„Miserabel schlecht gearbeitet“ – Deutsche Wut nachdem dem Abbruch beim Skispringen
Der Abbruch des Super-Team-Wettbewerbs wegen Schneefalls sorgt für heftige Debatten. Deutschland fehlen nur 16 Zentimeter zu Bronze. Der DSV-Sportdirektor regt sich mächtig auf und fragt, ob die Veranstalter keiner Wetter-App auf dem Handy hätten.
Der Frust, der sich angestaut hatte, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Und nun, wo es nicht mehr schneite, musste dieser Frust raus. Horst Hüttel war extrem verärgert. „Ich bin richtig, richtig sauer, weil es keiner von uns versteht“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Skiverbands (DSV) nach dem Abbruch des Super-Team-Wettbewerbs – und dem darauf resultierenden bitteren vierten Platz von Philipp Raimund und Andreas Wellinger. 16 Zentimeter fehlten auf der Großschanze von Predazzo am Ende umgerechnet auf Bronze.
Wetter-Apps hätten angezeigt, dass der starke Schneefall als Hauptfaktor des Abbruchs schnell wieder aufhört. „Wir haben alle diese Wetter-Apps. Und diese Wetter-Apps muss auch die Fis haben. Und diese Apps zeigen uns, dass der Schneefall der nach 15 Minuten aufhört. Das verstehe ich nicht. Wieso kann keiner warten?“ , sagte Hüttel mit Blick auf den Weltverband: „Es ist einfach schlecht gearbeitet, miserabel schlecht gearbeitet. Alle vier Jahre ist Olympia, da erwarte ich von einem Management in so einer Situation etwas Besonnenheit.“
Die angesprochene Schneefront war am Montagabend tatsächlich nach rund 15 Minuten weg gewesen.
„Man fühlt sich vorgeführt“
Die Entscheidung zum Abbruch im letzten von drei Durchgängen war da aber bereits gefallen. Es zählte das Ergebnis nach zwei Durchgängen. Ein starker letzter Sprung von Raimund fiel damit aus der Wertung. Ein im Vergleich zur Konkurrenz nicht so guter von Wellinger allerdings auch.
Hüttel hätte sich gewünscht, den Wettkampf nicht sofort zu beenden. Er sah eine andere Möglichkeit. „Man kann schon abbrechen. Man muss dann die ganze Gruppe noch mal springen lassen“, sagte er: „Das wäre, finde ich – und das gab es in der Vergangenheit auch schon oft – die fairste und beste Entscheidung gewesen für alle. Ein Stück weit fühlt man sich schon vorgeführt. Weil einem etwas genommen wird, was man schon geleistet hat. So etwas ist immer einfach bitter.“
Der Funktionär betonte, ihm gehe es nicht um die knapp verpasste Medaille: „Vor vier Jahren haben wir in Peking im Team mit einem halben Punkt noch Bronze gewonnen vor Norwegen. Das fällt auch mal in die andere Richtung. Das ist auch alles okay so“, sagte er. Der Vorsprung betrug damals umgerechnet keine 50 Zentimeter: „Aber so wie jetzt empfinde ich es einfach als schlichtweg unprofessionell.“
Renndirektor wehrt sich gegen Kritik
Bundestrainer Stefan Horngacher haderte ebenfalls. „Es wäre nicht so schwer gewesen, ein bisschen schneller durchzufahren oder ein kurzes Break einzulegen, bis der Schnee weg ist“, sagte der 56-Jährige.
Fis-Renndirektor Sandro Pertile verteidigte die Entscheidung zum Abbruch. „Nach dem Wettkampf ist es einfach zu sagen, man hätte warten sollen. Aber wir mussten eine Entscheidung treffen“, sagte er. Der 57-Jährige, der aus dem Olympia-Ort kommt, ließ zudem durchblicken, dass ein weiterer Faktor neben dem Wetter eine Rolle gespielt haben dürfte: der Fernseh-Zeitplan des Olympiamacher. „Wir wissen alle, dass wir begrenzte TV-Zeit haben“, sagte er.
Durch die verpasste Medaille im erstmalig bei Olympia ausgetragenen Super-Team-Wettbewerb mit zwei statt vier Springern bleibt dem deutschen Team nur das Gold von Raimund von der Normalschanze als Edelmetall. Dieser Erfolg lenkte zumindest ein wenig von den ansonsten enttäuschenden Skisprung-Wettbewerben aus deutscher Sicht ab.
Nur eine Medaille bei Winterspielen für die deutschen Skispringer hatte es zuletzt 2010 in Kanada gegeben. Damals holte die Mannschaft um Martin Schmitt Silber im Teamspringen. Im Weltcup geht es in knapp zwei Wochen in Österreich weiter.
LaGa mit dpa
Source: welt.de