Endlich Freitag: ICE in Minneapolis, Lage in Rojava und „positiver Stress“

In den USA erschießen ICE-Beamte einen Krankenpfleger, Şeyda Kurt spricht mit uns über die Lage in Rojava und Sie erfahren, wie Sie Adrenalin und Deadlines kreativ nutzen können. Das ist der Freitag-Blick auf den Tag

Hallo,

herzlich willkommen zu Endlich Freitag! Ich bin Pepe Egger, leite das Politik-Ressort beim Freitag und schreibe künftig die Montagsausgabe dieses Newsletters.

Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, diesen Newsletter zur Trump-freien Zone zu erklären: zu einem Ort des digitalen Verschnaufens vor den Zumutungen des GRÖLAZ in Washington. Aber schon beim ersten Versuch scheitert das. Denn nach tödlichen Schüssen in Minneapolis erfasst zumindest mich zum x-ten Mal dieses ungläubige Entsetzen, das die Trump-Zeit von Anfang an begleitet: Ist das wirklich passiert? Haben die das wirklich getan? Und versuchen sie jetzt wirklich, das Offensichtliche zu leugnen?

Ganz offensichtlich: Ja. Ein Krankenpfleger wurde von ICE-Beamten erschossen, als er einer Frau zu Hilfe kommen wollte, die von den Abschiebe-Schergen drangsaliert wurde. Selbst der rechten britischen Postille Daily Mail macht der Vorgang Sorgen: Derlei brutale Ermordungen seien Wasser auf die Mühlen derjenigen, die die USA auf dem Weg in den Faschismus sehen.

Vielleicht können wir uns ja darauf einigen? Wer sich nicht nachsagen lassen will, ein Faschist zu sein, verzichtet drauf, sich so zu benehmen wie einer. Das wär doch schon mal ein Anfang.

1. Heute wichtig

  • Robert Menasse über „Nie wieder“: Der österreichische Schriftsteller macht sich Gedanken über das Gedenken: 80 Jahre haben wir „Nie wieder Auschwitz!“ in der Schule gelernt. Warum das Bestehen auf die Singularität des Holocausts Faschisten auch ein leichtes Spiel machte
  • 37-jähriger Mann in Minneapolis erschossen: Tim Walz fordert Abzug von ICE-Truppen, die Trump-Regierung eskaliert
  • Müde, abgekämpft, kalt?Müdigkeit, Stress, draußen friert man ein. Wie wir grade jetzt die Zuversicht wiederfinden können

2. Made My Day

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The Hungry Giant Auf dem Höhepunkt der Grönland-Panik, als Donald uns alle in den Wahnsinn zu treiben versuchte, erschien ein eis-eis-cooles KI-Video aus dem hohen Norden: Die Greenland Defense Front stellt sich Donald Trump entgegen, mit Eisbär, Walross und Orkas. Meine Bürokollegin musste gucken kommen, warum ich mich nicht mehr einkriegen konnte, so lag ich auf dem Boden vor Lachen: Liegt es an der Musik? An dem stoischen Gleichmut der Darsteller? An der Szenerie? Ich würde sagen: Wahrscheinlich an den slalom-wedelnden Eisbären.

Zum Youtube-Video

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu hören: Die Geschichte geht weiter. Der Deutschlandfunk hat aus Viktor Klemperers Tagebüchern eine Podcast-Serie gemacht: 15 Folgen begleiten den Literaturwissenschaftler durch die Weimarer Republik, die Nazizeit und die frühe DDR. Nicht aus der Distanz eines Historikers, sondern mit der Unmittelbarkeit des Gegenwärtigen. Absolut hörenswert!

Zur Serie

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4. Lese-Empfehlung

➜ Ist Rojava verloren? Die deutsch-kurdische Schriftstellerin Şeyda Kurt spricht über die Angriffe auf die Kurden in Syrien. Sie kritisiert Fehler der Selbstverwaltung in Rojava, warnt vor der Rolle Israels und der Türkei. Und nimmt die Doppelmoral der „feministischen Außenpolitik“ angesichts der Angriffe auf Rojava ins Visier. Mein Kollege Carlos Hanke Barajas hat mit ihr gesprochen.

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der Freitag: Frau Kurt, Sie haben verschiedene Kontakte nach Syrien und beschäftigen sich viel mit der Region. Wie haben Sie die vergangenen Tage persönlich erlebt?

Şeyda Kurt: Die Ereignisse haben sich in den vergangenen Tagen überschlagen. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich aus einer Schockstarre herauszukämpfen. Auch die Proteste in Köln, wo ich gerade lebe, waren am Anfang relativ unkoordiniert. Privatpersonen haben Demonstrationen angemeldet, es war ein Flickenteppich an Aktionen. Mich bedrückt auch, was der Angriff im persönlichen Umfeld auslöst: arabisch-syrische Freund*innen etwa, die auf Instagram Storys teilen, in denen sie das Vorgehen der syrischen Übergangsregierung verteidigen. Oder ein Teil meiner türkischen Familienseite, der gerade gleichklingende Staatspropaganda ins Internet schleudert. Ich habe einige belastende Gespräche führen müssen.

Sie waren erst selbst vor Kurzem in der Grenzregion. Woran denkt man da?

Erst im September habe ich kurdische Städte entlang der türkisch-irakischen Grenze besucht. Ich denke an die gute Stimmung von damals, wie zuversichtlich und hoffnungsvoll die Menschen dort auf den aktuellen Friedensprozess in der Türkei mit den Kurd*innen geblickt haben – der jetzt natürlich auch ins Stocken geraten ist. Und natürlich denke ich an Freund*innen in Rojava, obwohl sie am ehesten diejenigen sind, die sagen: „Gut, damit haben wir gerechnet. Wir sind seit Jahren im Krieg und wir werden jetzt weiterkämpfen.“

Zum gesamten Interview

Damit sind wir auch schon am Ende dieser ersten Ausgabe unseres Newsletters. Endlich Freitag! „Captain, it’s monday!“ Sie kennen das…
Redaktionsschluss für diesen Daily war Montag, 26.1.2026 um 12:00 Uhr. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag – rutschen Sie nicht aus, bleiben Sie trittsicher und heil!

Viele Grüße,

Ihr Pepe Egger

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