Fahrzeug-Marke aus Ostdeutschland: Nachfahren welcher Simson-Gründer kritisieren AfD-Vereinnahmung welcher Marke

Die Nachfahren der jüdischen Familie Simson wehren sich gegen eine Vereinnahmung der gleichnamigen
Moped-Marke durch die AfD. „Wir empfinden jegliche Verbindung mit der
AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Namens“, teilte der
Sprecher der heute in den USA lebenden Familie, Dennis Baum, der Nachrichtenagentur dpa mit. „Meine Familie und ich lehnen
extremistische Ideologien entschieden ab und wollen die Inbesitznahme
unseres Namens durch die AfD nicht hinnehmen.“ Der
Name Simson dürfe unter keinen Umständen zum Symbol der AfD werden. 

Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds
der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber
Kult.
AfD-Politiker wie der thüringische Landeschef Björn Höcke nutzen
sie als politisches Symbol
Manche Ortsverbände veranstalten Simson-Moped-Touren. In mehreren ostdeutschen Landtagen drang die
AfD darauf, die Simson als immaterielles Kulturerbe schützen zu lassen.
Sie stehe „für Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität“, hieß es
etwa in einem Antrag der AfD in Brandenburg.

„Verhöhnung unserer Geschichte“

Die
jüdische Familie war 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland
vertrieben worden und in die USA geflohen. Man habe eine große Tragödie
erlebt, die vor allem durch Intoleranz gegenüber der jüdischen
Bevölkerung geprägt gewesen sei, sagte Baum. „Deshalb betrachten wir
die Benutzung unseres Namens durch die AfD als eine Verhöhnung unserer
Geschichte.“

Das Werk in Thüringen war von den
Brüdern Moses und Loeb Simson gegründet worden und hatte sich zunächst als
Waffenhersteller etabliert. Zugleich widmete sich das Unternehmen dem
Fahrzeugbau und entwickelte unter anderem den Rennwagen Simson Supra. In
der NS-Zeit wurde die Familie zum Verkauf gezwungen. Zu DDR-Zeiten
wurde die Fabrik dann zum Volkseigenen Betrieb und produzierte Mopeds
zunächst im Auftrag der sowjetischen Militäradministration.