Winterwetter: Warum die kalten Luftmassen so hartnäckig zusammen mit uns bleiben

Während im Süden und Westen Deutschlands längst der Frühling lockt, hält sich im Norden und Osten das Winterwetter. Extremwetterexperte Frank Böttcher erklärt die Ursache.
Ist das noch normal? Seit Wochen schneit es im Norden und Osten Deutschlands ungewöhlich viel; der Winter dreht dort eine Runde nach der anderen. Kaum sind Straßen und Gehwege von Schnee und Eis befreit und die winterlichen Hinterlassenschaften bis auf wenige Reste geschmolzen, geht das Ganze von vorn los. Gleichzeitig erleben die Menschen in Portugal, Spanien und zuletzt Südfrankreich nicht enden wollende Regenfälle mit schweren Überschwemmungen. Wie hängt all dies zusammen und wann beruhigt sich die Lage wieder? Der Extremwetterexperte Frank Böttcher erklärt, was derzeit in der Atmosphäre passiert.
„Der Teil der Atmosphäre, in dem unser Wetter stattfindet, ist rund zehn Kilometer hoch. Am oberen Rand gibt es bei uns auf der Nordhalbkugel ein Band mit extrem starken Winden, die von West nach Ost wehen: den Jetstream“, sagt Frank Böttcher. Mit bis zu 500 km/h brause dort das Starkwindband und ziehe weiter unten in der Atmosphäre Luftpakete mit hohem und niedrigem Druck wie an einem langen Band hinter sich her.
Winterwetter statt Schmuddelnass: was der Jetstream damit zu tun hat
„Dieser Jetstream ist keinesfalls gleichförmig. Manchmal besteht er aus vielen kleinen Abschnitten, die Kurven- und Wellenformen annehmen wie ein Fluss“, erklärt Böttcher. Üblicherweise mäandere dieser Jetstream im Winter stark: „Weht er dann wie in Wellen auch stark nach Norden und Süden, dann treten bei uns die wechselhaften Winter mit milden und kalten Luftmassen auf.“ Das bedeutet das so häufige Schmuddelwetter mit Regen.
Derzeit bilde der Jetstream aber fast eine kreisrunde Bahn, und das auch noch sehr weit südlich: „Dann ziehen die großen Sturm- und Regentiefs über das Mittelmeer ostwärts. Deutschland liegt dann oft für lange Zeit an der Grenze zwischen den polaren Luftmassen im Norden und den milden Luftmassen im Süden“, so Böttcher weiter. Das Skandinavienhoch schaufle kalte Luft aus dem Norden hierher. Das Tief lenke wärmere Luft aus Südeuropa zu uns. An der Luftmassengrenze entwickelten sich Niederschläge, die in Nord- und Ostdeutschland als Schnee fallen, im Westen und Süden des Landes als (Eis-)Regen.
Das Gute: Die Niederschlagsmengen bleiben in Deutschland bei einem Ausmaß, das Winterdienste noch bewältigen. In Ländern rund ums Mittelmeer kämpfen die Menschen derzeit jedoch mit Regenmengen, die das übliche Maß weit übersteigen. Portugal, Spanien und Südfrankreich erleben dieser Tage die heftigsten Regenfälle der vergangenen Jahrzehnte. Verstärkt werden diese durch ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen im Mittelmeer und Atlantik. Die Wolken saugen sich über dem Wasser mit gewaltigen Mengen an Feuchtigkeit voll, die sie dann tagelang an ein und derselben Stelle abgeben.
Für all diejenigen, die in Deutschland keine Lust mehr auf Rodeln, Kälte und Glätte haben, hat Frank Böttcher eine gute Nachricht: „Kommendes Wochenende wird das derzeitige Strömungsmuster durchbrochen. Dadurch besteht die Chance für eine Änderung der Großwetterlage und damit einer Milderung, die auch im Nordosten Deutschlands ankommt.“ Dann könnte auch dort der Frühling endlich beginnen.
Source: stern.de