Krypto-Crash: Das steckt hinterm Bitcoin-Absturz

Die Kryptowährung Bitcoin hat im US-Handel am Donnerstag massiv an Wert verloren. War am 6. Oktober ein Bitcoin noch mehr als 126.000 Dollar wert, rutschte der Kurs am Donnerstagabend europäischer Zeit bis auf knapp über 60.000 Dollar – so niedrig wie seit Oktober 2024 nicht mehr. Am Freitagabend war der Ausverkauf dann vorerst gestoppt. Der Kurs der Kryptowährung stabilisierte sich im Bereich von 65.000 Dollar. Freilich gibt es keinen Anlass dafür, dass er sich schnell wieder erholen wird.
„Die Zinsangst schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger, während Sorgen über Liquiditätsknappheit, institutionelle Kapitalabflüsse und eine ausgeprägte Risikoaversion den Markt belasten“, fasst Timo Emden von Emden Research die gegenwärtige Marktlage zusammen. Und er warnt Anleger, sich auch über das bevorstehende Wochenende auf weitere Unwägbarkeiten einzustellen.
Zwangsverkäufe von Spekulanten
Zahlreiche spekulative Anleger hat der Kurssturz des Bitcoins kalt erwischt. Spekulanten, die auf einen steigenden Kurs gewettet hatten, mussten zwangsverkaufen. „Es gibt kaum Interesse daran, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Ausverkauf stark von Liquidationen getrieben war“, sagte Rachael Lucas, Analystin bei BTC Markets.
Hinzu kommt, dass sich institutionelle Investoren aus dem Kryptomarkt zurückziehen. Laut einer Analyse der Deutschen Bank geht der breite Kursrutsch auch auf Kapitalabzüge von institutionellen Investoren und ETF zurück, die monatlich Bitcoins im Wert von mehreren Milliarden verkauft hätten. Dass die jetzt schon länger kontinuierlich verkaufen, sei „ein Signal, dass traditionelle Investoren das Interesse verlieren und der allgemeine Pessimismus gegenüber Kryptowährungen wächst“.
Kevin Warsh macht Angst
Die negative Stimmung am Kryptomarkt hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet. Sie hat auch etwas mit der Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank Fed am vergangenen Freitag zu tun. Dieser ist zwar kein Kryptogegner, Anleger erwarten aber, dass Warsh für eine restriktive Geldpolitik stehen wird, also die Zinsen eher hoch hält.
Zum jüngsten Preisverfall des Bitcoins dürfte auch beigetragen haben, dass US-Finanzminister Scott Bessent laut Yahoo Finance bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus am Mittwoch eine Stützung des Kurses mit Steuergeldern kategorisch abgelehnt hat. Der Bitcoin-Besitz der USA stamme allein aus Konfiszierungen, nicht aber aus Käufen. Als Gründe für den Verfall des Bitcoin-Kurses werden aber auch Schwächen an den klassischen Aktienmärkten genannt, hier insbesondere die Schwäche von Technologietiteln.
„Angst und Unsicherheit am Markt sind offensichtlich. Ohne Käufer mit der Überzeugung, sich gegen den Abwärtsdruck zu stellen, verstärkt jede Welle von ETF-Rückgaben und Liquidationen den Kursverfall“, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Chris Newhouse, den Chef der Geschäftsentwicklung bei Ergonia.
Wie tief der Kurs des Bitcoins noch sinkt, hängt von den nächsten Stunden und Tagen ab. Sollte die Spanne von 58.000 bis 60.000 Dollar nachhaltig unterschritten werden, halten Marktteilnehmer auch einen weiteren Kursverfall bis 50.000 Dollar für möglich. Neben dem Bitcoin mussten auch andere Kryptowährungen wie Ethereum kräftige Verluste hinnehmen. Auch die Kurse börsennotierter Handelsplattformen wie Robinhood oder Coinbase gaben im zweistelligen Bereich nach.
Source: faz.net