Warnung vor Jobverlusten: Das fordert jener Handel zur anstehenden Tarifrunde

Was wird die Gewerkschaft fordern? Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel beginnen im April.

Vor dem Start der Tarifrunde im deutschen Einzelhandel in diesem Frühjahr warnt der Handelsverband Deutschland vor „zu hohen Gewerkschaftsforderungen“ und verweist auf die starke Belastung der Arbeitgeber. Diese Gründe führt der HDE ins Feld.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien weiter sehr schlecht, so der HDE. Davon könne sich auch der Einzelhandel nicht abkoppeln. „Steigende Arbeitskosten etwa durch zu hohe Tarifabschlüsse, erdrückende Bürokratie- und Regulierungslasten und weiter wachsende Sozialversicherungsabgaben sind in dieser schwierigen Lage ein regelrechter Giftcocktail, der massenhaft Arbeitsplätze im Einzelhandel gefährden kann“, sagt HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. Der Verband spricht von einer „Überforderung der Branche“.
Der Handel stehe ausdrücklich zur Sozialpartnerschaft, die „ein sehr hohes Gut“ sei. Wichtig sei aber, dass alle Akteure auch die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie wieder mehr in den Fokus nähmen. „Die Steigerungen des gesetzlichen Mindestlohns fressen sich immer tiefer in die Tarifwerke hinein. Das wird zunehmend zu einer schweren Hypothek für die Tarifvertragswerke aller Branchen“, betont Haarke.

Vor dem Start der diesjährigen Tarifrunden im Einzelhandel, der für April angesetzt ist, warnt der HDE daher eindringlich davor, durch zu hohe gewerkschaftliche Lohn- und Gehaltsforderungen eine Erwartungshaltung bei den Beschäftigten zu erzeugen, die dem Realitätscheck am Ende nicht standhalte. „Der letzte Tarifabschluss hat den Beschäftigten im Einzelhandel über die Laufzeit von 2023 bis 2025 insgesamt 14% Gehaltserhöhung eingebracht und damit nachweislich auch einen satten Reallohngewinn. Damals haben wir hoch ins Regal gegriffen und das in extrem schwierigen Zeiten für die Branche“, so Haarke.

„Kaum Verteilungsspielraum“

Eine solche Tariflohnsteigerung sei in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftslage und der steigenden Kosten für viele Arbeitgeber im Handel kaum zu schultern. „Es besteht in diesem Jahr kaum noch Verteilungsspielraum, ansonsten drohen massenhaft Jobverluste in der Branche“, sagt Haarke. Die Gewerkschaft sei nun in der Verantwortung, der Branche keinen „irreversiblen Schaden“ zuzufügen.

Deutschland bewege sich schließlich auf einen neuen Höchststand bei den Arbeitslosenzahlen zu. Und der Einzelhandel habe seit 2022 nach einer aktuellen Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit mehr als 60.000 sozialversicherungspflichtige Jobs verloren. „Das dürfte leider noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“, so Haarke.

Positiv zu bewerten sei der aktuelle Vorstoß von DGB-Chefin Yasmin Fahimi für ein „Bündnis für Arbeit und Innovation“ der Sozialpartner im Bundeskanzleramt. „Diese Initiative zeigt ganz deutlich, dass die Gewerkschaften die Dramatik der Lage für den Wirtschaftsstandort Deutschland inzwischen auch erkannt haben.“

Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland sind in der Branche 3,1 Millionen Menschen beschäftigt. Die Tarifrunde sei damit eine der größten in Deutschland.