Chinesisches Verbrennerverbot: Wenn nur noch dieser E-Lastwagen die Kohle bringt

Die Regelungen haben im vergangenen Jahr zu einem Durchbruch der elektrischen Trucks in der Volksrepublik beigetragen. Im Dezember waren laut dem chinesischen Branchenmagazin „CV World“ erstmals mehr als die Hälfe aller verkauften Schwerlastwagen elektrisch. Das lag teilweise an einem Sondereffekt, weil Kaufprämien zum Ende des Jahres ausliefen. „Der unverzerrte Wert liegt einige Prozentpunkte niedriger“, sagt Han.
Besonders schnelle Elektrifizierung im Schwerlastbereich
Für das Jahr 2025 beziffert das chinesische Analysehaus EV-Tank den Anteil elektrifizierter Lastwagen auf 20,5 Prozent, fast doppelt so viel wie die 11,3 Prozent 2024. Die Denkfabrik schreibt von einem „explosionsartigen Wachstum“, es handle sich nach Autos um das Segment, das sich am schnellsten elektrifiziere. Als elektrifiziert gelten Lastwagen mit reinem Batterieantrieb, mit Hybridantrieb und mit Brennstoffzelle. Die allermeisten sind jedoch reine E-Lastwagen.
Besonders schnell verläuft die Elektrifizierung im Schwerlastbereich. Dort lag der Marktanteil im Jahr 2025 schon bei knapp 30 Prozent, nach 14 Prozent im Jahr 2024. Es handelt sich um schwer beladene Lastwagen, die Güter wie Kohle auf kürzeren Strecken transportieren. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 230.000 elektrifizierte Schwerlastwagen in China verkauft. Zum Vergleich: In der ganzen EU wurden laut dem Branchenverband ACEA im vergangenen Jahr 307.000 mittlere und schwere Lastwagen neu zugelassen, nur rund vier Prozent davon waren elektrisch.
Damit wiederholt sich das Muster der Elektrifizierung von Autos: Der Umstieg auf den Batterieantrieb erfolgt im Reich der Mitte viel früher und schneller und wird von chinesischen Marken wie XCMG , FAW , Yutong oder Sany dominiert. Sany ist in Deutschland nicht völlig unbekannt, weil der Konzern vor mehr als einem Jahrzehnt den baden-württembergischen Pumpenspezialisten Putzmeister übernommen hat. Der Konzern dringt mit elektrischen Sattelschleppern inzwischen auch auf den europäischen Markt. „China liegt zu hundert Prozent vor seinen europäischen Wettbewerbern“, sagt Han.
„Ältere Dieselflotten wirtschaftlich nicht mehr tragfähig“
Während die Schwerlastwagen für kurze Strecken den Durchbruch geschafft haben, dominiert der Diesel im Reich der Mitte aber weiter auf der Langstrecke. Die ist in China nicht selten Tausende Kilometer lang, Lastwagen sind laut Han aber weniger schwer beladen. „Auf der Langstrecke wird es noch mal fünf Jahre dauern, bis der Markt in China 40 Prozent elektrisch ist“, prognostiziert der Unternehmer, der sich mit seinem Start-up auf die Langstrecke konzentriert, vor allem aber westliche Märkte ins Visier nimmt.
Neben den Verboten in einigen Kraftwerken haben laut EV-Tank auch die Abwrackprämien, die verbesserte technologische Reife und die wirtschaftlichen Vorteile, die E-Lastwagen in China haben, zu dem Durchbruch beigetragen. Zudem gibt es weitere lokale Regelungen wie Mautnachlässe oder Zufahrtsverbote für Diesellastwagen in Innenstädten. Branchenmagazine rechnen vor, dass sich elektrische Lastwagen wegen der niedrigen Strompreise rasch amortisieren. „Ein Teil des Wandels ist schlicht darauf zurückzuführen, dass ältere Dieselflotten wirtschaftlich nicht mehr tragfähig oder nicht mehr regelkonform sind“, Qi Qin, China-Analystin in der finnischen Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air.
Die mächtige Entwicklungs- und Reformkommission, Chinas oberster Wirtschaftsplaner, hatte im Herbst 2024 zusammen mit weiteren Behörden „Stellungnahmen zur Stärkung der sauberen und effizienten Kohlenutzung“ veröffentlicht. Es geht dabei nicht darum, die Kohlenutzung zu senken, sondern, ihre Nutzung emissionsärmer zu machen. Für den Transport auf kurzen Strecken solle etwa der Einsatz von elektrischen Lastwagen gefördert werden, hieß es darin. Für längere Strecken setze man auf Züge und Schiffe. Die Staatszeitung „Guangming Daily“ berichtete im November von einer Region in der Provinz Shanxi, in der Kohlebergwerke und -kraftwerke verpflichtet wurden, auf alternative Lastwagen umzusteigen, sofern sie keinen Bahnanschluss hatten. Sämtliche Lastwagen in den vier großen Kraftwerken in der Stadt Shuozhou seien umgerüstet worden, Es handle sich um mehr als 1200 Lastwagen.
Andere Staatsmedien berichteten von Fabriken und Kraftwerken in der Provinz Henan, die ausschließlich elektrische Lastwagen auf das Gelände ließen. Vor dem Gelände könne man deshalb nun E-Trucks für umgerechnet 25 bis 50 Euro mieten und damit seine Fracht in die Papierfabrik oder das Kohlekraftwerk bringen. Es handle sich um eine „absurde Situation“, hieß es in einem Artikel. Die Regelung trage nicht zur Emissionsreduktion bei, sondern erhöhe nur künstlich die Kosten. Man müsse „Formalismus“ im Umweltschutz bekämpfen.
Gleichwohl erinnern die Regelungen an die Maßnahmen, die Elektroautos in China zum Durchbruch verholfen haben. Viele Städte führten teure Versteigerungen für Kennzeichen ein, die Verbrennerautos den Zugang zur Innenstadt erlaubten. Elektroautos erhalten diese weiterhin erheblich günstiger oder kostenlos. Neben Kaufprämien und Steuererleichterungen für die Autokäufer und Subventionen für die Hersteller trug diese Kennzeichen-Regelung stark zum Aufstieg der Elektroautos bei.
Dass die Bemühungen rund um den Kohletransport einen so großen Einfluss auf den Lastwagenmarkt haben, liegt an der schieren Größe der chinesischen Kohlebranche. Kohle steht bis heute für rund die Hälfte des Strommixes der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Anteil sinkt zwar Jahr für Jahr, aber nur sehr langsam. Auf die Volksrepublik entfällt mehr als die Hälfte, auf Chinas Kohlekraftwerke allein ein Drittel des globalen Kohleverbrauchs. Trotz dieses ungünstigen Strommixes gehen Fachleute aber davon aus, dass die Elektrifizierung die Gesamtemissionen der Lastwagen senkt. Der Hauptgrund dafür ist, dass Lastwagen viel längere Strecken zurücklegen als Privatautos. Damit führt schon ein kleiner Umweltvorteil im Betrieb zu geringeren Emissionen in der Gesamtbetrachtung.