„How to Know a Person“: Menschen lieben mich
Eine Bekannte von mir fand neulich ein Tagebuch. Jemand hatte es am Tisch vergessen, und sie „musste darin lesen, um zu wissen, wem es gehört“. Ich schüttelte empört den Kopf. „Hast du nicht!“, rief ich – und raunte dann: „Erzähl verdammt noch mal alles, was drinstand.“ Zu unserer Enttäuschung kam kein einziges intimes Detail vor, nur Achtsamkeit und irgendwas mit mehr Pilates. An einen Satz allerdings, der mehrfach umkringelt war, erinnerte sich meine Bekannte: „Menschen lieben mich.“ – „Menschen lieben mich?“, wiederholte ich ungläubig. Was war denn das für ein hochspekulatives, nach Bestätigung bettelndes Mantra? Ich schaute aus dem Caféfenster auf die vereiste Münchner Straße, draußen rannten Jogger ihren Neujahrsvorsätzen hinterher, und ich verstand, was der Journalist David Brooks meinte, als er kürzlich in der New York Times schrieb: „Wir leben in einer Zeit der großen Entkopplung.“