Schuhhandel: Lieferantenausfall zwingt Schuhhändler Horsch in die Insolvenz

Felix Horsch: „Der Insolvenzantrag soll die Grundlage schaffen, das Geschäft zu stabilisieren und neu aufzustellen.“

Ein Insolvenzantrag eines zentralen Lieferanten in Portugal hat einen traditionsreichen deutschen Schuhhändler Horsch in eine Schieflage gebracht. Trotz der finanziellen Krise soll der operative Betrieb vorerst weiterlaufen.

Der Schuhhändler Horsch, Spezialist für Über- und Untergrößen, hat beim zuständigen Insolvenzgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Auslöser sei nach Angaben des Unternehmens die Insolvenz eines wichtigen Hauptlieferanten in Portugal gewesen, die kurzfristig zu erheblichen Störungen in der Warenverfügbarkeit und der Lieferkette geführt habe. Die Entwicklung treffe das Unternehmen in einer Phase, in der der deutsche Einzelhandel insgesamt unter Kaufzurückhaltung und einer hohen Kostenbelastung leide.

Der Geschäftsbetrieb laufe trotz des Antrags weiter. Der Onlineshop bleibe geöffnet, ebenso blieben die stationären Standorte in Stuttgart und Düsseldorf geöffnet. Ziel sei es, das Unternehmen im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens zu stabilisieren und eine tragfähige Zukunftslösung zu erarbeiten, teilte das Unternehmen mit.

Lieferkette als Auslöser der Krise

Nach Darstellung der Geschäftsführung habe der Ausfall des portugiesischen Lieferanten kurzfristig nicht kompensiert werden können. In Kombination mit der angespannten Marktlage im deutschen Einzelhandel habe dies die wirtschaftliche Situation weiter verschärft. Man habe in den vergangenen Monaten versucht, die schwache Nachfrage abzufedern, der Lieferantenausfall habe jedoch eine schnelle Entscheidung erforderlich gemacht.

Felix Horsch, Geschäftsführer des Unternehmens, erklärte, der Insolvenzantrag solle die Grundlage schaffen, um das Geschäft zu stabilisieren und neu aufzustellen. Der Fokus liege darauf, die Versorgung der Kundinnen und Kunden sicherzustellen und parallel an einer nachhaltigen Sanierung zu arbeiten.

Vorläufige Insolvenzverwaltung übernimmt

Das Insolvenzgericht hat Rechtsanwältin Nora Sickeler zur vorläufigen Insolvenzverwalterin bestellt. Sie solle gemeinsam mit der Geschäftsführung die nächsten Schritte einleiten, um die Fortführung des Unternehmens abzusichern. Dazu gehörten Gespräche zur Stabilisierung der Warenversorgung sowie der Austausch mit Partnern und potenziellen Investoren.

Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalterin stehe im Vordergrund, dass Bestellungen weiterhin zuverlässig abgewickelt werden könnten. Der operative Betrieb werde fortgeführt, die Standorte blieben geöffnet. Zugleich würden Gespräche geführt, um kurzfristige Lösungen in der Beschaffung zu finden.

Appell an Kundschaft und Marktumfeld

Das Unternehmen richtet sich in der aktuellen Phase auch direkt an seine Kundschaft. Bestellungen im Onlineshop sowie Einkäufe in den Filialen könnten dazu beitragen, den laufenden Betrieb zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine Sanierung zu verbessern. Branchenbeobachter sehen solche Appelle im stationären und digitalen Handel derzeit häufiger, da Liquidität in der frühen Phase eines Insolvenzverfahrens eine zentrale Rolle spielt.

Unklar bleibt bislang, wie schnell alternative Lieferstrukturen aufgebaut werden können und in welchem Umfang Investoreninteresse besteht. Der weitere Verlauf des Verfahrens dürfte daher maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die Warenverfügbarkeit kurzfristig zu sichern und das Vertrauen von Kundschaft und Geschäftspartnern zu erhalten.

Horsch bedient eine Nische

Horsch hat sich auf Schuhe in Über- und Untergrößen spezialisiert. Das Unternehmen bedient damit eine Nische, die im klassischen Schuhhandel häufig nur eingeschränkt abgedeckt wird. Der Vertrieb erfolgt sowohl über einen eigenen Onlineshop als auch über stationäre Standorte. Wie viele spezialisierte Händler steht auch Horsch unter dem Druck steigender Kosten, zurückhaltender Konsumausgaben und einer hohen Abhängigkeit von internationalen Lieferketten.