Ineos-Gründer: Man-United-Eigentümer kritisiert Zuwanderung

Mit harten Aussagen zur Einwanderung hat der britische Milliardär und Chemieunternehmer Jim Ratcliffe eine landesweite Debatte ausgelöst. Der Miteigentümer des Fußballklubs Manchester United sagte in einem Sky-Interview, Großbritannien sei durch Einwanderer „kolonisiert“ worden. Wörtlich sagte er: „Man kann keine Wirtschaft haben, wenn neun Millionen Menschen Sozialleistungen beziehen und so viele Einwanderer ins Land kommen. Ich meine, Großbritannien wurde kolonialisiert. Das kostet zu viel Geld.“
Premierminister Keir Starmer forderte Ratcliffe auf, er solle sich für seine Worte entschuldigen. Was er gesagt habe, sei „beleidigend und falsch“, schrieb der Labour-Premier auf der Plattform X. „Großbritannien ist ein stolzes, tolerantes und vielfältiges Land.“ Auch andere Politiker der Labour-Partei griffen Ratcliffe an.
Der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, schrieb: „Diese Kommentare gehen gegen alles, wofür Manchester traditionell steht: ein Ort, an dem Menschen aller Rassen und jeglichen Glaubens zusammenkommen und Institutionen aufgebaut haben, einschließlich des F.C. Manchester United.“ Man könne eine Begrenzung der Immigration fordern, aber es sei beleidigend und hetzerisch, Immigranten als „feindliche Invasionsmacht“ zu bezeichnen. Dies hatte Ratcliffe indes nicht getan.
Am Donnerstagnachmittag entschuldigte sich Ratcliffe schließlich für seine Wortwahl. Er gestand ein, dass sein Kommentar „einige Leute“ verletzt habe. Es sei ihm aber ein Anliegen gewesen, das „wichtige Thema“ Immigration anzusprechen.
Verwirrung um Bevölkerungswachstum
In dem Interview mit Sky News nannte der bekannte Unternehmer und Selfmade-Milliardär ein paar Zahlen, die falsch sind. „Die Bevölkerung betrug im Jahr 2020 58 Millionen, heute sind es knapp 70 Millionen. Das sind 12 Millionen Menschen (mehr).“ Tatsächlich lebten 2020 etwa 66 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich, heute sind es gut 70 Millionen.
Unbestritten gab es eine starke Bevölkerungszunahme durch Zuwanderung. Um die Jahrtausendwende lebten 58 Millionen Menschen auf der Insel. Seit 2004 begann eine beispiellose Immigrationswelle, zunächst aus Osteuropa nach der EU-Osterweiterung und nach dem Brexit vermehrt aus Asien und Afrika. Diese Einwanderung hat politische und gesellschaftliche Spannungen ausgelöst.
Jim Ratcliffe ist bekannt für seine oft ungeschminkte Rhetorik. Der heute 73 Jahre alte Unternehmer hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. Geboren wurde er in eine Arbeiterfamilie nahe Manchester, sein Vater war Schreiner und später Leiter eines Möbelbetriebs. Zeitweise lebte die Familie in einer Gemeindewohnung. Ratcliffe machte nach einem Chemietechnik-Studium Karriere in der Petrochemie- und Kunststoffindustrie. Eine seiner ersten Firmenübernahmen finanzierte er mit einem Hypothekenkredit auf sein Wohnhaus.
Mit dem Chemiekonzern INEOS reich geworden
Mit dem 1998 von ihm gegründeten Chemiekonzern INEOS und mit Öl- und Gasunternehmen wurde Ratcliffe zu einem der zehn reichsten Männer des Landes. Sein Privatvermögen schätzte die „Sunday Times“ in der jüngsten Reichenliste auf 17 Milliarden Pfund (19,5 Milliarden Euro) – das waren allerdings sechs Milliarden Pfund weniger als ein Jahr zuvor. Aus steuerlichen Gründen hat sich Ratcliffe schon vor Jahren in Monaco niedergelassen – und wurde dafür als Steuerflüchtling kritisiert. Vor zwei Jahren erwarb der bekennende Brexit-Befürworter für mehr als eine Milliarde Pfund eine 27-Prozent-Beteiligung an Manchester United. Seit Jugendzeiten ist er ein Fan des Klubs.
Sein Interview mit den Aussagen zur Immigrationspolitik hat nun international Schlagzeilen erzeugt. Ratcliffe hatte indes noch nie Angst vor Kontroversen. Wiederholt warnte er vor einer Deindustrialisierung durch zu hohe Energiepreise als Folge einer verfehlten Klimapolitik. „Europa zu dekarbonisieren durch Deindustrialisierung ist idiotisch“, sagte er jüngst.
Im Sky-Interview bezeichnete Ratcliffe den amtierenden Regierungschef Starmer als „zu nett“, um wichtige Reformen durchzuführen. Gleichzeitig bestätigte er, dass er sich vor Kurzem mit dem Vorsitzenden der rechten Partei Reform UK, Nigel Farage, getroffen habe. Als einer der wenigen britischen Spitzenpolitiker verteidigte Farage nun Ratcliffes Aussagen. Man könne nicht ignorieren, dass „beispiellose Masseneinwanderung den Charakter des Landes in vielen Gebieten verändert hat“, sagte er.