#Interview – „Ein starkes Signal für jedes den Bedarf im Markt“

#Interview

Die Hamburger Jungfirma smatch setzt auf einen Marktplatz für überschüssige Mode. Investoren wie Transition, 42Cap und 10x Founders investierten bereits rund 10 Millionen in das Startup, das 2022 gegründet wurde. Derzeit arbeiten 20 Mitarbeitende für smatch.

„Ein starkes Signal für den Bedarf im Markt“

Das Hamburger Startup smatch, 2022 von Max Groberg und Hans-Martin Vetter gegründet, positioniert sich als B2B-Marktplatz, der „globale Modemarken und Einzelhändler verbindet, um unverkaufte Bestände schnell, diskret und profitabel zu handeln“.

Der englische Investor Transition, 42Cap und 10x Founders sowie Noel Kinder, Nigel Griffiths und Achim Berg investierten zuletzt 7,3 Millionen Euro in die Jungfirma. Zuvor flossen rund 2,5 Millionen in das Unternehmen – unter anderem von 42Cap, Green Generation Fund und 10X Founders.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Hans-Martin Vetter einmal ganz ausführlich über den Stand der Dinge in seinem Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter smatch erklären?
Überproduktion ist ein grundlegendes Problem der Modeindustrie: Modeartikel werden meist viele Monate vor dem Verkaufsstart produziert. Da sich jedoch nur schwer vorhersagen lässt, was Konsumenten in einigen Monaten genau kaufen wollen, führt dieser Zeitversatz zu erheblicher Planungsunsicherheit für Marken und Händler. Deren bisherige Antwort auf die Unsicherheit? Überproduktion – also „von allem etwas mehr“.  Allein in Europa führt das dazu, dass Modebestände im Wert von jährlich 300 Mrd. Euro entweder nur mit erheblichen Discounts verkauft werden oder vollständig unverkauft bleiben. Dieses „etwas mehr“ hat sich – sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch – zu einem ernsthaften Problem entwickelt. smatch steht für stock – englisch für Bestand – match. Wir bauen einen B2B-Marktplatz für den Handel mit diesen Beständen im Modebereich. Global tätig, nutzen wir künstliche Intelligenz, um für jedes Produkt effizient immer wieder die passenden Geschäftspartner zusammenzubringen.

War dies von Anfang an Euer Konzept?
Wir waren von Anfang an überzeugt, dass ein effizienter Marktplatz der richtige Ansatz ist, ein derart komplexes, globales Problem at scale zu adressieren. Seit dem Start in 2023 dürfen wir jedoch sehr viel dazulernen: über die verschiedenen Bedürfnisse der Marktteilnehmer, kulturellen Unterschiede, administrativen Hürden des grenzüberschreitenden Handels bis hin zu rechtlichen Veränderungen. Seit 2024 ist klar: Die EU verbietet mit der Ecodesign Guideline die Zerstörung unverkaufter Neuware im Modebereich. Veränderung im Umgang mit Überbeständen ist daher Pflicht – wir iterieren unser Modell fortlaufend, um dafür die beste Lösung im Markt anzubieten. 

Wie hat sich smatch seit der Gründung entwickelt?
Wir sind mittlerweile 20 Mitarbeiter:innen und konnten dieses Jahr einen achtstelligen Marktplatzumsatz verzeichnen. Das freut uns sehr – im Vergleich zum Vorjahr konnten wir uns verzehnfachen. Für uns ist das ein starkes Signal für den Bedarf im Markt und eine große Motivation, mit smatch einen signifikanten Hebel auf den nachhaltigen Wandel in der Modeindustrie zu haben. 

Zuletzt konntet Ihr Millionen einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
42Cap wurde uns von einem unserer Business Angels aufgrund der starken Commerce-Tech-Expertise empfohlen. Niemand hat wahrscheinlich ein spannenderes Netzwerk als das Team von 10x Founders. Transition und GGF wurden uns als Experten und „contrarian thinkers“ im Nachhaltigkeitsbereich empfohlen. Uns war es wichtig, auf den jeweiligen Dimensionen echte Experten für smatch zu finden.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen? 
So einiges. Wir arbeiten global. Zoll- und Logistikthemen sind, in für uns neuen Ländern, immer wieder zu Beginn herausfordernd. Ich erinnere mich gut an die Frage vom Zoll, was unsere „EORI Nummer“ sei. Wir schauten uns im Team gegenseitig an und legten mit der Recherche los, was EORI ist und wie wir diese Nummer bekommen. Auch wenn wir früher schon im Modebereich gearbeitet haben – wir denken mit smatch vieles neu. Fehler gehören bei schnellem Wachstum dazu. 

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht? 
Einfache Antwort: Beim Team. Wir sind mega stolz, dass sich unsere Kolleg:innen dafür entschieden haben, bei smatch ihre Zeit zu investieren. Wir sind in der glücklichen Lage, durch unsere Arbeit großen positiven wirtschaftlichen und ökologischen Impact zu erzielen. Das motiviert viele Mitarbeiter:innen doppelt – so wie Max und mich auch. 

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Baut nicht für Hype Cycles, sondern aus Überzeugung. 

Wo steht smatch in einem Jahr?
An erster Stelle für Modemarken und -händler, die ihr Lager in Umsatz drehen möchten, schnell überschüssige Ware verkaufen oder kurzfristig einkaufen möchten. 

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Foto (oben): smatch

Source: deutsche-startups.de