Start-up-Finanzierung: Cannabis, dessen ungeachtet vertrauenerweckend

Er hat das Große Latinum, er hat sein Abitur mit einem Altgriechisch-Leistungskurs abgelegt. Das wird Albert Schwarzmeier in den Kreditverhandlungen mit der Deutschen Bank nicht geschadet haben. Jedenfalls hat die größte Bank der Republik nach Informationen der F.A.S. dem Kölner Cannabis-Händler Enua, dessen Geschäfte Schwarzmeier als Mitgesellschafter führt, eine Kreditlinie von 25 Millionen Euro eingeräumt. Das wäre in einer anderen Branche nicht der Rede wert. Für die Finanzierung von Cannabis-Unternehmen hierzulande ist es jedoch eine große Nummer.

Zum Einen gilt das einst verbotene Geschäft mit den Hanfblüten den Moralischen im Land immer noch als anrüchig, obwohl sich die Gesetzeslage geändert hat. Das Kapital dafür geben gewöhnlich risikofreudige Fonds und Privatleute, Banken halten sich bedeckt. Zum anderen steht die junge Branche gerade vor einer einschneidenden Veränderung. Die Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen hat es sehr leicht gemacht, zur Behandlung von Schmerzen und anderen Beschwerden per Videotelefonat oder Online-Fragebogen Cannabis auf Rezept zu bekommen. Das bescherte den Cannabisfirmen glänzende Geschäfte.

Enua beliefert die Apotheken mit Cannabis aus überwachtem Anbau. Der Umsatz damit hat sich laut Schwarzmeier im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, auf rund 50 Millionen Euro. Jetzt will die schwarz-rote Bundesregierung die Auflagen für ­Cannabisrezepte wieder verschärfen. Schwarzmeier sagt, er rechne in diesem Jahr mit einem Rückgang des Medizinalcannabisabsatzes um bis zu 25 Prozent. „Das wird den Markt unter Druck setzen. Für gut kapitalisierte Anbieter ergeben sich daraus Chancen.“ Soll heißen: Die Branche wird sich konsolidieren – und dann will Enua nicht zu den Karpfen gehören, die gefressen werden, sondern zu den Hechten, die Beute machen. Dafür sei die neue Kreditlinie gedacht, deren Vereinbarung Schwarzmeier als die bislang größte Fremdkapital-Transaktion in der europäischen Cannabisbranche bezeichnet. Enua will übrigens nicht nur in Deutschland wachsen; auch nach Polen und Großbritannien streben die Kölner.

Die Deutsche Bank bestätigt das Kreditgeschäft, hält sich mit Superlativen jedoch zurück. Ein Sprecher betont, dass es sich ausschließlich um Medizinalcannabis handele und somit gewissermaßen um ein Engagement in der Pharmabranche. Das sei für die Bank nichts Neues. Enua sei profitabel, versichert Schwarzmeier noch. Das hat die Bankiers womöglich mehr beeindruckt als seine Lateinkenntnisse.