Große Entgegennahme: Reederei Hapag-Lloyd will israelische Rivalin ZIM übernehmen

Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd treibt ihr Wachstum mit Plänen für eine Großübernahme in Nahost voran. Für die israelische Konkurrentin ZIM soll einem Medienbericht zufolge zusammen mit einem israelischen Finanzinvestor mehr als drei Milliarden Dollar geboten haben. Laut Hapag-Lloyd gibt es bislang aber noch keine verbindlichen Vereinbarungen.
Durch den Kauf würde Hapag-Lloyd seine Position als einer größten Container-Riesen weltweit stärken. Allerdings stehen zuvor noch einige Genehmigungen an, nicht zuletzt durch den Staat Israel. Ein Hapag-Lloyd-Sprecher erklärte am Montag auf Anfrage, der Ad-hoc-Mitteilung von Sonntag sei vorerst nichts hinzuzufügen.
Darin hatte Hapag-Lloyd erklärt, der Konzern befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen über einen möglichen Erwerb sämtlicher Anteile an ZIM Integrated Shipping Services. Die für eine solche Transaktion erforderlichen Zustimmungen des Vorstands und des Aufsichtsrats von Hapag-Lloyd sowie der zuständigen Gremien von ZIM stünden noch aus. Die Genehmigung Israels sei erforderlich wegen Sonderrechten in der ZIM-Satzung. In diesem Zusammenhang seien die Verhandlungen mit dem Finanzinvestor Fimi Opportunity Funds über die Übernahme der Verpflichtungen aus diesen Sonderrechten weit fortgeschritten.
Medienberichten zufolge sollen auch die Reedereien Moeller Maersk und MSC Interesse an ZIM angemeldet haben. Hapag und Fimi hätten mit ihrer gemeinsamen Offerte jedoch den Zuschlag erhalten, so die israelische Zeitung „Globes“. Dabei übernehme Fimi das Israel-Geschäft von ZIM und Hapag die internationalen Aktivitäten.
ZIM-Beschäftigte treten in Streik
Bei den Beschäftigten der im Mittelmeerhafen Haifa ansässigen Reederei stießen die Übernahmepläne auf Widerstand, berichtete „Globes“ weiter. Der Betriebsrat habe zum Streik aufgerufen, weil er in die Entscheidung nicht eingebunden worden sei. ZIM hatte bereits im November erklärt, es habe nicht-bindende Übernahme-Angebote erhalten und seit Monaten die strategischen Möglichkeiten des Unternehmens ausgelotet. Am Montag wurde von ZIM zunächst keine Stellungnahme bekannt.
Analysten von JP Morgan bewerteten die Pläne von Hapag-Lloyd als Möglichkeit, die eigenen Kapazitäten schnell auszubauen, obwohl Werften kurzfristig nicht so viele neue Schiffe liefern könnten. Durch eine Übernahme von ZIM würde Hapag-Lloyd seinen weltweiten Marktanteil demnach von sieben auf knapp unter neun Prozent erhöhen können. Dem Branchendienst Alphaliner zufolge ist Hapag-Lloyd derzeit weltweit die Nummer fünf, ZIM die Nummer zehn. Auf den ersten Plätzen liegen MSC mit Sitz in der Schweiz, die dänische Maersk, CMA CGM aus Frankreich und Cosco aus China. Ob Hapag-Lloyd mit ZIM zusammen Cosco von Platz vier verdrängen kann, bleibt zunächst unklar.
Zu berücksichtigen sind auch politische Auswirkungen. So hatte Hapag erst vor etwa zwei Wochen Fahrten durch das Rote Meer und den Suezkanal wieder aufgenommen. Die Reederei und die meisten Konkurrenten hatten diese Route etwa zwei Jahre lang wegen der Angriffe jemenitischer Huthi-Rebellen gemieden. Diese hatten als Reaktion auf den Gaza-Krieg vor allem Frachter mit Israel-Bezug ins Visier genommen.
Reaktionen der Hapag-Loyd-Aktionäre unklar
Fraglich ist auch, wie der Zukauf am Hapag-Lloyd-Stammsitz in Hamburg aufgenommen wird. Die Stadt Hamburg hält ein Aktienpaket von fast 14 Prozent an Hapag-Lloyd. Zuletzt hatte der Einstieg des Reederei-Riesen MSC beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA hohe Wellen in der Hansestadt geschlagen. Hapag-Großaktionäre sind mit je 30 Prozent die chilenische Reederei CSAV und der aus Hamburg stammende Milliardär Klaus-Michael Kühne. Kleinere Anteilspakete halten die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien. Der Streubesitz beträgt nur 3,6 Prozent.
Hapag-Lloyd hatte im Geschäftsjahr 2025 auch wegen gesunkener Preise einen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag demnach vorläufig bei einer Milliarde Euro. Im Jahr 2024 hatte der Wert noch bei 2,6 Milliarden Euro gelegen.
Diese Hapag-Papiere lagen am Montag an der Börse fast drei Prozent im
Minus. Die in Frankfurt notierten ZIM-Titel stiegen zeitweise um fast 32 Prozent. Gemessen am Schlusskurs der an der Wall Street gelisteten ZIM-Titel vom vergangenen Freitag lag die Marktkapitalisierung bei rund 2,7 Milliarden Dollar.