Wer sein Team ins Office zwingt, hat Vorhut nicht verstanden

Office-Pflicht statt Flexibilität? Mawave-CEO Jason Modemann erklärt, warum Remote Work bessere Führung verlangt – und wie Teams verbunden bleiben.

Mawave-Gründer Jason Modemann schreibt bei Gründerszene über seinen Alltag als Unternehmer.

Mawave-Gründer Jason Modemann schreibt bei Gründerszene über seinen Alltag als Unternehmer.
Mawave / Logo: Gründerszene

Viele Unternehmen holen ihre Teams zurück ins Büro – aus Angst, den Zusammenhalt zu verlieren. Mawave-CEO Jason Modemann sagt: Das ist ein Irrweg. Er erklärt, wie echte Verbundenheit auch remote funktioniert und was Führung damit zu tun hat.

Immer mehr Unternehmen holen ihre Teams komplett zurück ins Office. Oder führen feste Office-Quoten ein: drei Tage im Büro, zwei Tage remote. Mit Flexibilität hat das für mich nichts zu tun. Echte Flexibilität heißt für mich, dass Menschen selbst entscheiden können, wie sie am besten arbeiten. Wer zu Hause oder im Café am konzentriertesten ist, soll das tun dürfen, egal an welchem Tag in der Woche. Wer lieber den Austausch im Office sucht, genauso.

Remote Work ist deshalb fester Bestandteil unserer Kultur – daran wird sich auch nichts ändern. Bei uns sind es rund 40 Prozent der Crew, die mehr als 100 Kilometer vom Office entfernt leben und demnach remote arbeiten.

Wie kann Remote Work funktionieren?

Aber genau das stellt uns auch vor Herausforderungen. Wie schafft man Nähe, wenn das Team nicht jeden Tag denselben Raum teilt? Wie sorgt man dafür, dass sich alle verbunden fühlen – egal, von wo sie arbeiten?

1. Nähe entsteht nicht nur durch Präsenz

Auch bei uns gibt es Mitarbeitende, die anfangs Sorge haben, ausgeschlossen zu werden, weil sie nicht in München sind. Diese Gedanken sind nachvollziehbar. Uns ist wichtig, dass ein Gefühl von Nähe auch remote entstehen kann. Dafür braucht es keine ständige Präsenz, sondern echte Aufmerksamkeit. Wenn man sich die Zeit nimmt, nachzufragen, wie’s jemandem wirklich geht. Wenn man bewusst Raum für Austausch schafft.

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Deshalb achten wir bewusst darauf, dass unsere „Remoties“ immer mitgedacht werden – bei Team-Events, in der Kommunikation, bei kleinen Gesten. Wenn wir eine Activity planen, fragen wir uns: Was haben die Remote-Kollegen davon? Wie können wir Alternativen schaffen, um auch sie einzubeziehen?

2. Remote zwingt zu besserer Führung

Viele Unternehmen feiern das Büro, weil sie glauben, dass dort automatisch keine Informationen verloren gehen. Dass Kommunikation nur funktioniert, wenn man sich sieht. Aber mal ehrlich: Wenn dein Informationsfluss davon abhängt, dass jemand zufällig an der Kaffeemaschine steht und eine Info im Vorbeigehen mitbekommt, hast du ein Kommunikationsproblem. Dann entscheiden Zufälle darüber, wer was wann erfährt.

Remote-Setups zwingen dazu, bewusster zu führen. Und Strukturen zu schaffen, wo sonst vielleicht improvisiert werden würde. Bis auf unser People-Team arbeitet bei uns jedes Team hybrid. Deshalb versuchen wir auch fortlaufend, das Setup zu optimieren: regelmäßige Kommunikation, saubere Dokumentation, klar definierte Rollen und Verantwortlichkeiten.

Workshop-Formate sind beispielsweise auch immer in zwei Sessions aufgezogen: einmal onsite, einmal remote. Leute, die nicht aus München arbeiten, haben dann immer die Möglichkeit, für den Workshop anzureisen, aber auch sich beim Online-Termin einzutragen.

3. Das Büro bleibt wichtig – aber anders

Natürlich hat das Office trotzdem seinen Platz. Aber nicht mehr als Pflichtort, sondern als Raum für Begegnung. Es ist für uns ein Tool von vielen, um die Zusammenarbeit zu erleichtern und Verbindung zu ermöglichen – für Workshops, gemeinsame Kreativsessions, Kundentermine oder Teamtage.

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Weil viele aus unserem Team in Berlin sitzen, haben wir dort inzwischen ebenfalls eine Office-Möglichkeit geschaffen. Denn am Ende gibt es zwei Typen von Menschen: Die einen lieben die Freiheit, remote zu arbeiten. Die anderen brauchen das physische Miteinander. Beides ist völlig legitim.

Meine Aufgabe als Führungskraft ist nicht, mich für ein Lager zu entscheiden, sondern Bedingungen zu schaffen, in denen beide gut arbeiten können.

Jason Modemann ist Gründer und Geschäftsführer von der Social Media Agentur Mawave Marketing. Mit 27 Jahren führt er 150 Mitarbeiter. Zu Mawaves Kunden zählen unter anderem Red Bull, Nike und Lidl. Zudem ist er Autor des Buches „Always hungry, never greedy.“

Source: businessinsider.de