Business-Ticker: Deutsch-ukrainische Drohnenproduktion pro die Front startet

Passagieren der Deutschen Lufthansa drohen weitere Streiktage mit Flugausfällen. Schon während des laufenden Ausstands am Donnerstag bekräftigten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Flugbegleitergewerkschaft UFO ihre Bereitschaft zu abermaligen Streikaufrufen. VC-Präsident Andreas Pinheiro forderte den Konzern auf, eine Offerte für Verhandlungen über Betriebsrenten der Piloten der Lufthansa-Kernmarke und der Frachtgesellschaft Lufthansa Cargo vorzulegen.

„Wenn es kein Angebot gibt, dreht sich die Eskalationsspirale immer weiter“, sagte Pinheiro. UFO-Chef Joachim Vázquez Bürger sagte, er könne nicht sagen, ob weitere Ausstände im Konflikt über Tarifregelungen zu Arbeitsbedingungen und einen Sozialplan für die vor der Schließung stehende Lufthansa Cityline folgten. „Das kommt darauf an, wie das Management auf diesen Streik reagiert. Sollte da ein Umdenken stattfinden, werden wir jederzeit an den Verhandlungstisch zurückkehren.“

Der Ausstand hatte weitreichende Folgen, auch wenn es nicht zum  Komplettstillstand im Lufthansa-Betrieb kam. Der Konzern erklärte, bei seiner Kernmarke sowie den Tochtergesellschaften Lufthansa Cityline und  Lufthansa Cargo seien rund 800 Flüge abgesagt worden. Davon seien rund 100.000 Passagiere betroffen gewesen. Dass nicht mehr Reisende am Boden blieben, lag daran, dass Lufthansa Passagiere auf Deutschland-Flüge ihrer Auslandsgesellschaften wie Swiss und Austrian Airlines umbuchte. Zudem kamen vier Flugzeuge der lettischen Air Baltic, mit der Lufthansa zusammenarbeitet, zum Einsatz.

Die jungen deutschen Betriebseinheiten Discover Airlines und Lufthansa City Airlines waren nicht vom Ausstand betroffen – ebenso die von Köln aus geführte Tochtergesellschaft Eurowings, die auch zusätzlich flog. In Frankfurt fielen nach Flughafenangaben 450 Flüge aus, der Flugplan hatte rund 1100 Flüge von allen dort startenden Gesellschaften vorgesehen.

Die Gewerkschaft UFO bezeichnete Erklärungen des Lufthansa-Konzerns zum Streik als „beschämend“. Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann hatte die Rahmenbedingungen für Flugbegleiter als „sehr gut“ bezeichnet und sich ablehnend zu einem Forderungskatalog der Gewerkschaft geäußert. Dieser würde die Produktivität um zehn Prozent verringern, während sich die zwischenzeitlich defizitäre Lufthansa-Kernmarke auf Sanierungskurs befinde. UFO konterte in einer Mitgliederinformation: „Die Lufthansa-Kabine wird einmal mehr als viel zu teuer und unproduktiv dargestellt und damit erpresst.“ Damit dürfte die Gewerkschaft auch darauf anspielen, dass Lufthansa junge Tochtergesellschaften wie Discover und City Airlines mit niedrigeren Kosten ausbaut und Verkehre dorthin verlagert.   

UFO beklagt eine zunehmende Arbeitsbelastung und viele Dienstplanänderungen, die einzuschränken seien. Zudem sollen Nacharbeiten nach Landungen stärker als Arbeitszeit erfasst, Ruhezeiten  zwischen Schichten angepasst und drei zusätzliche Urlaubstage gewährt werden. Während Vorstand Niggemann einen „konstruktiven Dialog“  anmahnte, warf UFO dem Konzern „endlose Hinhaltetaktiken“ vor. Der Manteltarifvertrag sei seit 14 Monaten offen. Seitdem habe es nur zwei Verhandlungstage gegeben, an denen habe sich Lufthansa „geweigert, zu unseren Forderungen Stellung zu beziehen“. Einen dritten Termin hatte UFO abgesagt.

Die Gewerkschaft verkündete in dieser Woche auch einen „Durchbruch in den Manteltarif-Verhandlungen“. Dabei ging es aber nicht um Lufthansa, sondern um die Fluggesellschaft Condor. Eine Einigung auf ein Eckpunktepapier sei erreicht. Wenn die zuständigen Gremien von Condor und UFO zustimmten, sollten die Detailverhandlungen beginnen, Termine seien noch für diesen Monat vereinbart. Wie bei Lufthansa geht es auch bei Condor um verlässlichere Dienstpläne mit weniger Änderungen und zusätzliche freie Tage.