Wie sich die rechtsextreme Frauengruppe Lukreta international vernetzt

Screenshot der Instagram-Präsenz vom Lukreta


exklusiv

Stand: 17.02.2026 05:00 Uhr

Auf Instagram inszeniert sich die AfD-nahe Frauengruppe Lukreta als harmlos. Doch team.recherche zeigt: Die Aktivistinnen sind Teil eines europaweiten rechtsextremen Netzwerks – mit Verbindungen bis ins Europäische Parlament.

Von Alissa Küsters, Sarah Ulrich, Kim Stoppert und Lisa Genzken, SR

Auf Instagram inszeniert sich die AfD-nahe Frauengruppe Lukreta als harmlos. Doch team.recherche zeigt: Die Aktivistinnen sind Teil eines europaweiten rechtsextremen Netzwerks – mit Verbindungen bis ins Europäische Parlament.

Sie posten Inspirationen für Flechtfrisuren, Modetipps und Landschaftsfotos. Doch zwischen diesen vermeintlich harmlosen Inhalten stecken politische Botschaften. Die selbsternannte „unabhängige Frauengruppe“ ruft in ihren Posts zur „Remigration“ auf – dem Kampfbegriff der Neuen Rechten. Dahinter stecke Strategie, sagen Expertinnen und Experten – und Rekrutierung für die AfD, also gezielte Anwerbung neuer Wählerinnen.

Verbindungen zur AfD

Lukreta nutzt gezielt Social Media, um für rechte Politik zu werben. Ein zentrales Thema: angebliche „importierte Gewalt“ gegen Frauen – also Gewalt, die von Migranten ausgeht. „Das ist eine rechtsextreme Strategie“, erklärt Rechtsextremismus-Forscherin Juliane Lang, „Lukreta hat von Beginn an über sexualisierte Gewalt nur dann gesprochen, wenn es um migrantische Männer als Täter geht“, so Lang.

Die Frauengruppe Lukreta ist zudem eng mit der AfD verbunden. Reinhild Boßdorf, die Lukreta-Gründerin, arbeitet für den AfD-Europaabgeordneten Alexander Jungbluth als Assistentin im EU-Parlament. Ihre Mutter, Irmhild Boßdorf, ist AfD-Europaabgeordnete und Teil der ESN – „Europe of Sovereign Nations“-Fraktion. „Lukreta ist eine klassische Vorfeldorganisation“, sagt Expertin Lang.

Undercover bei rechtsextremen Frauen

Immer wieder treffen sich Vertreterinnen von Lukreta auch mit politischen Akteuren aus ganz Europa. Die Reporterinnen von team.recherche waren undercover bei zwei Kongressen dabei. Dort fanden sie heraus, dass Lukreta international mit rechtsextremen Akteuren vernetzt ist.

Einer dieser Kongresse fand am 8. November 2025 statt, organisiert von der portugiesischen Gruppe Reconquista (Rückeroberung). Vertreten waren hier neben Lukreta-Gründerin Boßdorf auch prominente Rechtsextremisten aus der ganzen Welt, beispielsweise Steve Laws aus dem Vereinigten Königreich, der sich selbst „Migrantenjäger“ nennt, oder auch Martin Sellner, Gründer der Identitären Bewegung in Österreich.

Irmhild Boßdorf ist AfD-Europaabgeordnete.

Organisiert wurde der Kongress in Porto von Afonso Goncalves, Gründer von Reconquista Portugal, der in einem Interview vom Mai 2024 sagte, es sei unumstritten, dass Männer im Allgemeinen intelligenter seien als Frauen. Und der der Ansicht ist, das Wahlrecht für Frauen sei „das Schlimmste, was wir in den letzten 100 Jahren in der westlichen Zivilisation getan haben“.

Die Undercover-Recherche von team.recherche in Porto zeigt, wie Reinhild Boßdorf sich international mit diesen Akteuren aus der extremen Rechten vernetzt und wie auf dem Kongress unwidersprochen nationalsozialistische Ideologie und Symbole verbreitet werden.

Rechte Frauengruppen in Europa

Die Recherchen ergeben außerdem: In mehreren europäischen Ländern, unter anderem in Frankreich, Spanien, Italien und der Schweiz, entstehen derzeit neue rechtsextreme Frauengruppen wie Lukreta, die sich untereinander austauschen und ähnliche Narrative verbreiten. Ihr Zulauf und Grad der Organisierung wachsen.

Immer wieder wirbt Lukreta beispielsweise für sogenannte Frauenkongresse, um sich auch außerhalb der sozialen Medien zu vernetzen – so auch im Juni 2025 beim „Internationalen Frauenkongress“ in Vlatten in Nordrhein-Westfalen – organisiert von der ESN-Fraktion und der AfD-Abgeordneten Irmhild Boßdorf. Die Reporterinnen waren auch hier undercover dabei. Neben Lukreta waren hier unter anderem eine Vertreterin der Women’s Safety Initiative aus dem Vereinigten Königreich und Anhängerinnen des Collectif Némésis aus Frankreich anwesend.

Kongresse auch mit Steuergeldern finanziert

„Lukreta ist stark international vernetzt, besonders ins europäische Ausland“, sagt die Rechtsextremismus-Expertin Kira Ayyadi von der Amadeo-Antonio-Stiftung. Untereinander nennen sich die Frauengruppen „Schwestern“ – und auch ihre politische Agenda gleicht sich: Immer wieder fordern sie „Remigration“ – also die massenhafte Ausweisung von Migrantinnen und Migranten.

Ein Forscherteam der Universität Osnabrück sagt, dieser Begriff sei „untrennbar mit völkisch-rassistischen Deportationsplänen verbunden“. Der ESN-Kongress wurde also auch dazu genutzt, sich über diese Pläne auszutauschen.

Wie die Recherchen von team.recherche belegen, wird mindestens dieser Kongress durch Steuergelder finanziert. Die ESN-Fraktion „lade dazu ein“, sagt Abgeordnete Irmhild Boßdorf selbst auf dem Kongress. Außerdem wirbt sie für Spenden an Lukreta – der angeblich „unabhängigen Frauengruppe“.

EU-Parlament hält sich bedeckt

Das Europäische Parlament will sich auf Anfrage zu den beiden Veranstaltungen nicht äußern. Allgemein heißt es auf Anfrage: „Vom Parlament finanzierte Veranstaltungen würden auf ihren Zweck, ihre Teilnehmer und die Einhaltung der Vorschriften des Europäischen Parlaments überprüft.“

Zu der Frage, ob diese Veranstaltungen mit den Werten der Europäischen Union konform sind, will man sich nicht äußern. Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen Herbert Reul, spricht von einer „vollkommen neuen Qualität“. Er sagt, die Strategie der Frauengruppen sei „brandgefährlich“.

Weder Reinhild Boßdorf noch ihre Mutter Irmhild Boßdorf äußerten sich auf Anfrage vom team.recherche.

Source: tagesschau.de