Marken-Strategie: Kalium-Way-Vorstandsvorsitzender: „In Deutschland viel Potenzial“

Lorenzo Boglione ist CEO der K-Way-Mutter Basicnet.

K-Way ist eine italienische Kult-Marke mit starkem Markenkern. Und eine der größten der BasicNet-Gruppe. Konzern-CEO Lorenzo Boglione über Basics, Trends und Kooperationen.

Sowohl bei K-Way also auch dem Mutterkonzern BasicNet ist gerade einiges in Bewegung. So hat die Gruppe kürzlich das Europageschäft des Outerwear-Spezialisten Woolrich übernommen und außerdem die Beachwear Brand Sundek. Bei der Marke K-Way, die kürzlich 60-jähriges Bestehen feierte, ist im Herbst 2025 Permira mit 40% eingestiegen. Im TW-Interview sprich BasicNet-CEO Lorenzo Boglione darüber, wie die Marken-Strategie der Regenjacken-Ikone heute aussieht.

TextilWirtschaft: K-Way hat eine lange Historie. Gerade erst feierte die Marke 60-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr haben Sie mit Permira einen neuen Partner an Bord, mit dem die Dynamik erhöht werden soll. Wo steht die Marke und wohin steuert sie?
Lorenzo Boglione: K-Way ist die zweitgrößte Marke unserer Gruppe, nach Kappa. Und genau, mit Permira haben wir seit kurzem einen Finanzinvestor an Bord, der 40% der Marke hält. Das ist ein Meilenstein in der Geschichte unserer Gruppe. In den vergangenen Jahren haben wir große Fortschritte bei der Expansion der Marke gemacht, jetzt können wir mit Permira in die nächste Phase eintreten.
Wo sehen Sie Potenzial?
Wir sind 2025 wieder mit eigenem Retail nach Großbritannien zurückgekehrt, haben einen Store in der Londoner King’s Road eröffnet und weitere sind in Planung. Während wir beispielsweise in Frankreich und Benelux schon gut vertreten sind, sehen wir in UK viele Möglichkeiten für mehr Wachstum. In Deutschland haben wir ebenfalls viel Potenzial, hier suchen wir aktiv nach Standorten für eigene Läden. 

Soll das Wachstum nur über eigene Läden kommen?
In Deutschland haben wir in allen Kanälen noch Potenzial. Im Wholesale, im eigenen Retail und E-Commerce und ebenso bei Online-Plattformen. Wenn wir eigene Läden eröffnen, wollen wir damit nicht unser grundsätzliches Geschäftsmodell, das je nach Markt stark vom Wholesale getragen wird, ersetzen, aber man kann es unterstützen. Die Marke prominenter und ganzheitlicher präsentieren, sichtbarer machen. Der Vertrieb entwickelt sich immer weiter, und wir arbeiten daran, die perfekte Balance in jedem Markt zu erreichen und mit jeder Retail-Form, die für uns relevant ist, ob inhabergeführter Einzelhandel, große E-Commerce-Plattform oder eigene Läden. Aktuell entfällt der größte Umsatzanteil auf den Wholesale, der eigene Retail wächst dynamisch.

Die stärkste Produktkategorie bei K-Way dürfte Outerwear sein, richtig?
Ja, von Outerwear kommen wir her. Sie hat den größten Anteil. Aber andere Produktgruppen wachsen sehr dynamisch, insbesondere Oberteile wie Fleece, Sweatshirts und Polos. Ich würde sagen, dass wir mit Ausnahme von Schuhen schon sehr gut aufgestellt sind beim Total Look.

Warum eigentlich?
Schuhe sind in Relation zur Größe des Marktes ein sehr aufwendiges Segment. Wir arbeiten daran, es ist aber noch Work in Progress.

Sind Lizenzen ein Thema?
Bei Brillen arbeiten wir mit Marcolin zusammen, aber darüber hinaus haben wir keine Lizenzen vergeben und planen es auch nicht. Zumindest nicht in nächster Zeit.

Anders als manche andere Outerwear-Spezialisten hat K-Way seine Wurzeln in einem eher leichten Produkt, in der Regenjacke. Sind Sie damit weniger auf die Wintermonate abonniert? Würden Sie sagen, dass K-Way eine transsaisonale Marke ist?
Wir sind traditionell im Frühjahr und im Herbst am stärksten. Also in den Übergangen zwischen den Extremen der Saisons. Natürlich haben wir auch Produkte für den tiefsten Winter im Portfolio, aber ich denke, dass alles dazwischen eine sehr interessante Positionierung ist, auch mit Blick auf die Entwicklung der klimatischen Bedingungen. Wir fühlen uns in diesem Dazwischen als Marke sehr wohl.

Es gibt ikonische Produkte von K-Way wie die Le Vrai 4.0, die bekannte Regenjackenform, aber ebenso auch modische Drops. Wie ist das Verhältnis von Klassikern zur saisonalen Styles?
Hier kommt es tatsächlich sehr stark auf die richtige Balance an. Und die kann regional auch sehr unterschiedlich sein. Die Le Vrai ist tatsächlich ein sehr starkes und wichtiges Produkt mit hohem Volumen. Eine Daunenjacke, von der wir vielleicht niedrigere Stückzahlen verkaufen, die aber einen höheren Verkaufspreis hat, ist aber ebenfalls wichtig. Wenn wir sehen, dass wir an einer Stelle mehr Business mit weniger Volumen machen können, finden wir das auf jeden Fall erstrebenswert. Am Ende geht es um einen gesunden Mix.

BasicNet – zum Unternehmen

Der konsolidierte Umsatz der Gruppe lag 2024, neuere Zahlen liegen nicht vor, bei 409,2 Mio. Euro (nach 396,8 Mio. Euro im Jahr 2023, +3,1%). Die Umsätze setzen sich zusammen aus Direktverkäufen in Höhe von 346,8 Mio. Euro (332,8 Mio. Euro im Jahr 2023, +4,2%) und Lizenzeinnahmen in Höhe von 60,9 Mio. Euro (62,3 Mio. Euro im Jahr 2023, -2,2%).

Das EBITDA stieg auf 61,1 Mio. Euro (58,1 Mio. Euro im Jahr 2023, +5,0%), das EBIT auf 42,1 Mio. Euro (41,1 Mio. Euro 2023, +2,5 %). Der Nettogewinn betrug 25,3 Mio. Euro (24,4 Mio. Euro 2023, +3,6%).

„Wir wollen für alle da sein und so populär wie möglich, so leicht zu finden wie möglich, so zugänglich wie möglich.“

K-Way-CEO Lorenzo Boglione

Viele stationäre Händler kämpfen mit rückläufigen Frequenzen. Den Durchschnittspreis zu erhöhen ist dann oft ein Mittel, um das auszugleichen. 
Das mag sein, aber grundsätzlich bin ich ehrlich gesagt kein Freund davon, Preise zu erhöhen. Die Branche hat mitunter jetzt schon ein Pricing-Problem. Und wir wollen kein Teil davon sein. Wir glauben an die Idee von erschwinglichen Produkten in ausgezeichneter Qualität. Deshalb werden wir daran auch nicht drehen.

Manche Marken oder Produkte funktionieren in überraschend vielen Genres und Kontexten. Würden Sie sagen, dass K-Way eine Marke ist, die man als „classless“ bezeichnen könnte?
Das ist definitiv der Fall. Wir wollen für alle da sein und so populär wie möglich, so leicht zu finden wie möglich, so zugänglich wie möglich. Das ist ein ganz wichtiger Teil unserer Identität.

Die Marke K-Way ist über 60 Jahre alt. Was muss man tun, um relevant zu bleiben, immer wieder neue Zielgruppen für sich zu gewinnen, etwa die Gen Z?
Ich glaube nicht, dass wir von dem Gedanken besessen sind, einer bestimmten Generation oder Kundengruppe zu gefallen. Wir wollen relevant für uns selbst sein und vor dem Hintergrund der langen Historie der Marke. Und am Ende war es immer so, dass das auch den coolen Kids gefallen hat. Und sollte es ihnen mal nicht gefallen, dann gehen wir dennoch unseren Weg. Man kann nicht mit den Fingern schnipsen und etwas aus dem Hut zaubern, das ihre Aufmerksamkeit erregt, wie eine bestimmte Collab oder so etwas. Man muss am Ball bleiben, aber wir werden unsere Marke nicht anhand von Trends ausrichten. Denn letztlich sind gerade junge Kunden in ihrem Verhalten sehr…

…sprunghaft?
Ja. Und das ist auch okay. Natürlich interessiert uns auch, wie eine junge Zielgruppe auf uns blickt. Aber in jüngeren Jahren ändert man einfach häufiger seinen Geschmack, hat Spaß daran, zu experimentieren. Wir schauen uns das an, hören zu, aber haben vor allem im Blick, eine stabile Kundenbasis weiter aufzubauen.

Sie sprachen von Collabs. Wie wichtig sind sie aus Ihrer Sicht? 
Ich würde sagen, dass sie sehr wichtig sind. Aber wir haben etwas das Tempo herausgenommen. Es darf nicht beliebig werden, man muss sich auf die konzentrieren, die wirklich relevant sind und sollte das Thema nicht überreizen. 

Können Sie uns schon einen Ausblick geben, was für Herbst/Winter 2026 wichtig wird?
Ein Thema, in das wir investieren, ist der Snowsports-Bereich. Im Bereich Performance Wear für Ski und Snowboard werden wir einen Schwerpunkt setzen. 

Herbst/Winter 2026/27: Neue Snowsports-Kaspel von K-Way

„Wir mögen es, Marken zu führen, die ein reiches Erbe haben und dieses immer weiter ausbauen.“

K-Way-CEO Lorenzo Boglione

Welche Relevanz haben explizit für den Sport kreierte Produkte?
Wir sehen einerseits eine steigende Nachfrage nach Performance-Produkten, andererseits ist es auch für die Positionierung der Marke wichtig, hier zu investieren und Statements zu setzen, um die Positionierung zu unterstreichen. 

Sie sagten, dass Sie nicht daran glauben, schnellen Trends zu sehr zu folgen. Gilt das eigentlich für alle Marken Ihrer Gruppe?
Ja, das kann man grundsätzlich schon sagen. Wir schauen mehr auf die Markenhistorie als auf einzelne Trends im Markt. Wir mögen es, Marken zu führen, die ein reiches Erbe haben, und dieses immer weiter auszubauen. Natürlich passen wir uns Märkten an, aber wir rennen ihnen nicht hinterher. Man darf eine Marke nicht verdrehen. 

Denken Sie diese Philosophie ist in Zeiten von Informations- und Trend-Overkill ein Vorteil?
Ich glaube nicht, dass es ein Vorteil ist. Aber auch kein Nachteil. Es ist einfach unsere Art. Es gibt Personen da draußen, die es anders machen und damit sehr erfolgreich sind. Aber wir gehen unseren eigenen Weg. Der hat hier und da Grenzen, eröffnet aber auch viele Möglichkeiten.

Lorenzo Boglione – zur Person

Lorenzo Boglione (geboren am 25. Juli 1986 in Turin) ist Chief Executive Officer der BasicNet Group, einem italienischen Unternehmen mit Sitz in Turin, das Bekleidungs-, Schuh- und Accessoire-Marken wie Kappa, Robe di Kappa, K-Way, Superga, Sebago und Briko besitzt.

Zusammen mit seinem Bruder Alessandro repräsentiert er die zweite Generation an der Spitze des von ihrem Vater Marco Boglione gegründeten Unternehmens.

Nach seinem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Turin erwarb er 2010 einen Master in Management an der ESCP Europe und schloss ein dreijähriges Programm in London und Paris mit einer Spezialisierung auf Unternehmertum ab. Im selben Jahr, im Alter von 24 Jahren, trat er bei BasicNet ein, wo er zunächst praktische Erfahrungen in den Geschäften verschiedener Marken sammelte und dann in die Abteilung für Geschäftsentwicklung wechselte.

Seitdem hat er folgende Funktionen innerhalb der Gruppe übernommen:

• 2017–2023: CEO von Kappa
• Seit 2020: CEO von Sebago Srl
• 2022–2025: Leitet gemeinsam mit seinem Bruder die K-Way SpA und führt die Marke in eine Partnerschaft mit dem Permira-Fonds, der einen Anteil von 40% erwirbt.

Lorenzo Boglione trat 2019 in den Verwaltungsrat ein und wurde 2022 dessen stellvertretender Vorsitzender. Im Jahr 2025 wurde er zum CEO der BasicNet-Gruppe ernannt und vollendete damit den Generationswechsel.

Sein unternehmerischer Ansatz konzentriert sich nach eigenen Angaben auf die strategische Entwicklung der Marken mit einem starken Fokus auf Marketing, Produkt und Direktmanagement der europäischen Märkte, mit dem Ziel, eine starke und konsistente kommerzielle Präsenz für jede Marke aufzubauen.

Boglione ist Segler, Surfer und Outdoor-Fan, lebt in Turin und ist Vater von drei Kindern.