsches Fernsehen erzählt Geschichte seines Absturzes






Vom gefeierten Weltmeister zum Sündenbock der Nation: Eine neue ZDF-Dokuserie rekonstruiert den dramatischen Werdegang von Mesut Özil.

Er war das „Sommermärchen“ in Person: Als Enkel türkischer Gastarbeiter in Gelsenkirchen aufgewachsen, stieg Mesut Özil (37) zum globalen Superstar auf – ein Posterboy für gelungene Integration, gefeiert von der Politik, vergöttert von den Fans. Doch die Liebesbeziehung zwischen Deutschland und seinem Spielmacher endete in einem Scherbenhaufen. Jetzt wird seine Geschichte zur ZDF-Dokuserie.



Inspiriert von dem viel beachteten, gleichnamigen Podcast von Khesrau Behroz von 2023 zeichnet Regisseur Florian Opitz dabei ein Bild, das weit über den sportlichen Tellerrand hinausgeht. Der zweifache Grimme-Preisträger inszeniert das Drama in drei Akten. Die neue Dokuserie „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“ (ab 20. März in der ZDF-Mediathek) rekonstruiert den Aufstieg und Fall des Weltmeisters von 2014 und die komplexe Dynamik zwischen Sport und gesellschaftspolitischem Zündstoff.

Von Gelsenkirchen zum Weltolymp

Die erste Episode „Aufstieg: Der will doch nur spielen“ blickt zurück auf die Anfänge. Özils Talent war so offensichtlich wie seine Herkunft oft ein Hindernis. Die Doku zeigt den steinigen Weg durch die Jugendakademien bis hin zu der Schicksalsentscheidung im Jahr 2009: Deutschland oder Türkei? Özil entschied sich für den DFB und wurde zu einem wichtigen Baustein einer Nationalmannschaft, die 2014 in Rio den Thron bestieg.


„Mesut Özil war fußballerisch gesehen einer der allerbesten Nationalspieler, die Deutschland je hatte“, sagt der ehemalige Bundestrainer Joachim Löw in der Dokumentation.

Ein Foto, das alles veränderte

Doch der Glanz verblasste. Die zweite und dritte Episode („Brüche“ und „Entfremdung“) widmen sich dem Wendepunkt im Jahr 2018. Ein Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan löste ein politisches Beben aus. Was folgte, war eine Debatte, die das Land spaltete. Für die einen war es ein Verrat an demokratischen Werten, für die anderen der Beweis, dass ein Deutscher mit Migrationshintergrund niemals „deutsch genug“ sein kann, sobald er einen Fehler begeht.




Die Dokumentation lässt dabei Stimmen zu Wort kommen, die bisher schwiegen. Mustafa Özil, Mesuts Vater und ehemaliger Manager, spricht ausführlich über den Bruch mit seinem Sohn. Auch Kritiker wie der Journalist Deniz Yücel finden klare Worte: Wer sich mit einem Autokraten zeige, treffe eine mündige Entscheidung, für die man selbst die Verantwortung tragen müsse.


Weggefährten kommen zu Wort

Regisseur Florian Opitz betont, wie sehr das Thema auch Jahre nach dem Rücktritt polarisiert: „Die Geschichte ist deswegen so aufwühlend, weil sie nicht nur viel über Mesut Özil erzählt, sondern mindestens so viel über die deutsche Gesellschaft“, wird er in einer Pressemitteilung zitiert.

Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis einer totalen Entfremdung. Per Mertesacker, langjähriger Weggefährte, bringt es auf den Punkt: „Es gibt keine Gewinner. Alle haben irgendwie verloren.“

Alle drei Folgen von „Mesut Özil – zu Gast bei Freunden“ sind ab 20. März um 10 Uhr in der ZDF-Mediathek verfügbar. Im linearen Fernsehen läuft die erste Folge am 31. März um 20:15 Uhr, um 00:15 Uhr zeigt das zweite deutsche Fernsehen Folge zwei und drei.

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Source: stern.de