Diskussion um Bonuszahlungen: VW-Finanzchef kontert Kritik

Ende Januar hatte Volkswagen den Kapitalmarkt mit einer Pflichtmitteilung zum abgelaufenen Geschäftsjahr überrascht. „Auf Basis vorläufiger Zahlen“ habe sich eine „positive Abweichung“ von den bisherigen Finanzplänen ergeben, teilte der Konzern darin mit. Im Fokus stand unter anderem der Netto-Cashflow, eine zentrale Kennziffer für die Finanzkraft des Unternehmens. Statt – wie zuletzt intern und extern erwartet – nahe Null soll der Mittelzufluss nun rund sechs Milliarden Euro betragen.
Der überraschende Geldzufluss sorgt in Wolfsburg für Unruhe. Denn er wirkt sich auf die Vergütung des Topmanagements aus. Nach den bisherigen Planannahmen war eigentlich davon auszugehen, dass für das abgelaufene Jahr 2025 kein Jahresbonus fließt. Mit dem nun gemeldeten Cashflow können sich die Manager wohl doch über eine Auszahlung freuen.
Das stößt auf Kritik – auch weil Volkswagen weiter in einer tiefgreifenden Krise steckt und die Fachabteilungen um Finanzvorstand Arno Antlitz unverändert auf strikte Kostenprogramme pochen. „Wir teilen die Kritik an der bisherigen Informationspolitik des Konzerns zu den sechs Milliarden Euro Netto-Cashflow“, heißt es von den Arbeitnehmervertretern um Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Das damit verbundene Unverständnis vieler Beschäftigter sei nachvollziehbar. Noch in dieser Woche soll es in Wolfsburg ein Spitzengespräch geben, bei dem die Arbeitnehmerseite ihre Position „unmissverständlich deutlich machen“ will. Danach wolle man sich öffentlich äußern.
Kein Maibonus für Mitarbeiter
Die Vergütung des Topmanagements setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, darunter variable Bestandteile, die an die geschäftliche Entwicklung gekoppelt sind. Für den Jahresbonus, eine dieser Komponenten, sind unter anderem ein bestimmter Netto-Cashflow sowie eine vorgegebene Umsatzrendite ausschlaggebend. Während das Renditeziel wohl verfehlt wird, dürfte der Cashflow die Schwelle für eine Ausschüttung mit der neuen Planung erreichen. Wo genau der Zielkorridor liegt, wird erst mit dem Geschäftsbericht bekannt. Im vergangenen Jahr lag er zwischen 3,5 und 7,25 Milliarden Euro.
Die Entwicklung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Denn Betriebsratschefin Cavallo und ihre Gewerkschaft IG Metall stecken gerade mitten im Wahlkampf für die bevorstehenden Betriebsratswahlen. Konkurrierende Gruppen in der Belegschaft fordern von ihr eine härtere Gangart gegenüber dem Management. Die Belegschaft wiederum ist durch die vielen Einsparungen verunsichert und muss Einschnitte hinnehmen. Ein Beispiel dafür ist der Maibonus, eine variable Zahlung, die in diesem und dem kommenden Jahr laut früheren Vereinbarungen ausgesetzt wird.
VW-Vorstand wehrt sich gegen Kritik
Finanzvorstand Arno Antlitz kontert nun in intern verbreiteten Interviews die Kritik am überraschend hohen Cashflow. Die zuletzt berichtete Verbesserung sei „das Resultat intensiver Kostenarbeit in den Bereichen der Vorleistungen – also bei Entwicklung und Investitionen – sowie bei dem Management unserer Lagerbestände“, lässt er sich darin zitieren. Die Arbeit sei Ende Juli noch einmal intensiviert worden, nachdem die neue Zollpolitik in den Vereinigten Staaten festgestanden und die damit verbundenen Mehrbelastungen klar geworden seien.
„Die Dimension der Verbesserung kam in der Tat überraschend“, erklärt Antlitz weiter. Die Entwicklung zeige aber auch das Potential, das gehoben werden könne, wenn VW „bereichsübergreifend zielgerichtet an Verbesserungen“ arbeite.
Antlitz argumentiert, dass der Konzern einen soliden Mittelzufluss brauche, „um weiter kraftvoll in Zukunftstechnologien investieren zu können“. Wenn der Cashflow nicht ausreiche und am Ende des Jahres nicht genügend Geld in der Kasse bleibe, müsse VW auf die Substanz zurückgreifen oder zusätzliches Kapital aufnehmen. Die Möglichkeiten dafür seien begrenzt, fügt er hinzu – und schiebt dann einen Hinweis nach, der aus Sicht des Kapitalmarkts einiges Gewicht haben dürfe: „Das sehen übrigens auch die Rating-Agenturen so.“ Schon länger geht in Wolfsburg die Sorge um, dass sich das Kreditrating des Konzerns wegen der vielen Krisen verschlechtert und die Finanzierungskosten dann deutlich steigen.
Im Konzern wird zudem darauf verwiesen, dass die Manager ohnehin schon auf Teile ihres Gehalts verzichten. So wird die Gesamtvergütung aus monatlichem Festgehalt, Jahresbonus und Langfristbonus für das vergangene und das gerade begonnene neue Jahr um 11 Prozent gesenkt. Damit wollen die Vorstände einen Beitrag zu den Einsparungen leisten. Der Betriebsrat will seine Position nun genauer darlegen – noch im Laufe des Dienstagabends wird mit weiteren Details gerechnet.