Beteiligte sich bedeckt halten: Was wird aus Sanofis Milliardeninvestition in Höchst?

Der französische Pharmahersteller Sanofi schwimmt im Geld. Knapp 40 Prozent Gewinnwachstum straft Kritiker Lügen, die Abkehr von rezeptfreien Arzneimitteln und Fokussierung auf innovative Impfstoffe und Immunologie steigerten allenfalls langfristig die Profitabilität.
Nach Abzug aller Kosten verblieben im abgelaufenen Geschäftsjahr 7,8 Milliarden an Reingewinn. Kassenschlager der Franzosen war einmal mehr Dupixent. 15,7 Milliarden Euro Umsatz generierten sie 2025 mit dem zur Behandlung von Asthma und Neurodermitis verwendeten Medikament. Das ist ein Viertel mehr als im Vorjahr und mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes von 43,6 Milliarden Euro.
Sanofi-Chef Paul Hudson zeigte sich erfreut, zahlreiche behördliche Zulassungen erhalten, die Pipeline dank mehrerer positiver Phase-3-Ergebnisse gefüllt und 2025 insgesamt drei neue Medikamente und Impfstoffe auf den Markt gebracht zu haben. „Diese Dynamik spiegelt unsere Entwicklung zu einem biopharmazeutischen Unternehmen wider“, sagte Hudson am Donnerstag anlässlich der Bilanzpressekonferenz.
Und die Aussichten bleiben positiv. In diesem Jahr erwartet die Geschäftsführung ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich und ein etwas über dem Umsatzwachstum liegendes Wachstum des Gewinns je Aktie. „Mindestens fünf Jahre“ rechne man mit einem „soliden und profitablen Wachstum“.
Vom deutschen Staat flankiert
Die Milliardengewinne aus dem Kerngeschäft und Veräußerungen wie unlängst die von Opella, der Sparte für rezeptfreie Arzneimittel, will Sanofi nicht nur für noch größere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen verwenden. Auch mehrere Großinvestitionen in neue Produktionsstätten sind geplant.
Dazu zählt ein Insulinwerk im Industriepark Höchst nahe Frankfurt. Angekündigt wurde die rund 1,3 Milliarden Euro schwere, vom deutschen Staat flankierte Investition im August 2024. „Ziel ist es, mit der neuen Anlage die langfristige Versorgung mit lebensnotwendigem Insulin für Menschen mit Diabetes zu sichern und gleichzeitig die europäische Versorgungssicherheit zu stärken“, hieß es von Sanofi seinerzeit.
Doch gebaut wurde noch nichts. Immer wieder beteuerte Sanofi, mit den Behörden einen guten Austausch zu pflegen. Wann aber der Startschuss erfolgen soll und ob das Insulinwerk so wie angekündigt errichtet wird, darüber schweigt sich der Konzern aus.
Immer wieder Unbehagen über Investitionsentscheidungen
Zuletzt ist Sanofi sogar komplett auf Tauchstation gegangen und sah sich zu einem Kommentar zu dem Thema nicht imstande. Dabei wäre das Werk ein wichtiges Bekenntnis zum Standort Deutschland, nachdem es seit der Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis im Jahr 2004 immer wieder Unbehagen über Investitionsentscheidungen der Franzosen gegeben hat.
Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) hatte vor einer Woche auf dem Jahresempfang der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) über das Sanofi-Projekt gesagt: „Das geht jetzt in die Umsetzung, das kommt jetzt wirklich.“
Sanofi Deutschland wollte zum weiteren Zeitplan allerdings ebenso wenig sagen wie die Konzernzentrale in Paris; ein Sprecher verwies auf Anfrage auf die noch laufende Prüfung der für die Investition zugesagten staatlichen Beihilfen in Höhe von 400 Millionen Euro durch die EU-Kommission.
„In konstruktivem Austausch“
An dieser Prüfung hängt in der Tat der Fortgang des Projekts, offiziell wollen zum Stand des Verfahrens auch die Bundes- oder Landesregierung und auch die EU-Kommission nichts sagen. Die Brüsseler Wettbewerbsbehörde prüft das Vorhaben nun schon rund zwei Jahre. Das ist in Verfahren von dieser Größenordnung freilich eher die Regel als die Ausnahme. „Zwei Jahre sind in solchen Fällen nichts“, sagt ein damit vertrauter Brüsseler Anwalt.
Obwohl ein Teil der Fördermittel vom Land Hessen kommen soll, wollte sich auch das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden zu dem Verfahren nicht äußern. Es verwies auf das zuständige Bundeswirtschaftsministerium. Dort hieß es am Mittwoch: „Die Bundesregierung steht weiterhin in konstruktivem Austausch mit der Europäischen Kommission. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu laufenden beihilferechtlichen Verfahren nicht äußern.“
Auf Nachfrage, warum das Verfahren noch nicht im öffentlich einsehbaren Register der EU-Kommission erfasst war, teilte eine Ministeriumssprecherin mit: „Der förmliche Akt der Notifizierung über das elektronische System der Europäischen Kommission zur Notifizierung staatlicher Beihilfen erfolgt regelmäßig erst zu einem späten Verfahrensstadium, die wesentlichen Fragen werden in der Regel davor bereits mit EU-Kommission geklärt.“
In der Tat meldet das betroffene Mitgliedsland eine Staatshilfe in der Regel erst dann bei der Brüsseler Wettbewerbsbehörde an, wenn die Details der Genehmigung schon annähernd geklärt sind – weshalb danach die Freigabe durch die Kommission meist nicht mehr lange dauert. Über diese Details verhandelt die EU-Behörde nicht nur mit den zuständigen Ministerien, sondern auch mit dem Unternehmen selbst.
In Brüssel werden „Fortschritte“ in den Gesprächen zumindest inoffiziell bestätigt. Worin diese bestehen und wann mit einer Freigabe zu rechnen sein könnte, will aber niemand sagen.