Tino Chrupalla: AfD-Chef sieht „Geschmäckle“ für Parlamentsjobs pro Familienangehörige
AfD-Chef Tino Chrupalla hat kritisiert, dass Familienangehörige von Politikern der AfD in Sachsen-Anhalt in Abgeordnetenbüros beschäftigt werden. „Es ist möglich und damit nicht rechtswidrig. Aber ja, ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich finde es trotzdem schwierig“, sagte er in der ARD-Sendung Caren Miosga. Er sprach von einem gewissen Störgefühl. Es handele sich um Verträge, die rechtskräftig und nicht zu beanstanden seien. „Ein Geschmäckle hat’s, da gebe ich Ihnen vollkommen recht“, sagte er auch.
Der AfD-Chef fügte hinzu, es gebe auch bei anderen Parteien Fälle, in denen Familienangehörige beschäftigt würden.
Hintergrund sind Recherchen der ZEIT und der ZDF-Sendung frontal, wonach mehrere Familienangehörige von Politikern der AfD in Sachsen-Anhalt in den Bundestagsbüros von Parteikollegen angestellt seien. Erwähnt wird dabei auch der Vater des AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Anfang September in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund.
Siegmund hatte sich zu den Berichten in Videos bei X geäußert und unter anderem gesagt, er finde das sogar gut und hätte selbst überhaupt kein Problem damit, ein Familienmitglied eines Parteifreundes anzustellen. Es sei logisch, dass man versuche, Leute zu gewinnen, denen man vertrauen könne. „Das Ergebnis muss passen, wenn alle rechtsstaatlichen Kriterien eingehalten sind – und das ist bei uns der Fall.“
Chrupalla fordert Gespräche mit Russland
Chrupalla äußerte sich in der ARD auch kritisch zu innerparteilichen Vorschlägen nach einer spezialisierten Asyl- und Abschiebeeinheit, orientiert an der US-Einwanderungspolizei ICE. „Ich sehe das kritisch. Wir müssen eigene Behörden stärken. Wir wollen, dass alle illegalen Migranten abgeschoben werden, und zwar schnell, wir brauchen mehr Beamte.“
Zur Forderung der Nato, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, sagte Chrupalla, dass eine stärkere Investition in die Bundeswehr notwendig sei. Gleichzeitig äußerte er Zweifel, ob Deutschland dies jährlich dauerhaft leisten könne. „Dass wir mehr in die Verteidigung investieren müssen, um uns selbst verteidigen zu können, ist richtig. Das ist eine absolut richtige Forderung. Ob wir das auf Dauer jedes Jahr leisten können, das bezweifle ich stark.“
Chrupalla forderte zudem Gespräche mit Russland. „Ich sehe aktuell nicht, dass Deutschland von Russland bedroht ist“, sagte Chrupalla. „Wir müssen deswegen so schnell wie möglich mit Putin wieder in die Gespräche kommen. Ich hoffe, dass der Bundeskanzler endlich auch diesen Dialog wieder beginnt, damit wir mit Russland ins Gespräch kommen, damit diese Eskalation beendet wird.“