Armenienreise: JD Vance löscht Völkermord-Tweet – von kurzer Dauer nachdem Besuch des Völkermord-Denkmals








Die Trump-Regierung nennt den Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern im Jahr 1915 eigentlich nicht beim Namen. JD Vance hat das nun doch getan – rudert aber sofort wieder zurück.

Ein X-Beitrag von US-Vizepräsident JD Vance auf seiner Armenienreise hat für Irritationen gesorgt. Darin hieß es, dass er und seine Frau Usha Vance einen Kranz am „armenischen Völkermord-Denkmal“ niederlegten, „um der Opfer des Völkermords von 1915 zu gedenken“. Der Beitrag sei irrtümlich von Mitarbeitern veröffentlicht worden, die nicht zur Delegation gehörten, erklärte sein Büro später. Der Post wurde gelöscht und Vance reiste weiter ins benachbarte Aserbaidschan.



Armenien strebt seit langem die internationale Anerkennung der Massaker an etwa 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs als Völkermord an. Die Türkei, ein enger Verbündeter Aserbaidschans, weist diese Bezeichnung zurück.

US-Regierung verzichtet eigentlich auf „Völkermord“-Bezeichnung

Im vergangenen Jahr verzichtete Trump in deutlicher Abkehr von seinem Vorgänger Joe Biden in der traditionellen Grußbotschaft des US-Präsidenten zum Gedenken an die Opfer der Massaker auf den Begriff Völkermord.


Armenien und Aserbaidschan hatten in den vergangenen Jahrzehnten zwei Kriege gegeneinander um die Kontrolle der Region Bergkarabach geführt. 2023 brachte Aserbaidschan die mehrheitlich von ethnischen Armeniern bewohnte Region dann in einer großangelegten Militäroffensive unter seine Kontrolle. Rund 100.000 Armenier wurden vertrieben.

Im August vergangenen Jahres vereinbarten beide Länder bei der Unterzeichnung eines Abkommens im Weißen Haus in Washington, ihren Konflikt dauerhaft beizulegen.




Was ist der Grund für die Reise von JD Vance?

Am Montag hatte Vance in Eriwan Gespräche mit Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan geführt. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz gab Vance unter anderem eine Vereinbarung zum Verkauf von US-Drohnentechnologie an Armenien im Wert von elf Millionen Dollar (9,3 Millionen Euro) bekannt.


Vance und Paschinjan unterzeichneten zudem ein Atomenergie-Abkommen, das laut dem armenischen Regierungschef „ein neues Kapitel in der sich vertiefenden Energiepartnerschaft zwischen Armenien und den USA aufschlagen wird“.

Bereits am Dienstag traf Vance dann in Aserbaidschans Hauptstadt Baku den Präsidenten des ölreichen Landes, Ilham Alijew. Anschließend unterzeichneten beide ein bilaterales Abkommen über eine strategische Partnerschaft. US-Präsident Donald Trump zufolge soll der Besuch von Vance in den beiden Kaukasusstaaten die „Friedensbemühungen“ der USA fortsetzen.





Vance sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Alijew, dass das Abkommen die Partnerschaft zwischen beiden Ländern formalisiere und unmissverständlich klarstelle, dass die Beziehungen zwischen den USA und Aserbaidschan von Dauer seien. Die Vereinigten Staaten würden „neue Schiffe nach Aserbaidschan liefern, um Sie beim Schutz Ihrer Hoheitsgewässer zu unterstützen“, sagte Vance an Alijew gerichtet.

Alijew zufolge treten die Beziehungen zwischen den beiden Ländern mit der Unterzeichnung des Abkommens „in eine neue Phase ein“, auch im Bereich der Verteidigungszusammenarbeit. „Wir werden die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich fortsetzen und gemeinsam an Einsätzen zur Terrorismusbekämpfung arbeiten“, sagte er.

„Trump-Route“ in Planung

Nach Angaben des US-Außenministeriums will Vance auf seiner Reise auch eine geplante Straßen- und Eisenbahnverbindung namens Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand (Tripp) voranbringen. Sie ist Teil des Abkommens, das Paschinjan und Alijew im Weißen Haus unterzeichnet hatten, und soll über das Staatsgebiet Armeniens verlaufen, um das Kernland Aserbaidschans mit der Exklave Nachitschewan zu verbinden.

Vance ist der bislang ranghöchste Vertreter der USA, der Armenien besucht. Seine Reise erfolgt auch vor dem Hintergrund sich verändernder Allianzen in der Region: Die Beziehungen zwischen Armenien und seinem traditionellen Verbündeten Russland hatten sich nach dem Bergkarabach-Konflikt 2023 abgekühlt, weil dort stationierte russische Soldaten nicht in den Konflikt mit Aserbaidschan eingegriffen hatten. In der Folge näherte sich Armenien an die EU an. Auch die USA streben nun eine größere diplomatische und wirtschaftliche Präsenz im Südkaukasus an.

AFP

lw

Source: stern.de