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In Kyjiw sind rund 6.000 Wohnhochhäuser mit sehr vielen Etagen ohne Strom – also fast die Hälfte aller Gebäude in der ukrainischen Hauptstadt. In jedem Haus leben hunderte Menschen. Erstmals seit Beginn der russischen Invasion vor fast vier Jahren rief die Regierung wegen der Energiekrise den Notstand aus.
Die Behörden haben Notunterkünfte eingerichtet, in denen sich die Bürger aufwärmen, Wasser holen oder ihr Handy aufladen können. Um den Alltag zu bewältigen, sammeln viele Menschen Schnee als Wasserersatz, schlafen in Mänteln und Mützen und stellen Zelte in ihren Wohnungen auf.
In der Nacht zum 9. Januar hat Russland mit einem großen Raketen- und Drohnenangriff die Heizkraftwerke von Kyjiw angegriffen. Rund jeder sechste Bewohner Kyjiws ist dem Aufruf von Bürgermeister Vitali Klitschko zur vorübergehenden Evakuierung gefolgt: 600.000 der 3,6 Millionen Einwohner sollen die Stadt seitdem verlassen haben. Um das Stromnetz zu entlasten, wurde auch an vielen Orten die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet – viele finden nur noch mit Taschenlampen ihren Weg.
In der Ukraine herrscht seit Anfang Januar strenges Frostwetter mit Temperaturen bis zu minus 20 Grad. Besonders in der Nacht ist es in Kyjiw bitterkalt. Tausende Wohnungen kühlen aus: Dort werden kaum noch Plusgrade gemessen.
Erstmals seit Beginn der russischen Invasion vor fast vier Jahren rief die Regierung wegen der Energiekrise den Notstand aus. Viele Menschen können sich nur in Notunterkünften oder an provisorischen Feuerstellen aufwärmen.
Die Stadtverwaltung und kommunale Dienstleister versuchen rund um die Uhr, die Energienetze zu reparieren. Ein zweiter russischer Angriff sorgt aber für neue Probleme. Die Ausfälle beeinträchtigen sowohl die Mobilfunkdienste als auch den elektrifizierten Nahverkehr.
Auch die Wasserversorgung ist in weiten Teilen der Stadt ausgefallen. Das bedeutet für viele Menschen, dass sie zum Kochen auf Hilfsorganisationen angewiesen sind. In provisorischen Küchen wie hier im Ort Borodjanka im Umland von Kyjiw können sie eine warme Mahlzeit bekommen.
In vielen Wohngebäuden ließen die Behörden das Wasser aus den Heizsystemen ab, um zu vermeiden, dass der Frost die Rohre sprengt und die Heizungen langfristig kalt bleiben. Laut dem Energieversorger Dtek ist die derzeitige Lage die härteste in diesem Winter.
In diesem Winter fielen die Angriffe so schwer aus wie in keinem der Kriegsjahre zuvor: Bis auf die Atomkraftwerke des Landes gibt es nach ukrainischen Regierungsangaben kein Kraftwerk mehr in der Ukraine, das nicht attackiert worden sei, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.