Thüringens Ministerpräsident Voigt soll Doktortitel verlieren
Die TU Chemnitz hat dem Thüringer Ministerpräsidenten Voigt den Doktortitel aberkannt. Der CDU-Politiker will nun dagegen klagen. Die Entscheidung der Universität sei nicht nachvollziehbar, so Voigt.
Die Technische Universität Chemnitz hat dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) den Doktortitel aberkannt. Das teilte die Staatskanzlei in Erfurt am Mittwochnachmittag mit. Voigt selbst kündigte eine Klage vor dem zuständigen Verwaltungsgericht an.
Noch am Nachmittag hatte sich Voigt zu den Vorgängen geäußert. Er wisse erst seit dem Mittag von der Entscheidung der TU und kämpfe für seine Doktorarbeit, sagte er. Er vertraue auf ein reguläres Verfahren am Gericht.
TU Chemnitz wendet „neue Bewertungsmaßstäbe“ an
Die Entscheidung der Philosophischen Fakultät sei nicht nachvollziehbar, so Voigt. Der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit sei von den Vorwürfen nicht betroffen, das habe ein von der Universität beauftragter Sachverständiger im Februar 2025 eindeutig bestätigt.
Warum die TU ihrem eigenen Gutachten nicht folge, sei für ihn nicht nachvollziehbar, so der Ministerpräsident. Die von der Fakultät beanstandeten Textstellen bezögen sich auf 2,58 Prozent der Wörter in der gesamten Doktorarbeit.
Voigt selbst erklärte am Mittwoch, die Universität habe im Mai 2025 im laufenden Verfahren „neue Bewertungsmaßstäbe für Plagiatsverfahren eingeführt und anschließend gezielt auf seine Dissertation angewendet“. Das Vorgehen sei „zurückhaltend formuliert höchst ungewöhnlich“.
Mario Voigt hat sich auf seinem eigenen Instagram-Account geäußert:
Höcke fordert Rücktritt
AfD-Fraktionschef Björn Höcke hat den Ministerpräsidenten zum Rücktritt aufgefordert. Voigt habe nicht nur seine Wähler getäuscht und die Würde der Universität Chemnitz beschädigt, sondern vor allem dem Land schweren Schaden zugefügt.
In der Geschichte Thüringens sei ein politischer Rücktritt „kaum je überfälliger“ gewesen als in diesem Fall, so Höcke.
Plagiatsjäger“ hatte Voigt angezeigt
Im Sommer 2024 hatte sich der österreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber an die Hochschule gewandt und Voigt wegen vermeintlicher Plagiate in dessen Doktorarbeit angezeigt. Der selbsternannte „Plagiatsjäger“, machte sich in der Vergangenheit unter anderem dadurch einen Namen, dass er akademische Arbeiten von Prominenten und Politikern auf Plagiate prüfte.
Voigts Dissertation „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F. Kerry“ war 2010 veröffentlicht worden.
MDR (dvs)
Source: tagesschau.de