Nato: Norwegen warnt vor russischer Spionage in welcher Arktis
Norwegen geht davon aus, dass Russland in diesem Jahr seine Spionageaktivitäten in der Arktis ausweiten wird. Im Fokus Russlands lägen das norwegische Festland im Norden des Landes sowie die Inselgruppe Spitzbergen, teilte der norwegische Inlandsnachrichtendienst PST mit.
„Wir erwarten, dass russische Geheimdienste ihre Aktivitäten in Norwegen 2026 ausweiten werden, mit einem fortgesetzten Fokus auf militärische Ziele und Übungen von Verbündeten, Norwegens Unterstützung für die Ukraine und Operationen im hohen Norden und im Arktisraum“, teilte der PST mit. Von „speziellem Interesse“ für Russland sei Spitzbergen, das Ziel von „geheimdienstlichen Einflussoperationen“ und Sabotageaktivitäten werden könne. Man gehe davon aus, dass Russland die norwegischen Küsten überwache und unter Einsatz ziviler Schiffe kritische Infrastruktur im Küstengebiet ausspähe.
Norwegen beobachtet seinerseits russische Militäraktivitäten im Nordatlantik und auf der Kola-Halbinsel, wo Russlands Nordflotte sowie ein großer Teil der russischen Atomstreitkräfte stationiert sind.
Norwegen sieht Hilfen für die Ukraine im Visier von Spionage
Der PST hatte Russland die Verantwortung für einen Cyberangriff im April 2025 zugesprochen, bei dem Hacker kurzzeitig die Kontrolle über ein Wasserkraftwerk übernommen hatten. Russland wies die Anschuldigungen zurück. Der norwegische Nachrichtendienst erwartet in diesem Jahr den Versuch weiterer Sabotageaktionen dieser Art.
Vor allem die Logistik hinter norwegischen Militärhilfen für die Ukraine sei dabei gefährdet, doch es könne auch zivile Infrastruktur betroffen sein, warnte der PST. Eine „besondere Herausforderung“ sei, dass Russland Kollaborateure unter ukrainischen Flüchtlingen aus russischsprachigen Regionen des Landes anwerben könnte.
In Norwegen halten sich 100.000 ukrainische Flüchtlinge auf, das Land gehört zu den wichtigsten Unterstützern des angegriffenen Landes. Auch in Deutschland sollen russische Agenten unter anderem die Ausbildung ukrainischer Soldaten ausgespäht und Sabotageaktionen gegen die Logistik für Waffenlieferungen geplant haben.
Nato will über arktische Sicherheit beraten
Das Thema arktische Sicherheit stand zuletzt im Fokus eines Konflikts innerhalb der Nato: Die USA hatten ihre inzwischen abgelegte Forderung nach einer Übernahme Grönlands unter anderem damit begründet, dass Russland und China sich die Insel angeblich aneignen und ihre Präsenz in der Arktis ausbauen wollten. Die europäischen Nato-Länder reagierten darauf mit der Zusage, künftig mehr zur Überwachung der Arktis beizutragen.
Das soll nach Angaben Großbritanniens Thema beim Nato-Verteidigungsministertreffen in der kommenden Woche sein. „Wir als Nato-Länder können Präsident Trump zeigen, dass wir bei der arktischen Sicherheit aktiver werden“, sagte der britische Verteidigungsminister John Healey.
Die Nato hat dafür bereits mit der Planung für eine Arktisübung mit dem Namen „Arctic Sentry“ begonnen. Es ist aber unklar, ob sie Thema beim Verteidigungsministertreffen in Brüssel am kommenden Donnerstag wird. Healey gab an, bei dem Treffen „weitere Diskussionen“ zur Arktis führen zu wollen.